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Mittwoch 1.3.2017 – 20 Uhr
something weird cinema
BASIC INSTINCT
USA 1992 – OF – 127 Min. – 35mm
Regie Paul Verhoeven
Buch Joe Eszterhas
Kamera Jan de Bont – Musik Jerry Goldsmith
Mit Michael Douglas, Sharon Stone, George Dzundza, Jeanne Tripplehorn

»Der schweinischste Film aller Zeiten.«
(Bild)

Ein Cop beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einer lasziven Schriftstellerin, die offen damit kokettiert, ihre Fantasien auch in der Realität umzusetzen. Und in der Realität sterben ihre Liebhaber…

Paul Verhoevens seinerzeitiger ›Skandalfilm‹ kennt keine Helden: Seine Figuren haben sich kaum unter Kontrolle, suhlen sich in ihren Trieben, koksen auf der Toilette, verbringen die Nächte in Techno-Tempeln und spreizen beim Verhör die Beine. Sharon Stone war danach auf die Rolle ihres Lebens festgelegt, und ihr Eispickel wurde zur Ikone. Der wahre Star ist aber Jan de Bonts elegante Kamera, die dem Treiben eine extrem chice Oberflächenpolitur gönnt.

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Donnerstag 2.3.2017 – 20 Uhr
MADEMOISELLE
FRA/GBR 1966 – DF – 103 Min. – 35mm
Regie Tony Richardson
Buch Marguerite Duras, Jean Genet
Kamera David Watkin – Musik Antoine Duhamel
Mit Jeanne Moreau, Ettore Manni, Keith Skinner, Umberto Orsini

Die angesehene Lehrerin eines kleinen französischen Dorfes nutzt unbeobachtete Momente dazu, Brunnen zu vergiften und Weiden zu fluten. Der Taten verdächtigt wird ein italienischer Holzfäller, zu dem sie sich hingezogen fühlt.

Marguerite Duras überarbeitete den schon 1951 begonnenen Drehbuch-Entwurf Jean Genets, und free cinema-Ikone Tony Richardson machte daraus ein formal streng reduziertes, dabei aber höchst sinnliches Porträt unberechenbarer Weiblichkeit.

»[…] was ich an dem Film nicht fassen kann, ist, dass ich ihn riechen kann. Die warme Abendluft, der Holzduft aus dem Wald, das Dorf im Mondlicht, die alten Höfe, alten Leute. Ich rieche Mademoiselles knarrenden Kleiderschrank, wenn sie ihn öffnet, um das chice Kleid und die hochhackigen Schuhe rauszuholen, die sie zu ihren Anschlägen trägt. Die blumengeschmückten Dorfkirchen, den Duft der Bigotterie, den ich erregend finde. Nicht nur ich. Dem Film geht es genauso.«
(Silvia Szymanski, hardsensations.com)

Wir zeigen nun die vollständige Kinofassung mit intakter Schlusssequenz.

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Freitag 3.3.2017 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Bright Blue Gorilla
MR. RUDOLPHO’S JUBILEE
USA/D/ITA 2017 – OmU – 110 Min. – digital
Regie Michael Glover
Buch Michael Glover, Valeria Anna Ferrario, Mea Machrowiak
Kamera Tomasz Winczewski – Musik Michael Glover, Robyn Rosenkrantz
Mit Emmy Winner, Christiane Paul, Francesco Mazzini, Michael Rothmann, Frank Kallinowski

Mr. Rudolpho ist ein italienischer Modedesigner. Reich, berühmt und depressiv. Umgeben von Sicherheitsleuten in seiner toskanischen Villa ist er gefangen in seinem eigenen Erfolg. Und er plant seinen Selbstmord – ein guter Entschluss, denn sein CEO will ihn ohnehin feuern…

»Greetings from L.A.! We’re Bright Blue Gorilla: Filmmakers and Musicians. Christiane Paul stars in our new movie, MR RUDOLPHO´S JUBILEE (she’s fantastic and just won an Emmy.)  We’ll play a Bright Blue Gorilla concert before the film.«
(Robyn Rosenkrantz)

In Anwesenheit von Bright Blue Gorilla (Robyn Rosenkrantz & Michael Glover)

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Samstag 4.3.2017 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: John Hurt († 27.1.2016)
1984
(NINETEEN EIGHTY-FOUR)
GBR 1984 – DF – 110 Min. – 35mm
Buch & Regie Michael Radford
Literaturvorlage George Orwell
Kamera Roger Deakins – Musik Eurythmics, Dominic Muldowney
Mit John Hurt, Richard Burton, Suzanna Hamilton

Im Jahre 1984 arbeitet Winston Smith (John Hurt) für das Ministerium für Wahrheit von Ozeanien, und verändert historische Fakten nach den Vorgaben des Big Brother. Unter ständiger Überwachung durch die Gedankenpolizei beginnt Smith am System zu zweifeln und beginnt eine Liaison mit Parteigenossin Julia, womit er ein doppeltes ›Gedankenverbrechen‹ begeht. Der Spion O’Brien (Richard Burton in seiner letzten Rolle) verrät ihn und bringt ihn mittels Folter zur Systemkonformität zurück.

Die orwellsche Vision eines totalitären Überwachungsstaates, in dem ein Regime propagiert, dass Freiheit Sklaverei und Unwissenheit Stärke sei, hat nicht zuletzt durch die aktuellen Entwicklungen in den USA eine neue, beklemmende Bedeutung erlangt. Radfords Verfilmung hält sich eng an die orwellsche Romanvorlage und inszeniert sie als düsteres Kammerspiel. Visuell nimmt er Bezug auf die Zeit der Entstehung des Buches – 1948.

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Sonntag 5.3.2017 – 19:15 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
HEIMAT, SÜSSE HEIMAT
(VESNIČKO MÁ STŘEDISKOVÁ)
TCH 1985 – DF – 102 Min. – 35mm
Regie Jirí Menzel
Buch Zdenek Sverák
Kamera Jaromír Sofr – Musik Jirí Sust
Mit János Bán, Marián Labuda, Rudolf Hrusínský

Der hemdsärmelige Lkw-Fahrer Pávek und sein Beifahrer Otik, allgemein als Dorftrottel bekannt, sind ein ungleiches Paar. Sie wohnen in einem kleinen Dörfchen ›am Ende der Welt‹. Als sich Otik nach einem Streit mit Pávek entschließt, allein in die Hauptstadt Prag zu ziehen, wird allen bewusst, was sie mit seinem Weggang verlieren. Alle bemühen sich, dass Otik in seinem Dörfchen, in seiner süßen Heimat bleibt.

»Die poesievolle und undramatische Beschreibung von kleinen und kleinsten Ereignissen in einem tschechischen Dorf. Ein heiterer, unspektakulärer und überlegenswerter Einblick in Alltagssorgen und -freuden sowie menschliche Schwächen, der wie beiläufig für fundamentale Wahrheiten wie Gemeinsamkeit, Liebe, Nachsicht und Humor plädiert.«
(Lexikon des Internationalen Films)

Mit einer Einführung von Marco Siedelmann, Düsseldorf

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Zu Gast im Filmclub 813:

VER/ORTUNG/EN – Identitäten, Lebenswege und Migration im Film
Filmreihe Köln vom 6. bis 27. März 2017

Wie gehe ich damit um, wenn ich das Gefühl habe, nicht der Norm zu entsprechen? Welchen Einfluss hat der Ort, an dem ich lebe, auf meinen Alltag? Was muss passieren, um das hinter mir zu lassen, was bisher ›Zuhause‹ hieß? Das diesjährige Programm der Filmreihe Köln widmet sich dem Thema VER/ORTUNG/EN – Identitäten, Lebenswege und Migration im Film. Die Filmauswahl ist das geplante Programm. Bei Redaktionsschluss lagen noch nicht alle Zusagen vor. Einzelne Abweichungen bitten wir daher zu entschuldigen.

Was es bedeutet, erwachsen zu werden, sich alleine und fremd zu fühlen und den Wunsch zu haben, dazuzugehören – danach unter anderem fragen die Filme des ersten Abends. Welche Art zu leben wir wählen und welche Bedeutung ein Ort auf den Menschen haben kann, ist Thema des zweiten Filmabends. Die Filme des dritten Abends thematisieren die Hintergründe und Grenzerfahrungen, die mit Migration und Flucht verbunden sind. Der letzte Abend schließt thematisch an den dritten Abend an und schlägt eine Brücke zu den beiden ersten Abenden, indem auch er Fragen nach der eigenen Identität, dem bisherigen Zuhause und einem ersehnten neuen und vor allem anderen Leben aufwirft.

Die Filmreihe Köln fokussiert das bewegte Bild in Form thematischer Kurzfilmprogramme und spielt dabei mit den Grenzen von Kunst und Kino. Mit der Vorführung von Filmen und der Präsentation künstlerischer Arbeiten, die den filmischen Blick aufgreifen und erweitern, versteht sich die Filmreihe Köln als Präsentations- und Reflexionsraum für das sich in Bewegung befindende Bild. Seit 2010 wird jährlich ein mehrere Abende umfassendes Filmprogramm zu einem Themenkomplex veranstaltet.

Kuratiert von Kathrin Barutzki, Lisa Bosbach, Dominik Bühler und Corinna Kühn.

Gefördert von der MedienStiftung Kultur und dem Kulturamt der Stadt Köln.

Beginn pünktlich.
Eintritt: 7,00 Euro/ Ermäßigt: 6,00 Euro / Freunde des Filmclub 813: 5,00 Euro / Eintritt frei für Geflüchtete

www.filmreihe-koeln.de
www.facebook.com/filmreihekoeln

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Montag 6.3.2017 – 20 Uhr
VER/ORTUNG/EN: Identitäten – Selbstsuche und Selbstbestimmung
IK BEN EEN MEISJE!, Regie: Susan Koenen, 2010, 15 Min.
SEAGULLS, Regie: Martin Smith, 2014, 14 Min.
ANNA, Regie: Anne Haugsgjerd, 1996, 7 Min.
SAUTE MA VILLE, Regie: Chantal Akerman, 1968, 13 Min., 35mm
ADELE 1, Regie: Kurdwin Ayub, 2011, 5 Min.
ALIENATION, Regie: Laura Lehmus, 2014, 7 Min.
CHRIST/EL, Regie: Andreas Grützner, 2016, 9 Min.
BENIDORM, Regie: Carolin Schmitz, 2006, 18 Min., 35mm

Die Filme widmen sich dem Älterwerden und damit verbundenen Wünschen, Erfahrungen und Ängsten. In den Fokus rückt die Selbstsuche der Protagonist*innen, die unterschiedliche Facetten des Erwachsenwerdens durchleben: Mal ist es das Gefühl anders zu sein, als es das Umfeld erwartet; mal sind es hungrige Teenager, die bis ans Äußerste gehen und Grenzen austesten; mal ist es der Wunsch nach Dazugehörigkeit und die gleichzeitige Scheu, sich einer Gruppe anzuschließen. Immer jedoch werden Entscheidungen und Abgrenzungen thematisiert, die getroffen werden, um sich in einer Welt zurechtzufinden, die aus Zuschreibungen und Konventionen besteht, die der Komplexität der individuellen Gefühls- und Gedankenwelt zuwiderlaufen können.

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Mittwoch 8.3.2017 – 20 Uhr
Zum Internationalen Frauentag
L’UNE CHANTE, L’AUTRE PAS
(DIE EINE SINGT, DIE ANDERE NICHT)
FRA 1977 – OmeU – 120 Min. – 35mm
Regie Agnès Varda
Kamera Charlie Van Damme, Nurith Aviv, Elisabeth Prouvos
Musik François Wertheimer, Orchidee
Mit Thérèse Liotard, Valérie Mairesse, Ali Raffi, Robert Dadiès, Francis Lemaire

Zwei junge Frauen 1962, Paris: Pauline (17), Studentin, träumt davon, ihre Familie zu verlassen und Sängerin zu werden. Suzanne (22) versorgt ihre Kinder. Ihre Wege trennen sich; jede erlebt ihren Kampf als Frau. Zweimal noch führt sie das Schicksal zusammen.

»Sie haben den Satz des Beauvoirs, mit dem der Vorspann endet, am eigenen Leib erlebt: ›Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.‹ […] Was uns rettet, ist die Gabe, unsere Träume im Alltag zu finden. In den Kindern. Im Geschirr. In den durchwachten Nächten. Wenn alle Frauen einmal aufwachen werden, wird das fantastisch sein, dann kommt die große Veränderung. So wie die Druckkunst, der Marxismus oder Freud. Dieser Film ist unter heroischen Anstrengungen entstanden. […] es gab nur zwei Lösungen: entweder das ›Starsystem‹ zu akzeptieren und mit Berühmtheiten zu arbeiten oder selbst zu produzieren. Die zweite Lösung ist offensichtlich die einzig mögliche, um frei und uneingeschränkt das machen zu können, was mir am Herzen liegt. […]. Das Negative daran war der enorme Energieverschleiß […]. Das Positive ist die Freiheit, die man bei der Arbeit hat, und der großartige Teamgeist, weil es keine Hierarchie, keine Trennung zwischen Kapital und Arbeit gibt: Es ist eine Art Selbstverwaltung, die alle in einem gemeinsamen Projekt zusammenschweißt.«
(Agnès Varda Varda par Agnès / Viennale 2016)

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Donnerstag 9.3.2017 – 20 Uhr
Peeping De Palma
HI, MOM!
USA 1970 – OF – 87 Min. – 35mm
Buch & Regie Brian De Palma
Kamera Robert Elfstrom – Musik Eric Kaz
Mit Robert De Niro, Jennifer Salt, Lara Parker, Gerrit Graham

Vietnam-Veteran Jon (Robert De Niro) dreht vom Fenster seines Appartements aus erotische Filme mit den unwissenden Nachbarn als Protagonisten. Auf Umwegen gerät er dadurch in radikale ›Black Power‹-Kreise.

»Aus der herrlich pervertierten FENSTER ZUM HOF-Variation, der ersten den Plot bestimmenden Hitchcock-Referenz im Werk De Palmas, entwickelt sich keine Mordgeschichte, sondern eine ungemein witzige, anarchische und komplexe Komödie über die Unwägbarkeiten der Wahrnehmung. Die ›Be Black Baby‹-Sequenz, ein Film im Film über eine misslungene oder vielleicht auch allzu gut gelungene Performance, ist eine der intelligentesten Reflektionen der Kinogeschichte über die Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen.«
(Metropolis Kino Hamburg)

»The ›Be Black, Baby‹ section of HI, MOM! is probably the most important piece of film I‘ve ever done.«
(Brian De Palma – Interviews)

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Freitag 10.3.2017 – 19:30 Uhr
Premiere
DER FRED (JAKOBS KAMPF MIT DEM ENGEL)
D 2016 – 70 Min. – digital
Film von Jürgen Heiter
Dramaturgie Werner Fleischer – Künstlerische Mitarbeit Cony Theis
Mit Otto E. Rössler, Werner Fleischer, Raymond Pettibon, Rüdiger Carl, Joseph Zehrer, Olaf Möller, Manfred Burianek, Rebecca Jäger, Ralf Küpper, Sven Åke Johansson, Claudia Honecker

»Der essayistische Spielfilm […] handelt von Menschen, deren Tun und Begehren erzählt wird aus dem heraus, was im Film der Tübinger Physiker Otto E. Rössler am Beispiel von Descartes Traum […] und der alttestamentarischen Erzählung von Jakobs Kampf mit dem Engel berichtet. Was Rössler mit Descartes‘ Entdeckung der Rührung als Sieg des Menschen über den Himmel bezeichnet, […] ist den Menschen in ihrem Leben allerdings keinesfalls selbstverständlich. […] Jakob kämpfte mit dem Engel, um sich selbst zu retten und sich mit seinem Bruder Esau zu versöhnen. Fred dagegen sind die Engel Dämonen geworden […]. Aber auch der Film selbst kämpft mit seinen Engeln. Denn jeder Film ist herausgefordert, in sich stimmig zu sein, auch im Widerstand gegen die Realität, die er aufzeichnet und sogar gegen die Realität, die er selbst schafft.«
(Werner Fleischer, Februar 2016)

In Anwesenheit von Jürgen Heiter, Werner Fleischer und Cony Theis

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Samstag 11.3.2017 – 20 Uhr
Drei Western für Helmut
WENN FRAUEN HASSEN
(JOHNNY GUITAR)
USA 1953 – 111 Min. – DF – 35mm
Regie Nicholas Ray
Buch Philip Yordan (nach dem gleichnamigen Roman von Roy Chanslor)
Kamera Harry Stradling – Musik Victor Young
Mit Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Ward Bond, Ernest Borgnine, John Carradine

»Die Geschichte eines von Kapitalinteressen und Sexualneid geschürten Konflikts zwischen einer geschäftstüchtigen Saloon-Inhaberin und einer benachbarten Rancherstadt, in den nichtsahnend der des Schießens müde, ehemalige Revolverheld Johnny Guitar gerät, wird von Nicholas Ray mit der kompromisslos melodramatischen Konsequenz eines Regisseurs erzählt, der sein Thema ernst nimmt.«
(rororo-Filmlexikon)

»Hätte Nicholas Ray nur diesen einen Film gedreht, ein Platz im Pantheon des Kinos wäre ihm sicher: ein Western, ›in dem sich Pistolenschützen umkreisen wie Ballerinas‹ (Truffaut), ein Kommentar zur McCarthy-Hexenjagd der Ära. […] Ein surreales Passionsspiel, von den wilden Farben des kurzlebigen Truecolor-Prozesses in den Olymp erhoben. Ganz in weiß, vor glühend rotem Farbhintergrund, sitzt Vienna am Klavier, als die schwarz wogende Menge hereinstürzt und ihr Lokal den Flammen überantwortet. Rays sanfter Lyrizismus trifft auf seine Faszination für Gewalt: eine ikonoklastische Kollision, in deren Furor sich schon die spätere Genre-Enthemmung durch den Italo-Western abzeichnet.«
(Christoph Huber)

»Wissen Sie, wie der Film zustande gekommen ist? Herbert J. Yates (der Republic-Chef) hat einfach gesagt: ›Nehmen Sie sich Joan Crawford und sehen Sie zu, dass die Dreharbeiten sie glücklich machen.‹ Wir haben uns dann für den Roman von Chanslor entschieden, aber kein einziges Wort davon benutzt, nur den Titel; und dann mussten wir eine Geschichte erfinden, deren Held eine Frau ist, was im Western selten vorkommt.«
(Drehbuchautor Philip Yordan in: Cahiers du Cinema)

»Joan Crawford, damals 47 und in einem kritischen Stadium ihrer Karriere, ist bei den Dreharbeiten sicher glücklich geworden: Ray und Crawford hatten sich geliebt, die Liebe war zu Ende gegangen. JOHNNY GUITAR war ein Abschiedsgeschenk und eine Hommage, ein Werk der Liebe.«
(Joe Hembus, Das Western-Lexikon)

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Sonntag 12.3.2017 – 19:15 Uhr
Drei Western für Helmut
FAUSTRECHT DER PRÄRIE
(MY DARLING CLEMENTINE)
USA 1946 – DF – 92 Min. – s/w – 35mm
Regie John Ford
Buch
Samuel G. Engel, Sam Hellman
Kamera Joseph MacDonald – Musik Cyrill J. Mockridge
Mit Henry Fonda, Linda Darnell, Victor Mature, Cathy Downs, Walter Brennan

Als sein jüngster Bruder James erschossen wird, übernimmt der Viehzüchter Wyatt Earp den Posten des Sheriffs in der Stadt Tombstone. Bald lernt er den Spieler Doc Holliday kennen und schätzen. Gemeinsam stellen sie sich der legendären Schießerei am O.K.-Corral.

»Einer der schönsten Western, ergo schönsten Kinofilme. Die Story von Wyatt Earp und Doc Holliday. Ford handelt sie ab, als gälte es, sie zum ersten oder letzten Mal zu erzählen, teils als Legende und Drama, teils als einen aufs US-Kino übertragenen homerischen Gesang, in dem Sentiment und Rüpelwitz, komische Details und ekstatisch anverwandelte Genre-Anthologiestücke gestattet sind […]«
(Harry Tomicek, The Far Country – Amerikanische Western 1946 – 1962)

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Montag 13.3.2017 – 20 Uhr
VER/ORTUNG/EN: Lebenswege – Der Ort als Porträt und Projektion
I OVO JE BEOGRAD, Regie: Corina Schwingruber Ilić, 2009, 10 Min.
RADFAHRER, Regie: Marc Thümmler, 2008, 27 Min., 35mm
BOXING, Regie: Ion Grigorescu, 1977, 2 Min., © the artist, courtesy Galerija Gregor Podnar
WALDGRENZE, Regie: Lina Paulsen, 2014, 20 Min.
SONNTAG, BÜSCHERHÖFCHEN 2, Regie: Miriam Gossing, Lina Sieckmann, 2014, 13 Min.
YOU, THE WORLD AND I, Regie: Jon Rafman, 2010, 6 Min.
LA LAMPE AU BEURRE DE YAK, Regie: Hu Wei, 2013, 15 Min.

Bestimmt der Lebensort das Bewusstsein oder das Bewusstsein den Ort? Oder ist es die Gesellschaft, die den größten Einfluss ausübt? Die Filme des Abends zeigen Porträts von Orten, die zugleich Porträts der Menschen sind, die dort leben und der Gesellschaft, die sie umgibt. Wir sehen Praktiken des Umgangs mit der gegebenen Situation und die Suche nach alternativen Räumen und Bildern. Menschen arrangieren sich damit, wo sie leben, machen das Beste daraus, lehnen sich auf oder versuchen sich frei zu boxen. Sie vergraben sich, holen die Welt in ihr Haus und schaffen damit eine ganz eigene Welt, verschwinden im virtuellen Nichts oder versetzen sich fotografisch an andere Orte.

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Dienstag 14.3.2017 – 20 Uhr
Drei Western für Helmut
NACKTE GEWALT
(THE NAKED SPUR)
USA 1952 – DF – 91 Min. – 35mm
Regie Anthony Mann
Buch Sam Rolfe, Harold Jack Bloom
Kamera William Mellor – Musik Bronislau Kaper
Mit James Stewart, Janet Leigh, Robert Ryan, Ralph Meeker, Millard Mitchell

Der einstige Farmer Howard Kemp macht sich auf die Suche nach dem flüchtigen Mörder Ben Vandergroat. Zwei Männer schließen sich ihm an. Es gelingt ihnen schließlich auch, Vandergroat zu fangen – zusammen mit einer Freundin; dieser versucht nun, die drei Kopfgeldjäger gegeneinander auszuspielen…

THE NAKED SPUR ist der dritte von fünf Filmen, die James Stewart mit Anthony Mann drehte – und es ist sicherlich der purste, reinste. Joe Hembus vergleicht die von Stewart gespielte Figur des verzweifelten Kopfgeldjägers mit der Verzweiflung Ethan Edwards (John Wayne) in John Fords THE SEARCHERS. Beide Figuren sind nahe am Rande des Wahnsinns. Es erfordert für sie eine geradezu übermenschliche Anstrengung, ihre Überzeugungen aufzugeben, die Haltung zu ändern.

THE NAKED SPUR ist einer der ganz großen Western der Filmgeschichte. Wie viele Western von Anthony Mann, gerade auch die mit James Stewart, erinnert er nicht zuletzt an eine griechische Tragödie. Ein Meilenstein.

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Mittwoch 15.3.2017 – 20 Uhr
Cinebrasil
NISE: O CORAÇÃO DA LOUCURA
(NISE – DAS HERZ DES WAHNSINNS)
BRA 2015 – OmU – 120 Min. – digital
Regie Roberto Berliner
Buch Patricia Andrade, Leonardo Rocha, Roberto Berliner
Kamera André Horta – Musik Jacques Morelenbaum
Mit Glória Pires, Fabrício Boliveira, Roberta Rodrigues, Augusto Madeira, Simone Mazzer

Nachdem eine Krankenschwester die Psychiaterin Nise da Silveira aufgrund des Besitzes von marxistischer Literatur als Kommunistin angezeigt hatte, musste diese 1936 eine 18-monatige Haft verbüßen und konnte ihren Beruf einige Zeit nicht ausüben. Als sie schließlich zu ihrem Arbeitsplatz in einer psychiatrischen Klinik in der Vorstadt Rio de Janeiros zurückkehrt, weigert sie sich, die inzwischen weit verbreitete und äußerst brutale Elektroschockmethode und Lobotomie durchzuführen. Missachtet von ihren Kollegen übernimmt sie daraufhin den unbeliebten und vernachlässigten Bereich der Beschäftigungstherapie, wo sie eine Revolution gezeichnet von Liebe, Kunst und Wahnsinn startet.

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Donnerstag 16.3.2017 – 20 Uhr
Cinebrasil
O LOBO ATRÁS DA PORTA
(DER WOLF HINTER DER TÜR)
BRA 2013 – OmeU – 101 Min. – digital
Buch & Regie Fernando Coimbra
Kamera Lula Carvalho – Musik Ricardo Cutz
Mit Leandra Leal, Milhem Cortaz, Fabiula Nascimento

Aufgrund der vermeintlichen Entführung ihres Kindes begeben sich die Eheleute Bernardo (Milhem Cortaz) und Sylvia (Fabiula Nascimento) auf eine Polizeiwache. Während des getrennt voneinander stattfindenden Verhörs deckt der Kommissar Schritt für Schritt ein großes Geflecht an Lügen, Liebe, Rache und Eifersucht auf.

Dieser spannungsgeladene Erstlingsfilm von Fernando Coimbra ist ein Film über jenen dunklen Bereich, in dem Panik Misstrauen schafft und Liebe zu Hass wird.

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Samstag 18.3.2017 – 19:30 Uhr
Cinebrasil
5 X CHICO
BRA 2015 – OmeU – 90 Min. – digital
Regie Gustavo Spolidoro, Ana Rieper, Camilo Cavalcante, Eduardo Goldenstein, Eduardo Nunes
Buch Ana Pacheco, Izabella Faya
Kamera
Heloísa Passos – Musik Fernanda Reznik

Dieser Dokumentarfilm ist eine emotionale Reise durch die Gewässer und die Geschichten der Gemeinden des São-Francisco-Flusses in Brasilien. Jedes der fünf Länder, die von dem alten Chico (wie der Fluss zärtlich genannt wird) durchflossen werden, erzählen über ihn aus einer anderen Perspektive. Die verschiedenen Herangehensweisen zeigen ein Kaleidoskop an Menschen und Kulturen. Sie rücken den Fluss in die Nähe des Nils oder des Ganges. Flüsse, die die Kultur vieler Millionen Menschen bestimmen – so wie auch der São Francisco die Kultur und das Leben von über 16 Millionen Brasilianern bestimmt.

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Samstag 18.3.2017 – 21:15 Uhr
Cinebrasil
VIDAS PARTIDAS
(ZERBROCHENE LEBEN)
BRA 2016 – OmU – 90 Min. – digital
Regie Marcos Schechtman
Buch José Carvalho
Kamera Zé Luca Raimundo – Musik Valéria Ferro
Mit Naura Schneider, Domingos Montagner, Suzana Faíni, Cacá Amaral, Milhem Cortaz

Graça (Naura Schneider) und Raul (Domingos Montagner) führen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, heiraten und bekommen zwei Töchter. Das Ehe- und Familienleben scheint perfekt – bis zu dem Moment, als Raul seine Arbeit verliert, während Graça ihre Karriere vorantreibt. Um Raul zu helfen, bittet Graça ihren Freund und Ex-Mann, ihm eine Stelle als Universitätsprofessor zu vermitteln. Nachdem Raul die Stelle angetreten hat steht Graça ihm finanziell allerdings weiterhin auf Augenhöhe und Raul wird allmählich aggressiver und besitzergreifender seiner Frau gegenüber. Die Eifersuchtsszenen eskalieren zunehmend in psychischer oder physischer Gewalt, und Graça erkennt die Liebe ihres Lebens nicht mehr wieder.

Der Film basiert auf den wahren Fällen verschiedener Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden.

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Sonntag 19.3.2017 – 20 Uhr
Cinebrasil
TUDO QUE APRENDEMOS JUNTOS
(DER GEIGENLEHRER)
BRA 2015 – OmeU – 100 Min. – digital
Regie Sérgio Machado
Buch Sérgio Machado, Marta Nehring, Marcelo Gomes, Maria Adelaide Amaral
Kamera Marcelo Durst – Musik Alexandre Guerra, Felipe de Souza, Inputsom Arte Sonora
Mit Lázaro Ramos, Hermes Baroli, Fernanda de Freitas, Sandra Corveloni, Thogun Teixeira

Der Geigenspieler Laerte besteht die Aufnahmeprüfung beim Symphonieorchester von São Paolo nicht und sieht sich gezwungen, in einer Favela in der Peripherie São Paolos zu unterrichten. Dort entdeckt er wider Erwarten ungeahnte Talente. Unter seinen Schülern stechen Samuel und VR hervor – große Freunde, die auf unterschiedlichen Pfaden gehen. Der Film erzählt über die Macht der Veränderung, wenn sich Lehrer und Schüler gemeinsam auf den Weg des Lernens begeben.

Der Film wurde von dem Theaterstück ›Acorda Brasil‹ von Antonio Ermírio de Moraes inspiriert, das seinerseits auf den Erfahrungen des Instituto Baccarelli basiert – ein Projekt, das Musik- und Kunstunterricht für Jugendliche der Favela Heliópolis anbietet.

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Montag 20.3.2017 – 20 Uhr
VER/ORTUNG/EN: Migration – Passagen und Perspektiven
WAGAH, Regie: Supriyo Sen, 2009, 13 Min., 35mm
PASSAGEN, Regie: Lisl Ponger, 1996, 12 Min., 35mm
SPECIJALNI VLAKOVI (SONDERZÜGE), Regie: Krsto Papić, 1972, 15 Min., 35mm, aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
KRAVA NA GRANICI (DIE KUH AN DER GRENZE), Regie: Dragutin Vunak, 1963, 10 Min, aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
AM RANDE, Regie: Maya Connors, Pablo Narezo, Yasmin Angel, 2013, 17 Min.
SHARAF, Regie: David Aronowitsch, Hanna Heilborn, 2012, 13 Min., aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
WHEN FAITH MOVES MOUNTAINS, Regie: Francis Alÿs, 2002, 15 Min., courtesy David Zwirner, New York/London

Seit 1959 wird der indisch-pakistanische Grenzübergang Wagah von einer streng choreographierten Militärparade geöffnet und geschlossen. Allabendlich pilgern Tausende an die Grenze, um dem Spektakel beizuwohnen. Die Filme des Abends gehen auf unterschiedliche Weise dem Konzept und der Infragestellung abgeschlossener Staaten nach. Menschen machen sich aus verschiedenen Motiven auf den Weg, sei es in Form von Urlaubsreisen, als Gastarbeiter*innen oder als Flüchtende. Eine Kuh, die die Grenze zweier feindlich gesinnter Nachbarstaaten überquert, um eine Blume zu verspeisen, führt die absurde Angst vor Eindringlingen vor Augen. Dass Zusammenarbeit Berge versetzen kann, zeigt der letzte Film.

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Dienstag 21.3.2017 – 20 Uhr
SPEZIAL: Depardon über Depardon
LES ANNÉES DÉCLIC
(DIE JAHRE DER SCHNAPPSCHÜSSE)
FRA 1984 – OmU – 65 Min. – s/w – 16mm
Ein Film von und mit Raymond Depardon

Im Rahmen der Buchpräsentation und Lesung von »Irrfahrt« von Raymond Depardon

Raymond Depardon, französischer Dokumentarfilmer und Fotograf, begibt sich auf eine ungewöhnliche Reise, ohne Ziel und ohne Projekt wie sonst bei Fotoreportagen üblich. Es entstehen Bilder ohne funktionelle Zuschreibung, stets mit dem Horizont in der Bildmitte und in Hochformat. Und es entsteht Depardons persönlichster Text, der nun endlich auf Deutsch vorliegt und in dem er über die Zeit und den Zufall, über Erinnerung, die Einsamkeit und die Bedingungen seiner Kunst zwischen Film und Fotografie nachdenkt.

Eine Kooperation mit dem Verlag Vorwerk8 und der dfi-Dokumentarfilminitiative.

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Mittwoch 22.3.2017 – 20 Uhr
something weird cinema
DIE TEUFLISCHEN ENGEL
(THE GLORY STOMPERS)
USA 1967 – DF – 84 Min. – 35mm
Regie Anthony M. Lanza
Buch James Gordon White, John Lawrence
Kamera Mario Tosi – Musik Davie Allan, Mike Curb
Mit Dennis Hopper, Jody McCrea, Chris Noel

Chino (Dennis Hopper) ist der Anführer der Biker-Gang Black Souls, die sich mit Nazi-Emblemen schmückt und die Gegend terrorisiert. Die Lage eskaliert, als Chino den Leader der gegnerischen Glory Stompers-Gang, Darryl (Jody McCrea), zusammenschlägt und dessen Freundin Chris (Chris Noel) entführt, um sie in Mexiko als Sklavin zu verhökern…

Ein typisches Biker-Quickie der späten 60er aus der B-Pictures-Schmiede American International Pictures. Dennis Hopper konnte hier schon mal für seine Rolle in Easy RideR üben. Der filmdienst bemängelte die »bösen Klischees und kaum  bemäntelten Vorurteile und Hassinstinkte«, während Leonard Maltin sich über die Dialoge lustig machte: ›Hey, like, ya know, I wanna dance with you, baby‹. Maltins Fazit: »Hilariously bad.«

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Donnerstag 23.3.2017 – 20 Uhr
Peeping De Palma
SISTERS
(DIE SCHWESTERN DES BÖSEN)
USA 1973 – OF – 92 Min. – 35mm
Buch & Regie Brain De Palma
Kamera Gregory Sandor – Musik Bernard Herrman
Mit Margot Kidder, Jennifer Salt, Charles Durning, William Finley

Die Journalistin Grace beobachtet einen Mord in der Nachbarwohnung. Da die Polizei jedoch keine Spuren entdeckt, stellt sie selbst Nachforschungen an und entdeckt, dass die Mieterin Danielle einst unter dramatischen Umständen von ihrer siamesischen Zwillingsschwester Dominique getrennt wurde.

»SISTERS ist ein wildes Kind der 70er, das bereits vieles im Keim enthält, was De Palma später berühmt machen und das er bis zum heutigen Tage immer weiterentwickeln sollte. Ein echter Rohdiamant eben.«
(Gregor Torinus, FILMTIPPS.at)

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Samstag 25.3.2017 – 20 Uhr
Peeping De Palma
CARRIE
(CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER)
USA 1976 – OF – 98 Min. – 35mm
Regie Brian De Palma
Buch Lawrence D. Cohen – Literaturvorlage Stephen King
Kamera Mario Tosi – Musik Pino Donaggio
Mit Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving, Nancy Allan, John Travolta

Als die schüchterne Carrie ihre erste Menstruation hat, gerät sie in Panik. Ihre Mutter hält das Blut in ihrem religiösen Wahn für Teufelswerk, und ihre Mitschüler hänseln sie. Doch je mehr sie in die Ecke gedrängt wird, desto stärker wird eine Kraft in Carrie …

»Hier fährt De Palma alles auf: Schier endlose Kamerafahrten, durch die man unentrinnbar immer tiefer in das Geschehen auf der Leinwand hinein gesogen wird. De Palmas einzigartiges Spiel mit der Wahrnehmung: Die verhängnisvolle Fehlinterpretation einer Beobachtung durch einen weiteren Beobachter. Der Beobachter und damit der Zuschauer wird in CARRIE selbst zum Täter. Dann die beängstigende Ruhe vor dem Sturm, das Anhalten des Atems, unerträgliche Spannung in Slow-Motion. Schließlich die Katastrophe, der große Knall, das Chaos, das sich in einem gewaltigen Split-Screen-Gewitter entlädt.«
(Gregor Torinus, FILMTIPPS.at)

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Sonntag 26.3.2017 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Werner Nekes († 22.1.2017)
ULIISSES
BRD 1982 – 94 Min. – 35mm
Buch & Regie Werner Nekes
Literaturvorlage Homer, James Joyce, Neil Oram
Kamera Bernd Upnmoor – Musik Anthony Moore, Helge Schneider
Mit Armin Wölfi, Tabea Blumenschein, Russel Derson, Shezad Addams

»Ein Tag im Leben eines Fotografen im Ruhrgebiet; ein Fotomodell träumt von einer Karriere als Film-Star; ein junger Engländer ist unterwegs, um unsere Welt kennenzulernen.«
(Filmdienst)

»Wir begegnen Groucho Marx und Helmut Schmidt, wir treffen das versprengte Personal aus der ›Odyssee‹ des Homer, aus dem ›Ulysses‹ von James Joyce und aus Neil Orams experimentellem Theaterstück ›The Warp‹. […] Aber ULIISSES […] erweist sich auch als Schelmenstück, als erotisches Abenteuer. […] Werner Nekes, ein großer Zauberer und Erfinder, der in seiner Werkstatt in Mülheim an der Ruhr immer neue Maschinen und optische Tricks ersinnt, arbeitet mit Phosphor-Staub, Laser-Strahl und computergesteuerten Bildschaltungen: ›die Welt als kinematographisches Vexierbild‹ (Nekes). Es gibt keine einzige filmische Technik, die in diesem Film nicht vorkäme.«
(Hans-Christoph Blumenberg, Die Zeit)

Vorfilm:
JÜM-JÜM
BRD 1967 – 9 Min. – 16mm
Regie: Werner Nekes, Dore O.

Mit einer Einführung von Daniel Kothenschulte

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Montag 27.3.2017 – 20 Uhr
VER/ORTUNG/EN: Sehnsuchtsort – Anhaltender Übergang
LES SAUTEURS – THOSE WHO JUMP
Regie Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé, 2016, 79 Min.

‚Die, die Springen‘ leben auf dem Berg Gurugu an der marokkanischen Grenze und beobachten von dort die spanische Enklave Melilla. Ihr Ziel ist es, über den Hochsicherheitszaun zu klettern, der sie von ihrem Sehnsuchtsort Europa trennt. Immer wieder sprechen sie in dem regelmäßig von der Polizei zerstörten Camp über ihre Träume, Ängste und Zukunft. Abou Bakar Sidibé, der seit 14 Monaten in dem Lager lebt, hat die Kamera von den beiden Filmemachern Moritz Siebert und Estephan Wagner erhalten. Durch seine Augen erleben wir eine hierarchische Gemeinschaft. Nach und nach findet er Gefallen daran, Bilder zu erzeugen und sich mit der Kamera auszudrücken. Er spürt, dass er existiert, weil er filmt. Und er lässt uns zu Augenzeugen des Lebens auf dem Berg werden – kurz vor dem Sprung.

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Mittwoch 29.3.2017 – 20 Uhr
Alternative Fakten“
AUFSTAND DER TIERE
(ANIMAL FARM)
GBR 1954 – DF – 71 Min. – 35mm
Regie Joy Batchelor, John Halas
Buch Joy Batchelor, John Halas, Borden Mace, Philip Stapp, Lothar Wolff
Literaturvorlage George Orwell
Kamera Sid Griffiths, John Gurr, William Traylor, Roy Turk
Musik Matyas Seiber

Nachdem sie sich von ihrem tyrannischen Bauern befreit haben, leben die Tiere friedlich zusammen und der Hof blüht auf. Doch schon bald errichten die Schweine eine neue Schreckensherrschaft. Denn auch wenn alle Tiere gleich sind, sind einige gleicher…

Der tatsächlich von der CIA mitfinanzierte ANIMAL FARM ist nicht nur als Film erstaunlich zeitlos geblieben. Auch seine im Gewand des vermeintlich niedlichen Animationsfilms vermittelte Botschaft ist aktueller denn je. Wie könnte man auch einen Diktator treffender zeichnen denn als verfressenes Schwein.

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Donnerstag 30.3.2017 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: David Hamilton († 25.11.2016)
DIE GESCHICHTE DER LAURA M.
(LAURA, LES OMBRES DE L’ÉTÉ)
FRA 1979 – DF – 90 Min – 35mm
Regie David Hamilton
Buch Joe Morhaim, André Szots
Kamera Bernard Daillencourt – Musik Patrick Juvet
Mit Maud Adams, Dawn Dunlap, James Mitchell, Pierre Londiche, Anja Schütte

Die junge Laura verliebt sich in den deutlich älteren Bildhauer Paul Thomas. Sie weiß nicht, dass er der ehemalige Liebhaber ihrer Mutter ist und sie ihm früher Modell gestanden hat. Eine unausgesprochene Konkurrenzsituation entsteht, als er eine Skulptur von ihr anfertigt…

»David Hamilton liefert mit LAURA, LES OMBRES DE L’ÉTÉ nach BILITIS sein zweites Werk ab und weiß durchaus mit seinen ästhetischen Eindrücken zu überzeugen, die mehr wie eine Aneinanderreihung von bewegten Bildern wirken, denn wie ein flüssig vorangetriebener Plot. Das mag neben seiner sehr verklärt wirkenden Bildästhetik vielleicht auch gerade das Reizvolle an seinen Filmen sein, denn letztendlich ist Hamilton vielmehr Fotograf als Regisseur. […] Seine Filme wirken, als ob sie mit einem feinen Aquarell-Pinselstrich aufgetragen worden wären.«
(morbid@ngel, ofdb.de)

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Freitag 31.3.2017 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert…die gnadenlose Welt des Italowestern – Django-Retrospektive (Teil 1)

Inspiriert durch den großen Erfolg von Sergio Corbuccis wegweisendem Klassiker DJANGO werden bis heute vornehmlich Italowestern – aber auch andere Filme mit dem Ur-Django Franco Nero – unter diesem Etikett vermarktet. Die Kreativität deutscher Filmverleihe kannte kein Limit, wenn es darum ging den Namen Django irgendwie unterzubringen. Wir zollen diesem Kult mit einer kleinen Filmreihe Tribut und starten mit zwei raren und schön erhaltenen Filmkopien in feinstem Technicolor und breitem Techniscope.

DJANGO SPRICHT DAS NACHTGEBET
(IL SUE NOME GRIDAVA VENDETTA)
ITA 1968 – DF – 94 Min. – 35mm
Regie Mario Caiano
Buch  Mario Caiano, Tito Capri
Kamera Enzo Barboni – Musik Robby Poitevin
Mit Anthony Steffen, William Berger, Ida Galli, Claudio Undari

Davy Flanagan (Anthony Steffen) kämpft gegen einen im Bürgerkrieg erlittenen Gedächtnisverlust. Nur langsam kehren seine Erinnerungen zurück. Auf der Suche trifft er u.a. auf den zwielichtigen Sam Kellogg. Dieser düstere und brutale Italowestern von Mario Caiano (EINE BAHRE FÜR DEN SHERIFF) wurde seit der Kinoauswertung nicht mehr im originalen Bildformat aufgeführt.

DJANGO – NUR DER COLT WAR SEIN FREUND
(DJANGO SPARA PER PRIMO)
ITA 1966 – DF – 87 Min. – 35mm
Regie Alberto de Martino
Buch Massimo Capriccioli, Tito Carpi, Sandro Continenza, Alberto De Martino, Vincenzo Flamini, Giovanni Simonelli Kamera Riccardo Pallotini
Musik Bruno Nicolai
Mit Glenn Saxon, Fernando Sancho, Ida Galli, Erica Blank

Im zweiten Film des Abends sehen wir den Holländer Glenn Saxon in der Rolle des Django. Entgegen des anders verlautenden Filmtitels hat der Sympathikus viele Freunde. Und zusammen mit Kumpel Fernando Sancho darf er im Städtchen Silver Creek kräftig aufräumen, nachdem er eigentlich ›nur‹ das Kopfgeld für seinen Vater kassieren wollte…

Alberto de Martinos wohl bester Beitrag zum Genre. Der teils schon im Original vorhandene schwarze Humor und Zynismus wurde durch die deutsche Synchronisation aus dem Hause Karlheinz Brunnemann noch einmal verfeinert.

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Der Filmclub 813 gewinnt den Kinopreis des Kinematheksverbundes 2016 in der Kategorie I Kino, das zurückblickt.

Die Jury-Begründung:
»Der erste Preis der Kategorie I geht an das Kino 813 in der BRÜCKE (Köln) für ein herausragendes Programm, welches trotz geringer Förderung und allein durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht wird und sich reflektiert und ideenreich mit unterschiedlichen Aspekten der internationalen Filmgeschichte auseinandersetzt, sowie für seinen Einsatz um die analoge Aufführungspraxis des Mediums vor Ort.«

Die zweiten Preise gingen an das Zeughauskino (Berlin), das Filmmuseum Potsdam, Black Box – Kino im Filmmuseum Düsseldorf, und Caligari Filmbühne (Wiesbaden). Verliehen wurde der Preis am 24.9.2016 im Filmmuseum Berlin.
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bei berechtigten Ansprüchen beim Filmclub 813 zu melden.

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