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Mittwoch 23.5.2018 – 20 Uhr
Außenseiter des deutschen Kinos: Franz-Josef Spieker
KUCKUCKSEI IM GANGSTERNEST
BRD 1969 – 89 Min. – 35mm
Buch & Regie Franz-Josef Spieker
Kamera Petrus R. Schlömp – Musik Can, Hans Loeper
Mit Hanna Schygulla, Herbert Fux, Rainer Basedow, Philipp Sonntag

Spiekers Filme gehören zum Großartigsten des BRD-Kinos der 1960er Jahre – angespannt, zerrissen, zwiespältig im Ton, reflektieren sie die widersprüchlichen Zeitströmungen jener Jahre. Wie gewohnt bei Spieker spielt auch dieser Film in einer Art Paralleluniversum – ein isoliertes Räubertrio führt regelmäßig reiche Wohlstandsbürger in tödliche Autofallen. Doch eines Tages gibt es eine Überlebende: die kesse Maria bringt die Existenz der drei fortan gründlich durcheinander…

»Wer Franz-Josef Spieker bei der Arbeit beobachtet, ist beeindruckt von der Diskrepanz zwischen Arbeitsweise und Endergebnis. Spiekers Metier ist die beschwingte Satire, das spontane Lustspiel mit bösem, widerborstigen Humor. Er selbst aber ist ein Grübler, der an Stelle von Spontaneität Perfektionismus und Akribie einsetzt und der sich nicht scheut, eine Szene auch bei der fünften Wiederholung noch einmal zu bedenken oder noch einmal zu verändern.«
Klaus Lackschweitz (FAZ, 1967)

Vorprogramm:
DAS JODELSYSTEM
BRD 1972 – 9 Min. – 35mm
Regie Franz-Josef Spieker

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Donnerstag 24.5.2018 – 20 Uhr
Alfred Braun
MÄDCHEN HINTER GITTERN
BRD 1949 – 86 Min. – s/w – 35mm
Regie Alfred Braun
Buch Otto-Heinz Jahn
Kamera Fritz Arno Wagner – Musik Herbert Trantow
Mit Petra Peters, Richard Häussler, Alice Treff, Ralph Lothar

Der Titel lässt an die spätere Welle von women in prison-Exploitationfilmen denken, doch bei seiner ersten Filmregie nach dem Krieg hatte Alfred Braun vielmehr eine empathische Milieustudie im Sinn. Das Schicksal der jungen Ursula in einer gnadenlosen Fürsorgeanstalt verdichtet er hier zu einer »beklemmend düsteren Ballade« (Der Spiegel).

Gedreht wurde MÄDCHEN HINTER GITTERN noch unter amerikanischer Besatzung, heraus kam er dann in der neu gegründeten BRD. Zunächst wurde jedoch Premiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig gefeiert, wo er immensen Zuspruch bei Publikum und Kritikern fand, mit einem Diplom ausgezeichnet wurde und Artur Brauners mittlerweile legendärer Produktionsfirma CCC so einen ihrer ersten großen Erfolge bescherte.

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Freitag 25.5.2018 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
YOL – DER WEG
(YOL)
TRK/CH/FRA 1982 – DF – 114 Min. – 35mm
Regie Şerif Gören
Buch Yılmaz Güney
Kamera Erdoğan Engin – Musik Sebastian Argol, Zülfü Livaneli
Mit Tarik Akan, Şerif Sezer, Halil Ergün, Meral Orhonsay

Bis heute zählt YOL zu den wichtigsten Beiträgen des türkischen Films zum Weltkino – eine Moritat zerklüfteter Seelenlandschaft, ein introvertiertes Psychogramm kurdischer Befindlichkeit und eine kantige Meditation über Einsamkeit nach dem Schmerz.

Der Film erzählt die Geschichte des todkranken Strafgefangenen Seyit Ali, der Hafturlaub erhält und in sein Heimatdorf zurückkehrt, um dort mit der Untreue seiner Ehefrau konfrontiert zu werden und damit einhergehend der Forderung seiner Verwandtschaft, die Familienehre gewaltsam wiederherzustellen. Doch für Seyit haben die gesellschaftlichen und weltlichen Forderungen schon lange keine Bedeutung mehr.

Einführung: Florian Deterding, Filmmuseum Düsseldorf

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Samstag 26.5.2018 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Siegfried Rauch († 11.3.2018)
ASTARON – BRUT DES SCHRECKENS
(CONTAMINATION)
BRD/ITA 1980 – DF – 82 Min. – 35mm
Buch & Regie Luigi Cozzi alias Lewis Coates
Kamera Giuseppe Pinori – Musik Goblin
Mit Ian McCulloch, Louise Marleau, Siegfried Rauch, Marino Masé, Gisela Hahn

Ein Frachtschiff aus Südamerika läuft im New Yorker Hafen ein. Die gesamte Besatzung scheint auf grausame Weise ums Leben gekommen zu sein und auch die geladene Fracht wirft für die Ermittler vor Ort einige Fragen auf. Es handelt sich um riesige, pulsierende Eier. Nur Astronaut Hubbard glaubt die Eier von einer Mars-Expedition zu kennen und stellt eigene Nachforschungen an.

Tödliche Weltraumeier, edler Synthie-Rock der Gruppe Goblin und ein Traumschiff-Kapitän als zwielichtiger Plantagenbesitzer – was gibt es an diesem charmanten Alien-Klone nicht zu lieben?!

»Back in those days, when you went to an Italian producer to pitch an idea for a film, there was no possible way to do it, unless the idea was a rip-off of another film that made lots of money. So I went to my producer – Claudio Mancini – and said that this will be ALIEN made for peanuts […] As soon as Mancini heard ‚Alien‘ and ‚money‚, he said ‚Let’s do it!‘.«
(Luigi Cozzi)

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Sonntag 27.5.2018 – 19:15 Uhr
Ziviler Widerstand: Post 68
GELEGENHEITSARBEIT EINER SKLAVIN
BRD 1973 – 90 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Alexander Kluge
Kamera Thomas Mauch
Mit Alexandra Kluge, Bion Steinborn, Sylvia Gartmann, Ursula Birichs, Alfred Edel

Die Versuche einer Hausfrau und Mutter von zwei Kindern, sich nach dem gescheiterten Einsatz für ihre Familie mit Hilfe einer Abtreibungspraxis mit gesellschaftspolitischen Aufgaben kämpferisch zu engagieren.

Ein Film über Ambition, Scheitern und Neuanfang. Dabei ist er kein sarkastischer Kommentar zur Emanzipation, vielmehr eine sinnliche Annäherung an Theorie und Ideologie. Der Film und seine Hauptdarstellerin vermitteln eine Erfahrung, die eine noch fahrige, unklare, unsichere Phase der Besinnung und des Neu-Orientierens signalisiert, ein Irrewerden an für viele zu lange gültigen Überzeugungen und Lebensweisen.

Das Fazit kann sehr vage ausfallen, aber Kluges Film überzeugt durch die Kraft der Assoziation. Ganz unverkrampft, seiner Mittel und Möglichkeiten sich listig bewusst, montiert Kluge verschiedenste Elemente zu einem Dokument kultureller Realität.

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Mittwoch 30.5.2018 – 20 Uhr
Peel me a grape – Mae West
MYRA BRECKINRIDGE
USA 1970 – OF – 94 Min. – 35mm
Regie Michael Sarne
Buch Michael Sarne, David Giler – Literaturvorlage Gore Vidal
Kamera Richard Moore – Musik John Phillips
Mit Mae West, John Huston, Raquel Welch, Rex Reed, Farrah Fawcett, John Carradine, Tom Selleck

27 Jahre nach THE HEAT’S ON kehrte Mae West in der Rolle einer Hollywood-Talentagentin und nymphomanen ›Queen of the Casting Couch‹ auf die Leinwand zurück. Gore Vidals gleichnamiger Romanbestseller, eine Geschlechterrollen- und Hollywoodsatire, lieferte die literarische Vorlage für das Drehbuch. Die Hauptrolle der Myra wird von Raquel Welch verkörpert, die als transsexuelle Schauspiellehrerin das Patriarchat verflucht und gültige sexuelle Tabus über Bord wirft.

Mit einem X-Rating versehen, war MYRA BRECKINRIDGE einer von zwei jugendgefährdenden Streifen, welche die 20th Century Fox 1970 herausbrachte. Die Filmrezensionen waren durchgehend vernichtend. Der Kritiker Rex Reed, der im Film in der Rolle des Myron Breckinridge zu sehen ist, fragte sich während der chaotischen Dreharbeiten, mit wem er schlafen müsse, um die Rolle wieder loszuwerden. Der Film floppte seinerzeit, erlangte aber später als veritables Trashmovie Kultstatus.

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Donnerstag 31.5.2018 – 20 Uhr
Zum 90. Geburtstag von Agnès Varda (* 30.5.1928)
GLÜCK AUS DEM BLICKWINKEL DES MANNES
(LE BONHEUR)
FRA 1965 – DF – 80 Min. – 35mm
Buch & Regie Agnès Varda
Kamera Claude Beausoleil, Jean Rabier – Musik Jean-Michel Defaye
Mit Jean-Claude Drouot, Claire Drouot, Marie-France Boyer, Olivier Drouot

Agnès Varda las eher die Hefte der »Beaux Arts« als jene der »Cahiers du cinéma«, hatte mit 25 Jahren nicht einmal zehn Filme gesehen, verfügte also nicht über die Kinoerfahrung eines Truffaut, löste aber dennoch dessen Parole von 1958 früh ein, es müssten andere Dinge, in einem anderen Geist und mit anderen Methoden gefilmt werden.

LE BONHEUR wurde später zu einem entscheidenden Beitrag der Nouvelle Vague, wenn es um den Umgang mit Farbe ging – als die Farbe im Kino noch etwas Tugendhaftes hatte. Hier ist sie nicht nur Beigabe und Verstärkung, sondern autonomer Bedeutungsträger: »Das Glück von außen gesehen, es ist golden, es ist eine Farbe, es ist die allgemeine Beleuchtung, in die das Leben ab und zu getaucht ist« schrieb Frieda Grafe über den Film.

Das Changieren zwischen Fiktion und Dokumentation ist der zentrale Ansatz im Schaffen von Agnès Varda geblieben, bis hin zu ihrem jüngsten Film, VISAGES VILLAGES (2017). »Ein Thema hat mich immer beschäftigt: die Diskrepanz zwischen der persönlichen und der kollektiven Denkart, der Graben zwischen dem ich und dem wir.« (Agnés Varda in: Varda par Agnés) _____________________________________________________________________________________________

Wir sind stolz, bekanntgeben zu können, dass der Filmclub 813 den diesjährigen Lotte-Eisner-Preis des Kinematheksverbundes gewonnen hat.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«
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