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Sonntag 28.5.2017 – 19:15 Uhr
Paris mon amour
ADIEU PHILIPPINE
Frankreich/Italien 1962 – DF – 112 Min. – s/w – 35mm
Regie Jacques Rozier
Buch Jacques Rozier, Michèle O‘Glor
Kamera René Mathelin – Musik Jacques Denjean, Maxime Saury, Paul Mattei
Mit Jean-Claude Aimini, Yveline Céry, Stefania Sabatini, Vittorio Caprioli

»Ein junger Fernsehmechaniker, der auf seine Einberufung zum Militär nach Algerien wartet, verbringt die kurze Zeit, die ihm noch bleibt, mit zwei Mädchen. Erst am Ende schleicht sich Wehmut und das Wissen um die Unmöglichkeit einer Dreierbeziehung ein. Roziers erster langer Kinofilm ist eine kritische, aber sympathiegetönte Bewußtseinsschilderung junger apolitischer Leute Ende der 50er Jahre in der V. Republik. Der Film ist wegen seines unverstellten, spontanen Stils ein Paradebeispiel für Frankreichs Nouvelle Vague
(Filmdienst)

»Jacques Roziers erster Film, ADIEU PHILIPPINE, ist der eindeutigste Erfolg dieses neuen Kinos, dessen Spontanität umso stärker ist, als sie sich aus einer sehr langen und minutiösen Arbeit ergibt. Es ist sogar etwas Geniales in dem Gleichgewicht zwischen der Belanglosigkeit der gefilmten Ereignisse und der Realitätsdichte, die Ihnen genug Gewicht verleiht, um uns zu begeistern.

Das Thema des Films ist der Spaß an der Freude, es geht um die Zeit, die man damit verbringt, Mädchen aufzureißen, seinen Spaß zu haben; darum, ein denkbar einfaches Grundschema auszuschmücken, getragen von einer absolut gemeisterten Improvisation. Von Anfang an begegnet man einer umwerfenden Treffsicherheit des Tons, einer mediterranen Fröhlichkeit. […]

Sie werden in ADIEU PHILIPPINE keine einzige gesuchte Einstellung finden, keinen einzigen Kameragag, aber auch keine Ungeschicklichkeit oder Grobheit. Sie werden keinen ›poetischen Moment‹ finden, denn der ganze Film ist ein einziges Poem.«
(François Truffaut: Die Filme meines Lebens)

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Montag 29.5.2017 – 20 Uhr
something weird cinema
DER FÄNGER
(THE COLLECTOR)
USA 1965 – DF – 119 Min. – 35mm
Regie William Wyler
Buch Stanley Mann, John Kohn, Terry Southern – Literaturvorlage John Fowles
Kamera Robert Krasker, Robert Surtees – Musik Maurice Jarre
Mit Terence Stamp, Samantha Eggar, Mona Washbourne, Maurice Dallimore

Ein nerdiger Liebhaber von Schmetterlingen fügt seiner Sammlung eine hübsche junge Frau hinzu, die er schon seit langem bewundert. Er sperrt sie in seinen Keller – in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann schon in ihn verlieben wird. Verstörendes und beklemmendes Drama nach dem Buch des englischen Schriftstellers John Fowles, der auch schon die Vorlage für Karel Reisz‘ DIE GELIEBTE DES FRANZÖSISCHEN LIEUTENANTS lieferte. Regie führte Hollywood-Altmeister William Wyler (BEN HUR).

»William Wyler schlägt aus dieser Gänsehautstory ein Meisterstück perfekten Kinohandwerks. Fazit: Brillanter Neurosenschocker.«
(Abendzeitung)

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Mittwoch 31.5.2017 – 20 Uhr
Edgar G. Ulmer, der Verfluchte
DIE HERRIN VON ATLANTIS
(ANTINEA, L’AMANTE DELLA CITTÀ SEPOLTA)
Italien/Frankreich 1961 – DF – 110 Min. – 35mm
Regie Edgar G. Ulmer, Giuseppe Masini, Frank Borzage
Buch Remigio Del Grosso, Ugo Liberatore, André Tabet – Literaturvorlage Pierre Benoit
Kamera Enzo Serafin – Musik Carlo Rustichelli
Mit Jean-Louis Trintignant, Haya Harareet, Amedeo Nazzari

In der bereits sechsten Adaption von Pierre Benoits Roman ›L’Atlantide‹ gelangen drei junge Männer, nachdem ihr Helikopter in der Wüste zerschellt, ins mythische Atlantis, das einst nicht im Meer, sondern im Sand der Sahara versank. Dort herrscht mit grausamer Hand die schöne Antinea.

Ulmer wollte den Film zunächst nur produzieren, landete jedoch schon nach zwei Drehtagen auf dem Regiestuhl, da der ursprünglich mit der Inszenierung betraute Frank Borzage erkrankte.

»Schon ein kleines Kunststück, Atlantis und die H-Bombe, Hubschrauber und seit Jahrtausenden versunkene Pracht in ein und denselben Film zu packen. Hier hat man es geschafft […].«
(Filmdienst)

»[E]ine absurde, phantastische Low-Budget-Oper, ein billiger europäischer Koproduktions-Ausstattungsfilm auf den Spuren der 30er-Jahre-Serials-Studiohöhlen. […] L’ATLANTIDE verschränkt lustvoll Unsinn mit unwirklicher Technicolor-Pracht […].«
(Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum)

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Donnerstag 1.6.2017 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
VENUSBERG
BRD 1963 – 88 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Rolf Thiele
Kamera Wolf Wirth – Musik Rolf A. Wilhelm
Mit Marisa Mell, Nicole Badal, Monica Flodqvist, Christine Granberg, Ina Duscha

Sieben Frauen, eine Villa und ein Mann, um den sich dieser Film dreht. Oder vielmehr drehen sollte, denn der besagte Mann bleibt bis zuletzt abwesend, weshalb die Frauen sich, auf ihn wartend, die Zeit mit philosophischen Spekulationen rund um die Themen Sexualität, Liebe und Männer vertreiben. In emanzipierter Ungeniertheit beschwatzen sie ihre Sorgen und Nöte, meditieren über Freiheit und Glück. Das alles gipfelt weniger in einem finalen Handlungssinn als in einem Kaleidoskop aus Ansichten und Vermutungen, aus Erlebtem und Gehörtem, bevor eine der Frauen nach der anderen die Villa wieder verlässt.

»Ich mache einen Film über sieben Mädchen, welche – wie alle Kinder von heute – die Anreize zu ihrem Sosein überwiegend aus modernen Massenkommunikationsmedien beziehen. Also ein Klischee vom Klischee? Sicher! Aber es stammt nicht von mir, dass man den Teufel mit dem Beelzebub ärgern kann.«
(Rolf Thiele, Die Zeit)

Im Vorprogramm:
A
BRD/Frankreich 1964 – DF – 10 Min. – 35mm
Buch & Regie Jan Lenica
Musik Georges Delerue

Lenica gelingt ein in seiner Einfachheit bestechender Film: über die Macht der Buchstaben und den Versuch diese zu formen, sowie über die zyklische Wiederkehr von Problemen, die immer gleich, und doch immer in anderer Gestalt erscheinen.

ENTWÜRFE UND TRÄUME
Frankreich 1965 – DF – 11 Min. – 35mm
Regie Jan Lenica
Kamera Peter Berling – Musik Georges van Parys

»Dies ist ein Film ohne Regisseur, ohne zugrunde liegende Drehbuchidee – Ein Experiment, eine Improvisation«, so Lenica. Herausgekommen ist eine Huldigung an die Malerei des beginnenden 20. Jahrhunderts, besonders an Gustav Klimt und Aubrey Beardsley. Der Frau als Gegenstand der Kunst wird hierbei einerseits in ästhetisierenden Schwärmereien Tribut gezollt, andererseits findet sie als femme fatale Eingang in die Salome-Motivik.

Einführung: Elena Krämer (Filmmuseum Düsseldorf)

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Freitag 2.6.2017 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Borwin Richter & Torsten Stegmann
Das Kino der Münchner Gruppe 1962-73

ZEIGEN WAS MAN LIEBT
D 2016 – 84 Min. – digital
Buch & Regie Frank Göhre, Borwin Richter & Torsten Stegmann
Kamera Roland Bertram
Mit Iris Berben, Werner Enke, May Spils, Wolfgang Glaser, Klaus Lemke, Dominik Graf

»Eine Zeitreise, die zurückführt in die wilden Jahre der Republik, zum Alltag einer jungen Generation zwischen Pot und Politik. Damals kamen im Zentrum Münchens, in Schwabing, gut ein Dutzend Studenten und auch Müßiggänger zusammen, die den Traum vom großen Kino träumten. Sie sahen und sie trafen sich im Kleinen Bungalow und bei Nachtvorstellungen im Türkendolch, bei Cinema Noir-Reihen, bei Howard Hawks- und Chabrol- und Truffaut-Filmen, bei den Filmen der Nouvelle Vague. Das waren ihre Vorbilder, da wollten sie hin, mit lockerer Hand und – zwangsläufig – mit wenig oder gar keinem Geld. Irgendwie halt, unkompliziert jedenfalls, mit einfachen Mittel. Sie waren locker miteinander vernetzt. Sie waren und wurden die Aktivisten der Münchner Gruppe: Klaus Lemke, Max Zihlmann, Rudolf Thome, May Spils, Werner Enke und Martin Müller.

Die Schauspielerin und Zeitzeugin Iris Berben erzählt die Geschichte der jungen Münchner, der Regisseur Dominik Graf und der Filmkritiker Olaf Möller kommentieren sie. Ausschnitte aus den Filmen der Gruppe zeigen, dass die Macher in ihrer Haltung zum Kino, ihrer Sicht auf das Leben, den Alltag, filmisch außerordentlich innovativ waren, nah an der Realität und doch auch weit darüber hinaus.«
(zeigenwasmanliebt.wordpress.com)

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Ziviler Widerstand
Am Tag nach der Amtseinführung Donald Trumps trafen sich in Washington über eine halbe Millionen Menschen, um für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren. Black Lives Matter begann rund drei Jahre zuvor mit einem Hashtag wegen der sich wiederholenden polizeilichen Gewalt gegen Schwarze und wurde in der Folge zu einer internationalen Bewegung gegen Rassismus. Aber nicht nur in den USA mobilisieren sich Massen gegen Rechtspopulismus und für grundlegende Menschenrechte. Die vielen Sterbenden im Mittelmeer, rassistische Bewegungen weltweit sowie das erstarkende Bewusstsein für ein neoliberales, ausbeuterisches Arbeitsregime lassen die Menschen wieder gesellschaftspolitisch Farbe bekennen. In Zeiten einer Repolitisierung der Gesellschaft gewinnen so unterschiedliche Literaturklassiker wie George Orwells ›1984‹ und ›Civil Disobedience‹ von Henry David Thoreau wieder an Bedeutung. ›Element einer reifen politischen Kultur‹ nannte Jürgen Habermas den von Thoreau geprägten Begriff des Zivilen Ungehorsams. Die Frage reicht weiter: Was tun Bürger*innen nicht nur für sich selbst, sondern für andere, für eine solidarische Gemeinschaft? Was bringen wir als Individuen unserem gesellschaftlichen Umfeld entgegen?

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Samstag 3.6.2017 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
DIE UNBESTECHLICHEN
(ALL THE PRESIDENT’S MEN)
USA 1976 – DF – 132 Min. – 35mm
Regie Alan J. Pakula
Buch William Goldman – Literaturvorlage Carl Bernstein, Bob Woodward
Kamera Gordon Willis – Musik David Shire
Mit Robert Redford, Dustin Hoffman, Jason Robards, Hal Holbrook, Jane Alexander

Pakulas Film ist weniger ein Politthriller, denn ein Detektivfilm, ein Puzzle unzähliger Namen und sozialer Querverbindungen, an das zwei Reporter der Washington Post eher zufällig geraten und aus dem sie unbedingt eine Story stricken wollen. Watergate, der folgenreiche politische Skandal um eine verschleierte politische Kampagne zur Wiederwahl Nixons, ist hier eine graue Vorahnung, eine Chimäre im Hintergrund.

Der Film zeigt vor allem die internen Kämpfe in den Redaktionsräumen der Zeitung, das immerwährende Wieder-Anrennen der beiden Reporter. Die Angst vor einer selbstzerstörerischen Demontage geht um in diesem Film, sie betrifft die Privatpersonen, die Zeugen, die nicht an die Öffentlichkeit wollen, ebenso wie die Menschen, die ihrem Job nachgehen, den Ausführenden der Vierten Gewalt, dabei nie völlig kompromisslos, immer um Schadensbegrenzung bemüht.

Es ist dem (Zeit-)Geist von New Hollywood geschuldet, dass aus den beiden Protagonisten keine strahlenden Patrioten werden; ihr stures Bohren nach der Wahrheit wirkt eher wie eine antrainierte Kondition im Räderwerk der Demokratie, das keinen Stillstand, dafür aber Verschleiß kennt.

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Sonntag 4.6.2017 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Jonathan Demme († 26.4.2017)
THE SILENCE OF THE LAMBS
(DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER)
USA 1991 – OF – 118 Min. – 35mm
Regie Jonathan Demme
Buch Ted Tally – Literaturvorlage Thomas Harris
Kamera Tak Fujimoto – Musik Howard Shore
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Ted Levine, Scott Glenn, Anthony Heald

Die junge FBI-Agentin Clarice Starling setzt sich auf die Spur des Serienmörders Buffalo Bill, der seine Opfer häutet. Um diesen zu finden, bevor er sein nächstes Opfer töten kann, wagt sie ein Experiment und zieht den Kannibalen und ehemaligen Psychiater Dr. Hannibal Lecter zu Rate, der sie an die Denkweise des Killers heranführt. Eine seltsame Lehrer-Schülerin-Beziehung beginnt und die lebensgefährliche Suche nach dem Killer gerät zu einem Abstieg in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele.

Begleitet von der sinistren Musik Shores und den raffinierten Kamerabewegungen Fujimotos gelingt Demme ein vielschichtiger, düsterer Thriller über menschliche Metamorphosen, der verstörende Psychogramme zeichnet und zugleich intelligent  mit dem filmischen Raum spielt.

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Mittwoch 7.6.2017 – 20 Uhr
Zum 100. Geburtstag von Dean Martin († 7.6.1917)
KISS ME, STUPID
(KÜSS MICH, DUMMKOPF)
USA 1964 – OF – 126 Min. – s/w – 35mm
Regie Billy Wilder
Buch Billy Wilder, I.A.L. Diamond – Literaturvorlage Anna Bonacci
Kamera Joseph LaShelle – Musik André Previn
Mit Dean Martin, Kim Novak, Ray Walston, Felicia Farr, Cliff Osmond

Auf dem Weg von Las Vegas nach Los Angeles strandet der erfolgreiche Sänger Dino (Dean Martin in einer grandiosen Selbstparodie) im gottverlassenen Kaff Climax, Nevada. Der Klavierlehrer Orville J. Spooner (Ray Walston) sieht seine große Chance gekommen, seine Songs an den Mann zu bringen und setzt alles daran, Dino lange genug in Climax festzuhalten – selbst wenn er damit die Ehre seiner Frau aufs Spiel setzt.

»Home, Sweet Home. Eine von Wilders und Diamonds grimmigsten Satiren, die sich 1964 annähernd ganz Amerika zum Feind macht – zumindest jenen Teil, der noch gesund, ehrbar und amerikanisch ist. Um erfolgreich zu sein, funktioniert der Tüchtige auf dem Weg nach oben sein Haus in ein Bordell und seine Frau in eine Hure um. Die Moral des Films ist kurz, verletzend wie ein Stachel, wortwörtlich gemeint und durch und durch unmoralisch.«
(Hans-Peter Hofmann, viennale.at)

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Donnerstag 8.6.2017 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
EINE FRAUENSACHE
(UNE AFFAIRE DE FEMMES)
Frankreich 1988 – DF – 108 Min. – 35mm
Regie Claude Chabrol
Buch Claude Chabrol, Colo Tavernier – Literaturvorlage Francis Szpiner
Kamera Jean Rabier – Musik Matthieu Chabrol
Mit Isabelle Huppert, François Cluzet, Marie Trintignant, Nils Tavernier

Dieppe während der Besatzung durch Hitlers Truppen. Es regiert Marschall Pétain und die Moral von Arbeit, Familie, Vaterland. Ein Frankreich am Ende der Lebenskraft, die Männer sind im Krieg oder Gefangenschaft, die Rückkehrer ausgezehrt.

Marie Bouchon, Mutter zweier Kinder, hat bislang ein ärmliches und gefügiges Dasein gefristet. Sie hilft einer verzweifelten Nachbarin bei der Abtreibung und findet heraus, dass dies ein einträgliches Geschäft ist. Das Risiko ignorierend, verbessert sie nicht nur ihre eigene Situation, sondern die einer ganzen Gemeinde von Frauen. Bouchon, deren Fall historisch belegt ist, wird dem Zuschauer begreiflich, aber nicht sympathisch, auch als Opfer nicht, wenn sie schließlich denunziert wird. Chabrol geht der äußeren Dramatik der Geschichte aus dem Weg, um die Verwandlung einer Frau zu verfolgen, einer ruppigen Ahnungslosen, die aus eitler Selbstsucht handelt und so zur Analyse einer Gesellschaft im Spiegel ihrer Reaktion auf eine Ungehorsame taugt.

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Freitag 9.6.2017 – 20 Uhr
something weird cinema
ROBOCOP
USA 1987 – DF – 101 Min. – 35mm
Regie Paul Verhoeven
Buch Edward Neumeier, Michael Miner
Kamera Jost Vacano – Musik Basil Poledouris
Mit Peter Weller, Nancy Allen, Ronny Cox

»Detroit, eine Metropole zerrüttet von Korruption und Gewalt. Dem Großkonzern OCP ist an mehr Sicherheit gelegen, sollen doch schließlich weite Teile der Stadt gentrifiziert werden. Während die unterbesetzte und überforderte Polizei vergebens versucht der Lage Herr zu werden, sorgt ein im Einsatz getöteter Polizist für Abhilfe: Sein Körper dient als Grundlage für den Prototyp einer neuen Art von Gesetzeshütern – er wird zu RoboCop!«
(Pupille Kino, Frankfurt)

»Paul Verhoevens Blick in die Zukunft ist verdammt ungemütlich. Nonstop-Action, innovative Spezialeffekte und nackte Gewalt: ein Albtraum, der zum Genreklassiker avancierte, etliche miese Fortsetzungen, Games und Serien nach sich zog. Fazit: Grandiose Action, tolle Effekte, kluge Story.«
(Cinema)

»ROBOCOP is as tightly worked as a film can be, not a moment or line wasted.«
(Variety)

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Samstag 10.6.2017 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Michael Ballhaus († 12.4.2017)
THE AGE OF INNOCENCE
(ZEIT DER UNSCHULD)
USA 1993 – OF – 138 Min. – 35mm
Regie Martin Scorsese
Buch Jay Cocks, Martin Scorsese – Literaturvorlage Edith Wharton
Kamera Michael Ballhaus – Musik Elmer Bernstein
Mit Daniel Day-Lewis, Michelle Pfeiffer, Winona Ryder

New York um 1870: Gräfin Ellen Olenska lernt als in Scheidung lebende Dame von Welt, was es heißt, geschnitten, verachtet und in den Hoffnungen missbraucht zu werden: Unter dem Mantel von Konvention, Regeln, Anstandsvorgaben und Sozialetikette wird die Upperclass der Ostküste zur Gefühlshölle.

»Mir liegen unerfüllte Liebesgeschichten, wohl weil sie sehr emotional sind. Das finde ich wichtig, wenn man ins Kino geht. Die Zuschauer sollten aus dem Kino kommen und sagen können, sie hätten etwas gelernt über sich. […] Dies ist eine Geschichte, die spielt in einem Milieu, das ich mag, in einer schönen Umgebung, mit wunderbaren Schauspielern. Man kann sich mit den Menschen identifizieren. Das ist so etwas, da bin ich rundherum glücklich. Und dann war er natürlich ästhetisch auch nicht so schlecht und deshalb habe ich immer gesagt, das ist mein Lieblingsfilm.«
(Michael Ballhaus in Revolver 3/2001)

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Sonntag 11.6.2017 – 19:15 Uhr
Paris mon amour
FRENCH CAN CAN
(FRENCH CANCAN)
Frankreich/Italien 1955 – DF – 87 Min. – 35mm
Buch & Regie Jean Renoir
Kamera Michel Kelber – Musik Georges van Parys
Mit Jean Gabin, Françoise Arnoul, Maŕia Félix, Giani Esposito, Dora Doll, Michel Piccoli

Moulin Rouge, das berühmt-berüchtigte Etablissement, 1889 eröffnet, halb Varieté-Theater, halb Tanzsaal, im Künstlerviertel von Paris, auf dem Montmartre, hat seit 1900 Spuren hinterlassen, nicht zuletzt dank der Skizzen und Plakate von Henri Toulouse-Lautrec: Dort trafen sich Tänzerinnen und Sängerinnen aus der Halbwelt mit Verehrern aus der Aristokratie; Bohemiens vermischten sich mit Herren der Oberschicht, die auf zwielichtiges Vergnügen aus waren – ein Ort, an dem die strenge bürgerliche Moral außer Kraft gesetzt war – im Zeichen des seinerzeit wiederbelebten ekstatischen und obszönen Cancan. Renoirs farbenprächtige Ode an die Belle Époque zeigt Danglard (Gabin) als stets klammen Impresario, der einen Amüsiertempel – das Moulin Rouge – neu eröffnen will und dabei mit den verschiedensten Temperamenten jonglieren muss.

Im Vorprogramm:
CABARET INTERNATIONAL – BAL DU MOULIN ROUGE PARIS
GB ca. 1951 – OF – 55 Min. – 35mm
Regie Henry Caldwell

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Mittwoch 14.6.2017 – 20 Uhr
something weird cinema
THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE
(BLUTGERICHT IN TEXAS)
USA 1974 – OF – 83 Min. – 35mm
Regie Tobe Hooper
Buch Tobe Hooper, Kim Henkel
Kamera Daniel Pearl – Musik Tobe Hooper, Wayne Bell
Mit Marilyn Burns, Gunnar Hansen, Edwin Neal, Jim Siedow

»THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE wurde lange Zeit als krank, pervers und gewaltverherrlichend abgestempelt, dabei war es ein Film, der den Horror neu definierte. Der Film hat das Publikum weltweit gespalten, schockiert und verblüfft, einen Maßstab in seinem Genre gesetzt und die Weichen neu gestellt.

1974 ließ Autor, Regisseur und Produzent Tobe Hooper seine düstere Vision auf die Menschheit los – eine Geschichte über fünf junge Freunde, deren unschuldige Fahrt ins Grüne an einem Sommernachmittag zum schrecklichen Albtraum wird. Für eine ganze Generation avancierte ›Leatherface‹ zur Horror-Ikone und der Film zum Kult.

Tobe Hoopers KETTENSÄGENMASSAKER ist und bleibt ein Meilenstein des Exploitationkinos und zählt auch heute noch zu den furchteinflößendsten Horror-Filmen aller Zeiten. Nach über 25 Jahren in der Gewalt der Zensoren und in Deutschland wegen sog. ›Gewaltverherrlichung‹  beschlagnahmt und verboten, wurde der Film Ende 2011 freigesprochen.«
(Turbine Medien)

In Kooperation mit dem Englischen Seminar, Universität zu Köln

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Donnerstag 15.6.2017 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Toshio Matsumoto († 12.4.2017)
DOGURA MAGURA
(ABRAKADABRA)
Japan 1988 – OmU – 109 Min. – 35mm
Regie Toshio Matsumoto
Buch Toshio Matsumoto, Atsushi Yamatoya – Literaturvorlage Yumeno Kyūsaku Kamera Tatsuo Suzuki – Musik Haruna Miyake
Mit Yōji Matsuda, Shijaku Katsura, Hideo Murota, Eri Misawa

Ein Mann erwacht ohne Gedächtnis in der Zelle einer Psychiatrie. Mithilfe zweier miteinander konkurrierender Professoren versucht er, in seine verschlungene, grausige Vergangenheit einzutauchen.

Für seinen ersten Spielfilm nach 14 Jahren, in denen er hauptsächlich experimentelle Kurzfilme und Video-Kunst schuf, nahm sich Toshio Matsumoto (FUNERAL PARADE OF ROSES) eines als unverfilmbar geltenden surrealen Detektivromans aus dem Jahre 1935 an. Matsumoto: »Bei DOGURA MAGURA habe ich nicht nur die lineare Entwicklung aufgebrochen, Gegenwart und Vergangenheit, Wirklichkeit und Vorstellung vermischt und restrukturiert, sondern auch mich […] an einer Schachtelstruktur versucht, ähnlich dem Satze Borges‘: ›Im Traum eines Jungen öffnet der geträumte Junge die Augen.‹ […] Was ich möchte, ist, dass die Zuschauer in DOGURA MAGURA die Sonderbarkeit dieses Labyrinths erfahren.«

»[…] ein eigenwilliges und bravourös durchdachtes Werk voller verstörender und prächtiger Bilder.«
(Alex Klotz, hypnosemaschinen.de)

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Freitag 16.6.2017 – 20 Uhr
Kölner Erstaufführung
MANN IM SPAGAT
Deutschland 2016 – 90 Min. – digital
Regie Timo Jacobs
Buch Timo Jacobs, Federico Avino
Kamera Dominik Friebel – Musik Alexander Müll, Klaus Tropp
Mit Timo Jacobs, Clemens Schick, Natalia Belitski, Meret Becker

»Im Stil eines Großstadtmärchens angelegte Komödie über einen Mann namens Cowboy, der versucht, in Berlin-Kreuzberg selbst gemachtes Wasser zu verkaufen. Als seine Agentur endlich Ergebnisse sehen will und eine Vertreterin schickt, veranstaltet der Cowboy eine schräge Fahrradrallye. Aber seine Wasserpläne zu realisieren, das Fahrradevent über die Bühne zu bringen und seine Gegner in Zaum zu halten ist ein Kinderspiel, verglichen mit der Herausforderung, seine eigensinnige Mutter endlich im „Soho-Savoy-Ritz“ unterzubringen – dem einzigen Ort, wo es eine sensationelle Elvis-Hologramm-Show gibt.«
(www.filmportal.de)

»MANN IM SPAGAT: Es darf viel gelacht werden. Einerseits sehr witzig und andererseits mit viel Tiefgang. Dieser Cowboy, eine Art Buster-Keaton-Typ, wird immer komischer, weil er immer ernster wird – großartig.«
(Knut Elstermann)

In Anwesenheit von Produzent, Autor und Hauptdarsteller Timo Jacobs!

Weitere Termine:
Samstag, 17.6., 22:30 Uhr
Sonntag, 18.6.,  21 Uhr
Montag, 19.6., 20 Uhr
Dienstag, 20.6., 20 Uhr

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Samstag 17.6.2017 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
FAHRENHEIT 451
GB 1966 – DF – 112 Min. – 35mm
Regie François Truffaut
Buch Jean-Louis Richard, François Truffaut – Literaturvorlage Ray Bradbury
Kamera Nicolas Roeg – Musik Bernard Herrmann
Mit Oskar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack, Anton Diffring

Die Geschichte eines Feuerwehrmannes in einem totalitären Staat der Zukunft, der zunehmend Zweifel an seiner Berufung bekommt. Sie besteht darin, Bücher zu verbrennen, weil sich Menschen durch sie von der Gedankenkontrolle des Staates entziehen. Truffaut musste kommerzielle Zugeständnis machen und gegen seinen Willen in Farbe drehen, um sein Wunschprojekt verwirklichen zu können.

»Die Feuerwehrleute sind das Sinnbild des Perfektionismus der anonymen Staatsmacht: ein kühler Ablauf von Warten/Alarm/Vollzug; staatliche Gewalt, die überall und jederzeit zuschlagen kann. Unmenschlichkeit zeigt sich bei Truffaut weniger im Verbot der Kommunikation und des Denkens als vielmehr in der Bereitwilligkeit gerade der Betroffenen, solche Verbote zu akzeptieren.«
(Ronald M. Hahn, Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films)

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Sonntag 18.6.2017 – 19:15 Uhr
Paris mon amour
ARISTO-KATZEN
USA 1970 – DF – 78 Min. – 35mm
Regie Wolfgang Reithermann
Buch Ken Anderson, Larry Clemmons, Eric Cleworth, Frank Thomas, Vance Gerry, Julius Svendsen, Ralph Wright
Musik George Bruns
Mit (Sprecher) Edgar Ott, Brigitte Grothum, Gisela Reißmann, Steffen Müller

Die Abenteuer einer Katzenfamilie aus reichem Hause im Paris nach der Jahrhundertwende: Die alte Madame, bei der sie wohnten, ist gestorben und hat den Katzen ihr gesamtes Geld vermacht. Der Hausdiener Edgar, der die Erbschaft nach dem Tod der Katzen erhalten würde, lässt die Katzen aufs Land entführen, hat aber die Rechnung ohne O’Malley gemacht, einem mit allen Wassern gewaschenen Straßenkater, der ihnen bei der Rückkehr in die Stadt hilft.

Wie in vielen Zeichentrickfilmen aus den Disney-Studios spielen die gut herausgearbeiteten Charaktere sowie die Musik eine wichtige Rolle. Die Jazznummer der Swinging Cats ist ein Höhepunkt.

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Mittwoch 21.6.2017 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Daliah Lavi († 3.5.2017)
CANDIDE ODER: DER OPTIMISMUS IM 20. JAHRHUNDERT
(CANDIDE OU L’OPTIMISME AU XXE SIÈCLE)
Frankreich 1960 – DF – 88 Min. – s/w – 35mm
Regie Norbert Carbonnaux
Buch Nobert Carbonnaux, Albert Simonin – Literaturvorlage Voltaire
Kamera Robert Lefebvre – Musik Hubert Rostaing
Mit Jean-Pierre Cassel, Daliah Lavi, Pierre Brasseur, Louis de Funès, Nadia Gray

»In Frankreich drehte Norbert Carbonnaux einen ›Candide‹-Film, der dem Voltaireschen Helden alle Ehre macht: Wie dieser macht auch er regelrecht Skandal. Der naive, fortschrittgläubige Candide und seine anbetungswürdige Cunégonde sind nämlich aus der abenteuerlichen und gefahrvollen Zeit des Siebenjährigen Kriegs und des Erdbebens von Lissabon in unsere nicht weniger abenteuerliche und gefahrvolle Zeit versetzt worden. Und sie rühren alle Probleme auf, die einer auf Ordnung und Anstand bedachten Filmzensur ungenehm sein konnten – Krieg, deutsche Besetzung, Kollaboration, Kolonialismus, sowjetisch-amerikanische Rivalität. Der Film scheint mit soviel Dynamit geladen zu sein, dass […] die commission de censure nicht nur Schnitte, sondern ein Exportverbot forderte. […] Schließlich ist von diesem geschickten Streifen doch noch einiges übriggeblieben, und wir konnten eine reizende neue Schauspielerin, Daliah Lavi, darin entdecken.«
(Die Zeit)

»Der Stil ist ein federleichtes Gebilde aus prägnanten, oft schlaglichtartigen Sequenzen, Kurzszenen in Stummfilm-Manier, eingeblendeten Witzzeichnungen und Spruchtexten wie Reportageaufnahmen aus dem Krieg – schon optisch also bezeichnend überdrehtes Geschehnis und Kommentar in einem.«
(Film-Dienst)

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Donnerstag 22.6.2017 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Radley Metzger († 31.3.2017)
MÄDCHEN ZWISCHEN SEX UND SÜNDE
(THE ALLEY CATS)
USA 1966 – DF – 76 Min. – s/w – 35mm
Regie Radley Metzger
Buch Peter Fernandez – Kamera Hans Jura
Mit Anne Arthur, Karin Field, Sabrina Koch, Uta Levka

In Radley Metzgers drittem Spielfilm lenkt sich die junge Leslie von ihrem wohlhabenden, aber untreuen Verlobten mit der lesbischen Gesellschaftsdame Irena ab.

»Der Film wurde in München gedreht und in prächtigem Schwarz-Weiß-Ultrascope von Hans Jura fotografiert, dessen feines kompositorisches Gespür und prächtige Kamerafahrten die romantischen und erotischen Verflechtungen der größtenteils europäischen Besetzung elegant einrahmen.«
(Gary Morris, imagesjournal.com)

»In seiner offenen, sympathischen und aufregenden Darstellung von Untreue scheint THE ALLEY CATS wie ein ›EYES WIDE SHUT in Dur‹.«
(Eric Henderson, slantmagazine.com)

»Ich hatte zuvor noch nie einen Film gesehen, der sich so ausschließlich auf die Lust einer Frau fokussiert, und der seine Protagonistin so vollkommen für beide Geschlechter sexualisiert.«
(Anna Biller)

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Freitag 23.6.2017 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert … die gnadenlose Welt des Italowestern – Komödien und Trash

Mit dem Erfolg der Trinità-Filme des Duos Bud Spencer und Terence Hill wurde der Italowestern zu Beginn der 1970er Jahre komisch. Wir widmen uns heute dieser  Phase des Genres, als man die Fäuste an Stelle der Pistolen sprechen ließ. Die meist kostengünstig produzierten Filme bieten typischen 70er-Jahre-Humor, lockere Sprüche, spezielle Föhnwellen und viele skurrile bis infantile Einfälle. Da bleibt kein Auge trocken. Versprochen.

Zur Einstimmung erhält jeder Besucher eine Gratiserfrischung.

BRATPFANNE KALIBER 38
(…E ALLA FINE LO CHIAMARONO JERUSALEM L’IMPLACABILE)
Italien 1971 – DF – 90 Min. – 35mm
Regie Antonio Secchi
Buch Mario Amendola, Massimo Franciosa, Luisa Montagnana
Kamera Giorgio Regis – Musik Franco Micalizzi
Mit Scott Holden, Keenan Wynn, Delia Boccardo, Mimmo Palmara

Der alternde Revolverheld Billy Bronson (Hollywoodveteran Keenan Wynn) hat seine besten Zeiten hinter sich und wartet auf die Ankunft seines im Kloster erzogenen Sohnes Jessie. Leider entspricht dieser dann so gar nicht den Vorstellungen des Vaters. Als die beiden auch noch einen Goldtransport überwachen sollen, geht alles drunter und drüber …

»Unterhaltsame und ideenreiche Westernkomödie« (Ulrich P. Bruckner, Für ein paar Leichen mehr), die bis in die kleinsten Nebenrollen mit Spaghetti-Stars gespickt ist und das Westerngenre perfekt parodiert.

EIN HOSIANNA FÜR ZWEI HALUNKEN
(TRINITÀ E SARTANA FIGLI DI…)
Italien 1972 – DF – 93 Min. – 35mm
Regie Mario Siciliano
Buch Adriano Bolzoni
Kamera Gino Santini – Musik Carlo Savina
Mit Harry Baird, Alberto Dell’Acqua, Beatrice Pellegrino, Ezio Marano

Die beiden Kleinganoven Trinidad und Sartana verdienen ihren Lebensunterhalt mit mehr oder weniger erfolgreichen Beutezügen. Bei dem Versuch, erneut etwas Gold abzustauben, geraten sie mit dem Schurken Burton und dessen Kompagnon – dem Tiger – aneinander …

Von der Kritik leider vollkommen zerrissene Klamotte, die mit dem Tiger einen der wahrscheinlich debilsten Schurken der ganzen Filmgeschichte vorzuweisen hat. Präsentiert wird das Prügelspektakel in buntem Technicolor.

Sonderveranstaltung 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

*****

Samstag 24.6.2017 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
SHE’S GOTTA HAVE IT
USA 1986 – OF – 84 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Spike Lee
Kamera Ernest R. Dickerson Musik Bill Lee, Babatunde Olatunji
Mit Tracy Camilla Johns, Tommy Redmond Hicks, John Canada Terrell, Spike Lee

Gut 30 Jahre vor Barry Jenkins diesjährigem Oscar-Gewinner Moonlight stand She’s gotta have it als Meilenstein des New Black Cinema fest. Der Titel von Spike Lees Debütfilm meint Nola Darling, eine afroamerikanische und unabhängige junge Frau aus Brooklyn, die sich drei Verehrer gleichzeitig hält, da sie auf deren unterschiedliche Qualitäten nicht verzichten will – die Herren wollen sie aber jeweils für sich allein haben.

Diese Komödie machte – Mitte der 1980er Jahre noch keine Selbstverständlichkeit – keine Zugeständnisse an ein sogenanntes weißes Publikum, lud aber jeden ein, festzustellen, dass auch Schwarze jenseits lächerlicher Klischees ein ganz normales, komisch-verwickeltes Leben haben. Für Spike Lee selbst ist dies ein feministischer Film: »Meine Freunde geben dauernd an und brüsten sich damit, wie viele Frauen sie haben. Diese doppelte Moral ist einfach verrückt. Also habe ich gedacht, ich mache einfach einen Film über eine Frau, die ihr Leben genauso lebt wie ein Mann.«

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Sonntag 25.6.2017 – 19:15 Uhr
Paris mon amour
MOULIN ROUGE
(MOULIN ROUGE!)
Australien/USA 2001 – DF – 128 Min. – 35mm
Regie Baz Luhrmann
Buch Baz Luhrmann, Craig Pearce
Kamera Donald McAlpine – Musik Craig Armstrong
Mit Nicole Kidman, Ewan McGregor, John Leguizamo, Jim Broadbent, Kylie Minogue

»Montmartre um 1900, Popmusik von Heute heißt die Kombination. Mitten in der Belle Époque siedelt Luhrmann eine Art ›Orpheus und Eurydike‹-Handlung an, aber bei ihm heißt das nicht archaische Wucht, sondern modernes Melo um den armen Poeten Christian (Ewan McGregor) und die schöne Hure Satine (Nicole Kidman) […].
Seinem Stil ist Luhrmann treu geblieben: Rasante Schnitte, fixe, virtuos überraschende Kamerafahrten, ein neobarock überladenes, sich selbst immerfort weiterschraubendes Durcheinander, voller Verfremdungseffekte, Kino als Karussell, Jahrmarkt, Rausch. Und natürlich Kitsch. Von Anfang an, ganz selbstbewusst. […] Hier wird die vielbelaberte Postmoderne plötzlich zur unmittelbaren Erfahrung, die Wirklichkeit als Clash der Zitate und Möglichkeiten.«
(Rüdiger Suchsland, artechock.de)

»The film is constructed like the fevered snapshots created by your imagination before an anticipated erotic encounter.«
(Roger Ebert)

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Mittwoch 28.6.2017 – 20 Uhr
something weird cinema
STERNENKRIEG IM WELTALL
(UCHŪ KARA NO MESSĒJI)
Japan 1978 – DF – 87 Min. – 35mm
Regie Kinji Fukasaku
Buch Hirô Matsuda
Kamera Tôru Nakajima – Musik Kenichiro Morioka
Mit Vic Morrow, Sonny Chiba, Philip Casnoff, Peggy Lee Brennan

»Ein auf Expansion bedachtes Herrenvolk unterjocht einen Nachbarplaneten und rüstet zur Eroberung der Erde, doch der Anschlag kann gerade noch verhindert werden. Science-Fiction-Film mit fernöstlichem Kolorit: die interessante Tricktechnik und die temporeiche Inszenierung entschädigen für die etwas wirre, allzu märchenhafte Handlung.«
(Filmdienst)

Regie-Routinier Fukasaku, sonst bekannt für seine ruppigen Yakuza-Filme, liefert ein quietschvergnügtes und kunterbuntes STAR WARS-Rip-Off ab. Mit allem, was das Herz begehrt: Verfolgungsjagden im Weltall, zerstörte Planeten, Laserduelle, aufwendige Sets und Dekos – und ein Segelschiff, das als Raumkreuzer die endlosen Weiten des Universums durchpflügt.

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Donnerstag 29.6.2017 – 20 Uhr
Ans Licht geholt
DIE SCHLAMM-BABIES
(MUGSY’S GIRLS / DELTA PI)
USA 1984 – DF – 87 Min. – 35mm
Buch & Regie Kevin Brodie
Kamera Paul Lohmann – Musik Nelson Kole
Mit Ruth Gordon, Laura Branigan, Joanna Dierck, Eddie Deezen

Aus Geldnot veranstalten einige Studentinnen ein öffentliches Sahne-Ringen. Dabei werden sie von einem Manager entdeckt, der sie davon überzeugen kann, ihre Talente in Las Vegas gewinnbringend zur Schau zu stellen.

Nachdem kein Studio an seinem Drehbuch Interesse zeigte, ließ sich Regisseur Brodie den Film größtenteils durch Oklahomas Ölindustrie finanzieren, ausführender Produzent war ein hauptberuflicher Zahnarzt. Unter den vielen ANIMAL HOUSE-Nachzüglern ragt diese Variante dank einiger unschlagbarer Vorzüge wie Ruth Gordon als exzentrische Aufseherin einer Studentinnen-Verbindung, der unter anderem Popstar Laura Branigan angehört, und natürlich ausgiebige Schlammcatch-Szenen heraus.

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ACHTUNG, TERMINÄNDERUNG! Die ursprünglich für den 30.6.2017 angekündigte Vorstellung von EIN HAUFEN LIEBE findet nun am 4.7.2017 statt!

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Dienstag 4.7.2017 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Alina Cyranek
EIN HAUFEN LIEBE
Deutschland 2016 – 91 Min. – digital
Regie, Buch & Kamera Alina Cyranek
Musik Martin Kohlstedt
Mit Anneliese Goth, Esther Eisele, Ruth Sprondel, Ulla Huhn

Als das alte Ehepaar Philemon und Baucis nach einem langen erfüllten Leben stirbt, stirbt es in tiefer Liebe zueinander. So die Sage, die Anneliese, Ulla, Ruth und Esther, Frauen zwischen 71 und 90 Jahren, gerade gemeinsam mit ihrer Theatergruppe einstudieren. Doch was ist, wenn Liebes- und Lebensentwürfe unterschiedliche Wege genommen haben und am Ende eines langen Lebens nur die Hoffnung nach dieser Liebe bleibt?

In einem Rückblick berichten die vier Frauen von einem ganzen Leben. Einem Leben aus verpassten Momenten, Seitensprüngen und einer unaufhörlichen Sehnsucht nach der großen Liebe.

»EIN HAUFEN LIEBE erzählt bisweilen herrlich glamourös, so wie das richtige Leben es eben auch manchmal ist. Das Bedürfnis, geliebt zu werden – auch das zeigt der Film eindrücklich – bleibt, egal, wie alt ein Mensch ist.«
(Player – Das Kinomagazin / cut-FilmPresse)

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Der Filmclub 813 gewinnt den Kinopreis des Kinematheksverbundes 2016 in der Kategorie I Kino, das zurückblickt.

Die Jury-Begründung:
»Der erste Preis der Kategorie I geht an das Kino 813 in der BRÜCKE (Köln) für ein herausragendes Programm, welches trotz geringer Förderung und allein durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht wird und sich reflektiert und ideenreich mit unterschiedlichen Aspekten der internationalen Filmgeschichte auseinandersetzt, sowie für seinen Einsatz um die analoge Aufführungspraxis des Mediums vor Ort.«

Die zweiten Preise gingen an das Zeughauskino (Berlin), das Filmmuseum Potsdam, Black Box – Kino im Filmmuseum Düsseldorf, und Caligari Filmbühne (Wiesbaden). Verliehen wurde der Preis am 24.9.2016 im Filmmuseum Berlin.
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