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Mittwoch 29.5.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
NUIT ET JOUR
(DIE NACHT, DER TAG)
BEL/FRA/CH 1991 – OmU – 92 Min. – 35mm
Regie Chantal Akerman
Buch Chantal Akerman, Pascal Bonitzer
Kamera Jean-Claude Neckelbrouck – Musik Marc Hérouet
Mit Guilaine Londez, Thomas Langmann, François Négret

In einer Pariser Dachwohnung, nahe des Boulevard de Sébastopol, lieben sich Julie und Jack, jeden Tag. Bei Dunkelheit fährt er Taxi, sie wandert singend durch die Straßen. Dabei trifft sie Joseph, der fortan ihr Liebhaber für die Nacht wird.

»NUIT ET JOUR ist ein Paradoxon: ein völlig materieller Film über Gefühle. Wie immer bei Chantal Akerman gestaltet er sich als Kino der Reduktion: nur was wichtig ist, kann man sehen. Alles hat eine Bedeutung – von der Farbe der Wand über die Kleidung der Darsteller bis zum kleinen Werbeaufdruck auf einer Einkaufstüte -, und alles liegt offen dar: man muss es nur sehen, hören – vor allen Dingen fühlen können.«
(Olaf Möller, Filmdienst)

»NUIT ET JOUR ist pure, konkrete, in ihrer Schönheit ergreifende kinematografische Sinnlichkeit – die Körper, die Farben, das Licht, alles strahlt.«
(Rui Hortênsio da Silva e Costa, filmmuseum.at)

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Donnerstag 30.5.201915 Uhr
Heinz Sielmann – Kurzfilmprogramm I:
Wild unserer Wälder – Naturfilme 1949-1955
BRD 1951-55 – 100 Min. – s/w – 16mm

Als Heinz Sielmann 2006 starb, gehörte er zu Deutschlands bekanntesten Fernsehpersönlichkeiten. Zwischen 1965 und 1991 hatte er die überaus populäre Sendung EXPEDITIONEN INS TIERREICH moderiert. Da blickte er bereits auf eine lange Karriere als Dokumentarfilmer zurück, die in den 40er Jahren begann und heute weit weniger bekannt ist – auch wenn viele seiner frühen Kurzfilme ein langes Leben im deutschen Biologieunterricht hatten.

Dieses Programm zeigt Sielmanns früheste Kurzfilme in historischen Kopien. Die Filme galten der heimischen Tierwelt, die in den ersten Nachkriegsjahren von Wilderei bedroht war. Eine überraschende Verbindung zum Kunstkontext ist die Mitwirkung von Joseph Beuys an dem von der Forschung bislang unbeachteten Stummfilm WASSERWILD AUF DEM FRÜHJAHRSZUG (1949-51). Der damalige Kunststudent konstruierte für den Film phantasievolle Kameraverstecke – darunter ein getarntes Boot -, die seinen späteren Installationen vorgreifen; er ist auch selbst im Film zu sehen.

Wir zeigen WASSERWILD AUF DEM FRÜHJAHRSZUG (1951), RAUBVÖGEL DER HEIMAT, REINEKE FUCHS (alle 1951), sowie QUICK, DAS EICHHÖRNCHEN (1952), KONZERT AM TÜMPEL (1954), IM HAMSTERREVIER (1954) und ZIMMERLEUTE DES WALDES (1955).

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Donnerstag 30.5.2019 – 20 Uhr
Sommerblut 2019
Afghanistan 1969.
Ein Land, vom Kino gerettet
AFG 1969 – stumm – 44 Min. – digital
Regie & Kamera Anna Bevicchi

Super-8-Film, 1969 in Afghanistan von einer jungen Regisseurin belichtet, der sich zu einem Zeitdokument formt. Das Land, das wir hier sehen, gibt es nicht mehr, nicht nur, weil seitdem 50 Jahre vergangen sind, sondern, weil es in den letzten Jahrzehnten durch zahlreiche Kriege verwüstet wurde – so genannter Friedensmissionen zum Trotz. Das Filmmaterial zeigt da noch ein Land, das in Frieden lebt. Bilder, weit entfernt von den Medienbildern, die wir heute mit Afghanistan in Verbindung bringen. Für eine Ökologie des Sehens, die in unserer von Bildern dominierten Welt mehr denn je notwendig ist.

Mit Live-Musikbegleitung und anschließendem Publikumsgespräch

In Kooperation mit Sommerblut Kulturfestivals

[email protected]

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Freitag 31.5.2019 – 20 Uhr
4 Filme für Helmut (Wiederholung)
DIE NACHT DES JÄGERS
(THE NIGHT OF THE HUNTER)
USA 1955 – DF – 91 Min. – s/w – 35mm
Regie Charles Laughton
Buch James Agee – Literaturvorlage Davis Grubb
Kamera Stanley Cortez – Musik Walter Schumann
Mit Robert Mitchum, Lillian Gish, Sally Jane Bruce, Billy Chapin, Shelley Winters

»Vom deutschen Expressionismus beeinflußt, arbeitet der Film mit suggestiven Licht- und Toneffekten und erzeugt so eine irreale, beklemmende, manchmal schockierende Atmosphäre. Laughton bezeichnete seine einzige Regiearbeit als albtraumhaftes Märchen. Der Film fand zunächst wenig Resonanz, wurde aber später als Werk mit originärer Filmsprache wiederentdeckt.«
(Lexikon des Internationalen Films)

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Samstag 1.6.2019
Zu Gast im Filmclub 813: Kameramann Jörg Schmidt-Reitwein 

19:15 Uhr
JÖRG SCHMIDT-REITWEIN: SEHWEISEN
D 2017 – 104 Min. – digital
Regie Heiner Heinke
Kamera Thomas Beckmann – Musik Jan F. Kurth
Mit Jörg Schmidt-Reitwein, Ralf Leistl, Moritz Holfelder, Van Phuong La

»In den 1970er-Jahren wurde Jörg Schmidt-Reitwein für seine Kameraarbeiten an der Seite vieler bedeutender Regisseure des Neuen Deutschen Films wie Werner Schroeter, Herbert Achternbusch und Alexander Kluge bekannt. Berühmtheit erlangte er aber vor allem für seine wundervollen Bilder in den legendären Filmen von Werner Herzog. Mit Vorliebe arbeitet er seither an Projekten, die es ihm ermöglichen, sich extremen Herausforderungen zu stellen und die Welt filmisch immer wieder neu zu betrachten.

Heute lebt Jörg Schmidt-Reitwein auf einem einsam gelegenen Einödhof in Niederbayern, der über die Jahre zum Dreh- und Angelpunkt in einem aufregenden Leben voller Neuanfänge geworden ist. Die Stille des Hofes wurde nicht nur zur beständigen Inspirationsquelle, sondern auch zum Fixpunkt auf der Suche nach einer Balance zwischen beruflichem und familiärem Glück. SEHWEISEN ist ein poetisches Porträt über einen leidenschaftlichen Entdecker, Künstler und Familienmenschen, dessen Bilder die Geschichte des deutschen Kinos geprägt haben.«
(Hofer Filmtage)

21:45 Uhr
WUMM
BRD 1971 – 20 Min. – 35mm
Regie Jörg Schmidt-Reitwein
Buch Jörg Schmidt-Reitwein, Gunter Freyse
Kamera Jörg Schmidt-Reitwein

Jörg Schmidt-Reitweins erste eigene Regiearbeit: Gefunden auf dem Dachboden, seit Jahrzehnten von niemandem mehr gesehen, auch vom Regisseur selbst nicht. Zusammen mit ihm entdecken wir sie wieder.

GLOCKEN AUS DER TIEFE. GLAUBE UND ABERGLAUBE IN RUSSLAND
D/USA 1993 – 63 Min. – 35mm
Buch & Regie Werner Herzog
Kamera Jörg Schmidt-Reitwein
Musik Oorzak Choonastar-ool, Mongush Mergen, Ondar Münghün-ool

Eine von Herzogs Annäherungen an die spirituelle Welt, hier die gerade in den Nach-Perestroika-Jahren so virulente Wiederbelebung sektantisch-religiöser Traditionslinien in Russland. Der Film wirkt verstörend, weil Herzog einen ordnenden Kommentar weglässt, stattdessen seine markante Stimme verwendet für die Übersetzung der Äußerungen seiner porträtierten Gläubigen: schamanische Kehlkopfsänger in Sibirien, ein im Jesus-Kostüm sich materialisierender Erlöser, ein Pope, der beim heftigen Eintauchen eines zu taufenden Babys ins Weihbecken keine Skrupel kennt, ein auch für Herzog reichlich abartiger Wunderheiler, ein noch irrerer und nicht weniger zimperlicher Exorzist, ein Glöckner, der seine Vergangenheit im Waisenheim durch wütendes Glockenläuten verarbeitet. Glauben und Aberglauben sind eins, sagt der Film.

In Anwesenheit von Jörg Schmidt-Reitwein

Mit anschließenden Filmgesprächen

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Sonntag 2.6.2019 – 19:15 Uhr
Godzilla-Double Feature
BEFEHL AUS DEM DUNKEL
(怪獣大戦争/ KAIJÛ DAISENSÔ)
JPN 1965 – DF – 81 Min. – 35mm
Regie Ishirô Honda
Buch Shin‘ichi Sekizawa
Kamera Haijime Koizumi – Musik Akira Ifukube
Mit Akira Takarada, Nick Adams, Kumi Mizuno, Akira Kubo

Die beiden Astronauten Glenn und Fuji stoßen im Weltraum auf einen unbekannten Planeten. Die Bewohner dort werden von dem dreiköpfigen Monster King Ghidorah tyrannisiert. Sie bitten die Erdenbewohner, ihnen Godzilla und den Flugsaurier Rodan zum Kampf gegen das Monster zu überlassen. Doch dieser Plan bringt die Erde in größte Gefahr. 

FRANKENSTEIN UND DIE MONSTER AUS DEM ALL
((怪獣総進撃 / KAIJÛ SÔSHINGEKI)
JPN 1968 – DF – 89 Min. – 35mm
Regie Ishirô Honda
Buch Kaoru Mabuchi, Ishirô Honda
Kamera Taiichi Kankura – Musik Akira Ifukube
Mit Akira Kubo, Jun Tazaki, Yoshio Tsuchiya, Kyôko Ai

Sämtliche Ungeheuer, die Japan in der Vergangenheit terrorisierten, werden auf der streng bewachten Monsterinsel vor der Küste untergebracht. Eine fremde Macht gewinnt jedoch die Kontrolle über Godzilla und Co. und lässt sie unvermittelt die Hauptstädte der Erde angreifen.

Zum Kinostart von GODZILLA 2: KING OF THE MONSTERS laden wir zur großen Monsterkeilerei in den Filmclub ein. Mit BEFEHL AUS DEM DUNKEL kreierte Godzilla-Vater Ishirô Honda ein atmosphärisches Weltraum-Abenteuer und wohlmöglich einen der fantasievollsten Einträge in der Filmreihe um die zerstörungswütige Riesenechse. Den deutschen Titel entlieh man sich bei dem Autor Hans Dominik, dessen Vorlage hier jedoch keineswegs Pate stand. Hinter dem nicht minder irreführenden Titel FRANKENSTEIN UND DIE MONSTER AUS DEM ALL verbirgt sich hingegen der 20. Monsterfilm der Tôhô-Studios. Zu diesem Jubiläum wurden alle bekannten Kreaturen des Godzilla-Universums zum großen Prügelspektakel von der Leine gelassen.

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Dienstag 4.6.2019 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
SCHLAFWAGENABTEIL
(ÄLSKARINNAN)
SWE 1962 – DF – 77 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Vilgot Sjöman
Kamera Lars Björne – Musik Eric Öst
Mit Bibi Andersson, Per Myrberg, Max von Sydow

»Ein Mädchen zwischen zwei Männern: Auf der Flucht vor der kleinbürgerlichen Enge, in die ihr gutwilliger, aber verständnisloser Ehemann sie treiben will, erliegt sie dem Charme eines verheirateten Herrn. […] Der Film markiert einen bewussten Gegensatz zu den Filmen Ingmar Bergmans, dessen Assistent Sjöman zuvor war. Er erzählt nüchtern das Protokoll einer Unterdrückung und dann, konsequenter Bewusstwerdung.«
(Dieter Krusche)

Bibi Andersson, die im April dieses Jahres verstarb, gewann für diesen Film den Silbernen Bären der Berlinale 1963.

Einführung: Andreas Thein, Filmmuseum Düsseldorf

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Mittwoch 5.6.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Larry Cohen ( 23.3.2019)
GOD TOLD ME TO
USA 1976 – OF – 91 Min. – 16mm
Buch & Regie Larry Cohen
Kamera Paul Glickman – Musik Frank Cordell
Mit Tony Lo Bianco, Deborah Raffin, Sandy Dennis, Sylvia Sidney

Jesus ist zurück! Er lebt in einem Heizungskeller in New York City und stiftet seine Anhänger zu Serienmorden an. GOD TOLD ME TO beginnt als straighter Cop-Film mit der für Cohen typischen fast schon dokumentarisch wirkenden Atmosphäre, entwickelt sich immer mehr zum Okkult-Horrorfilm und dann…wird’s ganz wild. Als hätten Scorsese und Buñuel gemeinsam eine KOJAK-Folge gedreht und irgendwo in der Mitte eine Überdosis Halluzinogene eingeworfen. Dabei wirkt der Film trotzdem erstaunlich tight. Far out.

»This is the most confused feature-length film I’ve ever seen.«
(Roger Ebert)

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Donnerstag 6.6.2019 – 20 Uhr
Les contes d’Offenbach
ORPHEUS IN DER UNTERWELT
DDR 1974 – 88 Min. – 35mm
Buch & Regie Horst Bonnet
Literaturvorlage Hector Crémieux, Ludovic Halévy
Kamera Otto Hanisch – Musik Jacques Offenbach
Mit Wolfgang Greese, Dorit Gäbler, Rolf Hoppe, Lisa Macheiner, Liselotte Pulver

Auch in der DDR erfreute sich Jacques Offenbach großer Popularität und wurde nicht nur für die Bühne, sondern auch für zahlreiche Fernseh- und Kinoproduktionen adaptiert. Darunter ist ORPHEUS IN DER UNTERWELT das Prunkstück, ein farbenfroher Parforceritt durch lustvoll anachronistische Kulissen, mit satirischem Überschuss in ungeniert freizügigen Kostümen, gedreht auf 70mm.

Sogar Offenbach selbst, dargestellt von Gerry Wolff, tritt hier auf. Von einem Heißluftballon aus kommentiert er das Geschehen, das bei allem gestalterischen Eigensinn der Bühnenvorlage treu bleibt: Musikprofessor Orpheus, der sich eigentlich am liebsten mit seinen Schülerinnen amüsieren würde, reist in die Götterwelt zwischen Olymp und Hades, um seine ebenso untreue Gattin Eurydike zu retten.

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Samstag 8.6.2019 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
VIVA ZAPATA!
USA 1952 – DF – 104 Min. – s/w – 35mm
Regie Elia Kazan
Buch John Steinbeck
Kamera Joseph MacDonald – Musik Alex North
Mit Marlon Brando, Jean Peters, Anthony Quinn, Joseph Wiseman

Mexikanische Geschichte, Revolution und Freiheitskampf, die Mechanik der Machtwechsel: Marlon Brando als Emilio Zapata, der Bauer und Illiterat, der um sein Land kämpft und zum Führer eines Volksaufstandes wird. Die Rolle, die die katholische Kirche spielte in der Unterdrückung des mexikanischen Volkes in den 1910er und 20er Jahren – das war den Mächtigen in Hollywood zu heikel zu Zeiten Joe McCarthys.

Dann eben nur ein politisch angehauchter Kostümfilm, der seine Travestie offen propagiert, Commedia dell’arte mit method actors, allen voran Brando, der im ländlichen Mexiko für die Rolle recherchierte. Roland Barthes kritisierte dagegen gerne das unentschlossene Zeichensystem Hollywoods in den Fünfzigern, »ein herabgesunkenes Schauspiel, das die naive Wahrheit ebenso fürchtet wie die völlige Künstlichkeit«.

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Sonntag 9.6.2019 – 19:15 Uhr
Les contes d’Offenbach
HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN
(THE TALES OF HOFFMANN)
GBR 1951 – DF – 122 Min. – 35mm
Buch & Regie Michael Powell, Emeric Pressburger
Literaturvorlage Jules Barbier
Kamera Christopher Challis – Musik Jacques Offenbach
Mit Moira Shearer, Robert Helpmann, Léonide Massine, Robert Rounseville

Mit der Adaption von Jacques Offenbachs unvollendet gebliebener Oper, in der ein weinseliger E.T.A. Hoffmann auf die drei großen unglücklichen Lieben seines Lebens zurückblickt, erreichten Powell und Pressburger ihr Ideal eines »komponierten Films«. Gesang und Ballett, Architektur und Kamerazauber vereinen sich zu einem überbordenden Technicolor-Fiebertraum.

»DIE ROTEN SCHUHE ist voller Musik und Tanz. HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN ist Musik und Tanz.«
(Martin Scorsese)

»Dies ist der Film, der in mir den Wunsch weckte, selbst Filme zu machen. […] Keine Fantasie hat je seine Schönheit, Seele oder Überzeugungskraft erreicht.«
(George A. Romero)

Im Vorprogramm:
BARCAROLE
D 1932 – 7 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Ferdinand Diehl, Hermann Diehl

Die Barcarole Jacques Offenbachs, bekannt geworden durch ›Les contes d’Hoffmann‹, diente dem experimentierfreudigen Tüftler Rudolf Pfenninger als Vorlage zu einer seiner ›Tönenden Handschriften‹, Meilensteine in der Entwicklung des Lichttons. Begleitend dazu: Eine venezianische Puppentrick-Romanze der Gebrüder Diehl.

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Mittwoch 12.6.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
PARISER LECKEREIEN
(PARIS TOP SECRET)
FRA/BEL 1969 – DF – 78 Min. – 35mm
Regie Pierre Roustang
Kamera Roland Pontoizeau, Jean-Marc Ripert u. a. – Musik Even de Tissot
Mit Philippe Bouvard, Jérôme Savary

»Dieser Film ist wie ein intimes Tagebuch, in dem mit offenen Augen und intimer Kamera alle ungewöhnlichen Leidenschaften der ›Stadt der Liebe‹ aufgezeichnet sind«, so die Verleihwerbung. Zu den Eintragungen gehören unter anderem: Hautmaler und Happenings, Striptease und Straßenhunde, Krokodile in der Badewanne, ein Leopard als Liebhaber, eine geheime Zeremonie der ›Bräute der Hölle‹ und das revolutionäre kissomètre, das die Qualität von Küssen misst. In der Tradition der besten Beiträge zum Mondo-Genre wird diese Reise durch das verborgene Paris begleitet von melancholischen Chansons, die dem Film sogar eine eigene Single-Auskopplung einbrachten.

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Donnerstag 13.6.2019 – 20 Uhr
Hommage Robert Hossein
MITTERNACHTSPARTY
(LE JEU DE LA VÉRITÉ)
FRA 1961 – DF – 82 Min. – s/w – 35mm
Regie Robert Hossein
Buch Robert Chazal, Robert Hossein, Louis Martin, Steve Passeur, Jean Serge
Kamera Christian Matras – Musik André Hossein
Mit Robert Hossein, Jean-Louis Trintignant, Jean Servais, Nadia Gray, Daliah Lavi

In einer stürmischen Nacht wartet eine Gruppe gelangweilter, dekadenter Damen und Herren in einem edlen Anwesen auf die Ankunft eines von allen gehassten Mannes. Der wird sie zwingen, ein Spiel zu spielen – ein Frage-und-Antwort-Spiel um dunkle Geheimnisse. Nur sind dunkle Geheimnisse manchmal tödlich…

»MITTERNACHTSPARTY stellt insgesamt französisches Star-Kino der exzellentesten Sorte dar, dessen Besetzung eine absolute Wucht ist. Der Kriminalfall an sich ist zugegebenermaßen nicht sonderlich weltbewegend und wurde der hochwertigen Inszenierung in allen Belangen untergeordnet, aber die ausgewogene Mischung hat wieder einmal bestätigt, warum Robert Hosseins Ausstattungsfilm im engeren Kreis der persönlichen Top-Beiträge zu finden ist.«
(Prisma, Italo-Cinema.de)

»Hosseins sechster Spielfilm wirkt wie eine Essenz aus Agatha Christie und dem Theater von Jean-Paul Sartre – das schonungslose Porträt einer dekadenten Nachkriegselite, dargestellt von grandiosen Schauspielkünstlern.«
(Filmkollektiv Frankfurt)

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Freitag 14.6.2019 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Herwig Weiser
Herwig Weiser: Filmvorführung und Buchpräsentation
D 1993-2018 – digital
Regie Herwig Weiser

Aus dem vielschichtigen Werk des österreichischen Künstlers Herwig Weiser, der an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und der Kunsthochschule für Medien in Köln studierte, sind vor allem seine technovisionären apparativen Installationen bekannt. Sein filmisches Oeuvre dagegen wird gerade erst öffentlich. Der Filmclub 813 zeigt eine exemplarische Auswahl seiner Filme der Jahre 1993 bis 2018 – für das jüngste Werk HAUS DER REGIERUNG erhielt Weiser 2018 den Grand Prix Riga Short Award beim International Film Festival Riga. 2002 erhielt er den Nam June Paik Award der Kunststiftung NRW, 2018 den Medienkunstpreis der Stadt.

Musikalisch begleitet wird die Vorführung von Daniel Kothenschulte und Philipp Quehenberger. Jüngst erschienen ist eine Buchpublikation zu Weisers bisherigem künstlerischen Schaffen, u.a. mit Beiträgen von Siegfried Zielinski, Anja Dorn, Jenny Nachtigall, Volker Pantenburg, Matthew Fuller und Marcel René Marburger: ›Weiser‹ , Köln: Edition_, 2018 (392 S.). Im Anschluss an die Filmvorführung wird die Publikation im Rahmen einer Gesprächsrunde vorgestellt.

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Samstag 15.6.2019 – 20 Uhr
Zum 80. Geburtstag von Francis Ford Coppola (* 7.4.1939)
YOU’RE A BIG BOY NOW
(BIG BOY, JETZT WIRST DU EIN MANN!)
USA 1966 – OF – 97 Min. – 35mm
Buch & Regie Francis Ford Coppola
Literaturvorlage David Benedictus
Kamera Andrew Laszlo – Musik John Sebastian, Robert Prince
Mit Peter Kastner, Elizabeth Hartman, Geraldine Page, Rip Torn, Julie Harris, Karen Black

Die Mutter weint, doch der Vater kennt kein Erbarmen: Der 19-jährige Bernard muss das Elternhaus verlassen und sein eigenes Appartement in Manhattan beziehen. Seine gestrenge Vermieterin wird sogleich damit beauftragt, dem sexuellen Erwachen des Jungen nachzuspüren, das sich als einigermaßen kompliziert herausstellt.

Ein coming of age bedeutete der Film auch für seinen Regisseur: Erstmals stand Francis Ford Coppola nicht mehr unter der Ägide Roger Cormans und wollte sich mit einem persönlichen Projekt beweisen, was ihn zu Höhenflügen unbändiger Inszenierungsfreude führte. Mittels freischwebender Montagen und zu den Songs von ›The Lovin‘ Spoonful‹ erkundet er jeden Winkel des New York, in dem er aufgewachsen ist, wandelt auf den Spuren Richard Lesters und ebnet zugleich schon einmal den Weg nicht nur für seine eigenen Meisterwerke, sondern auch für den kommenden Erfolg von DIE REIFEPRÜFUNG.

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Sonntag 16.6.2019 – 19:15 Uhr
Les contes d’Offenbach
ICH UND DIE KAISERIN
D 1933 – 86 Min. – s/w – 35mm
Regie Friedrich Hollaender
Buch Walter Reisch, Robert Liebmann
Kamera Friedl Behn-Grund – Musik Franz Wachsmann, Friedrich Hollaender
Mit Lilian Harvey, Conrad Veidt, Mady Christians, Heinz Rühmann

Der Lebemann Marquis de Pontignac findet im Wald das Strumpfband der Kaiserin. Dies verwickelt ihn in ein amouröses Geflecht, das sich erst während einer Aufführung von ›Die Großherzogin von Gerolstein‹ entwirren lässt. Einer der Dreh- und Angelpunkte des beschwingten Verwirrspiels ist das von Jacques Offenbach (hier dargestellt von Julius Falkenstein) gegründete Théâtre des Bouffes-Parisiens.

Regie führte mit Friedrich Hollaender ebenfalls ein großer Komponist. Nicht nur für ihn wurde ICH UND DIE KAISERIN zur letzten Arbeit in Deutschland vor der Emigration.

»Hollaender hat einen überaus graziösen Film von Niveau geschaffen, eine Offenbachiade, durch und durch Musik, durch und durch Rhythmus.«
(Berliner Morgenpost, 1933)

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Dienstag 18.6.2019 – 19:15 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: reiheM
THE GOODIEPAL EQUATION
DEN 2017 – 71 Min. – digital
Regie Sami Sänpäkkilä
Buch Sami Sänpäkkila, Eeva Tuomi – Kamera Sami Sänpäkkila

Ein Porträtfilm über den dänischen Musiker, Künstler, Aktivisten und Exzentriker Kristian Parl Bjørn Vester, alias Goodiepal – begleitet über den Zeitraum von 2011 bis 2017, bei Auftritten, Aktionen und Performances, im Freundeskreis und familiären Umfeld. Das Ganze entwickelt sich zu einem Reisebericht, begleitet von Goodiepals Musik und Lachen. Aber unter der fröhlichen Oberfläche liegt ein ernsthafter Ton: anstatt nur über den Gehalt von Kunst und Theorien zu sinnieren, beschreibt der Film auch eine loyale Freundschaft und eine Person, die auf ganz eigene Weise mit ihren Problemen und der Krankheit kämpft.

Mit Live-Performance von Goodiepal & Pals

Das Bandprojekt Goodiepal and Pals (GP&PLS) produziert eine wild-turbulente Mischung aus Dancetracks, polit-aktivistischen Shoutings, Coversong-Shredding, Techno-Rock und Balkan Brass Band. Mit Erlösen aus Konzerten und Releases unterstützt das Kollektiv Flüchtlinge in Serbien und Kroatien.

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Mittwoch 19.6.2019 – 20 Uhr
Hommage Robert Hossein
VERFLUCHT UND VERGESSEN
(LA MORT D’UN TUEUR)
FRA/ITA 1964 – DF – 78 Min. – s/w – 35mm
Regie Robert Hossein
Buch Claude Desailly, Robert Martin, Louis Martin
Kamera Jean Boffety – Musik André Hossein
Mit Robert Hossein, Marie-France Pisieur, Simón Andreu, Jean Lefebvre

Wie so oft bedient sich Robert Hossein einer klassischen Genre-Konstellation und übersetzt sie behutsam in seine ganz eigene Filmsprache, ohne sie ihrer Publikumswirksamkeit zu berauben: Hier ist es die Geschichte vom melancholischen Gangster, der sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis auf die Suche nach seinem Verräter macht.

»In diesem Film spricht Hossein zum ersten Mal aus, was alle seine früheren Filme nur ahnen ließen […].«
(Filmdienst)

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Donnerstag 20.6.2019 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Internationale Kurzfilmtage Oberhausen
From Light to Light: Some Films of James Herbert
USA 1968-2000 – 115 Min. – 16mm
Regie James Herbert

Ein chronologischer Überblick über die Entwicklung des Werks von James Herbert, einem der bedeutendsten amerikanischen Experimentalfilmer, ermöglicht durch eine Spende von 19 Kurzfilmen und kuratiert vom Kurzfilmfestival Oberhausen.

PORCH GLIDER ist ein farbiger Stummfilm und eine meditative Studie über junge Paare, die sich lieben im Garten oder auf der Veranda eines alten Hauses im amerikanischen Süden. Das Musikvideo LOW bildet einen Kontrast zu den übrigen Filmen: ein Spiel mit der Wahrnehmung des Rezipienten, welches differenziert zwischen der künstlerischen Repräsentation und der gefilmten Wirklichkeit, die merkwürdig immateriell und geheimnisvoll an ein Gemälde von Elisabeth Gardner erinnert. Erwähnt sei auch DI LUCE IN LUCE, der fleckiges Laub, plätscherndes Wasser und eine verwitterte Villa zwischen Pracht und Zerfall nebeneinanderstellt. Wieder ist ein junges Paar dabei, diesmal in vorsichtigem Abstand zueinander.

Wir zeigen PLUTO (1968), PORCH GLIDER (1970), APALACHEE (1974), AUTOMAN (1988), LOW (1991), DI LUCE IN LUCE (1993), JUMBO AQUA: A COLLAGE BY G. BRUNO (2000).

Vorgestellt von Lars Henrik Gass

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Freitag 21.6.2019 – 20 Uhr
813-Carte Blanche: Bernhard Marsch
KÄPY SELÄN ALLA
(TANNENZAPFEN UNTER DEM RÜCKEN)
FIN 1966 – OmeU – 89 Min. – s/w – 35mm
Regie Mikko Niskanen
Buch Robert Alfthan, Marja-Leena Mikkola
Kamera Esko Nevalainen – Musik Kaj Chydenius, Henril Otto Donner
Mit Eero Melasniemi, Kristiina Halkola, Pekka Autiovuori, Kirsti Wallasvaara

»Vier Freunde, zwei Jungs und zwei Mädchen, machen Camping-Urlaub an einem einsam gelegenen finnischen See. Sie baden und frotzeln sich, haben ihre kleinen Streitereien, an denen sich ihre Schwierigkeiten und Hemmnisse zeigen. Als die Ferientage zu Ende gehen, haben die Camper etwas über das Leben und ihre eigenen Gefühlswelten gelernt. Inspiriert von Vorbildern der französischen Nouvelle Vague, wurde die schöne Sommerromanze von Mikko Niskanen bei ihrer Uraufführung als ›ein stilistisch moderner und sensibler Film‹ (Ulrich Gregor) mit überraschend offenen Erotikszenen wahrgenommen. Beim Publikum fand er ebenso viel Anklang wie bei der Kritik. Aufnahmen der damals noch nahezu unberührten Natur bezieht der Film ganz selbstverständlich ein, doch ohne dadurch die sorglose Ferienatmosphäre durch allegorische Bedeutungsschwere zu überfrachten. Der stets gegenwärtige Pop-Appeal dieses von Jörn Donner koproduzierten Films wird nicht zuletzt durch einen Live-Auftritt der heute legendären Beatband The Creatures bei einer Waldparty verstärkt.«
(Nordische Filmtage Lübeck)

In vielerlei Hinsicht ist TANNENZAPFEN UNTER DEM RÜCKEN nicht zuletzt auch ein enger Verwandter von MENSCHEN AM SONNTAG.

MENSCHEN AM SONNTAG
D 1930 – 67 Min – s/w – 35mm
Regie Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer
Buch Billy Wilder
Kamera Eugen Schüfftan
Mit Erwin Splettstößer, Brigitte Borchert, Wolfgang von Waltershausen, Christl Ehlers

»Eine Gruppe junger Männer, die nach ihrer Emigration allesamt Großes in Hollywood leisten würden, erfand mit diesem letzten ›großen‹ (eigentlich aber bewusst sehr kleinen) deutschen Stummfilm gewissermaßen die Nouvelle Vague avant la lettre. Vier junge Menschen beim Sonntagsausflug an den Wannsee, voller lyrischer und komischer Details: Aus der Großstadtsymphonie, aus dem Rhythmus der Masse schälen sich – ein auf knapp über eine Stunde kondensiertes Wochenende lang – die individuellen Schicksale in ihrer schlichten Schönheit heraus. Menschen am Sonntag, von Eugen Schüfftan bestechend photographiert, ist ein Film, der mit seiner Spontaneität wirbt (›ein Film ohne Schauspieler‹, schwindelt stolz der erste Zwischentitel, wo er doch nur Laiendarsteller meint) und in seinem unprätentiösen Charme Recht behält: Es genügt ihm, mit der Wärme eines neugierig auf der Haut kitzelnden Sonnenstrahls jenes banale Wunder zu feiern, das man gemeinhin Leben nennt.«
(Christoph Huber, filmmuseum.at)

»Diesen Film würde ich mit auf eine Insel nehmen.«
Bernhard Marsch

Klavierbegleitung: Daniel Kothenschulte

Sonderveranstaltung: 8,13 / 7,13 / 6,13 Euro

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Samstag 22.6.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Dušan Makavejev († 25.1.2019)
DIE BALLADE DER LUCY JORDAN
(MONTENEGRO)
SWE/GBR 1981 – 93 Min. – DF – 35mm
Regie Dušan Makavejev
Buch Donald Arthur, Dušan Makavejev, Branko Vucicevic
Kamera Tomislav Pinter – Musik Kornelije Kovac
Mit Susan Anspach, Erland Josephson, Bora Todorovic, Per Oscarsson

Der Film beginnt trügerisch, als ein mit allen Klischees ausstaffierter skandinavischer Kunstfilm, aber wenn er seinen Höhepunkt erreicht, dann kann er nicht weiter von der eingeschlagenen Richtung sich entfernt haben. Eine Amerikanerin in Schweden als frustrierte reiche Hausfrau, die sich nimmt, was ihr gefällt, und wo sie das findet, nach einem verpassten Flug und einer unglücklichen Zollkontrolle, das sind, so zeigt es der Film, zunehmend unzuverlässige Orte, die innerlich (psychologisch) oder äußerlich-physisch (die exotische Zanzi-Bar, ein Treffpunkt für jugoslawische Arbeiter*innen) motiviert sind. Ihr Leben dreht sich gehörig um.

MONTENEGRO ist in seiner Form nicht so extrem wie Makavejevs frühere Filme, aber immer noch bizarr genug, und er wird der einstigen Absichtserklärung des Produzenten mehr als gerecht: »hochwertige Komödie mit Anreizen für die Massenkultur inklusive maßvoller Erotik«. Was könnte man mehr erwarten von einem Film? Makavejev wird dem Kino fehlen, sein Umgang mit Sozialkritik und Erotik – beides entsteht bei ihm stets aus dem Situativen.

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Sonntag 23.6.2019 – 19:15 Uhr
Ziviler Widerstand
THE TIMES OF HARVEY MILK
USA 1984 – OmU – 86 Min. – 16mm
Regie Robert Epstein
Buch Judith Cockburn, Carter Wilson
Kamera Frances Reid – Musik Mark Isham

Ein armer und zugleich reicher Film. Technisch gesehen wirkt er fast dürftig: Archivmaterial lokaler Fernsehstationen – oft flüchtige eyewitness news –, Fotos von Reportern und Laien sowie einige Interviews, objet trouvé. Ein Fall, der wie sein Material auf der Straße lag, nur gesehen musste er werden, aber mit den Augen von Betroffenen.

Der sanfte Aufstieg und der gewaltsame Tod von Harvey Milk, dem schwulen Bezirksbürgermeister von San Francisco, fügen sich zu einem Modellfall jener Tradition amerikanischer Demokratie, wie sie Jefferson und Lincoln verkörpern. Für viele war es damals nicht mehr als ein Witz, als Milk, Besitzer eines Fotoladens an der Castro Street und Bürgerrechtler, sich erstmals 1973 um das Amt eines Bürgermeisters bewarb.

Erst 1977, die Strukturen waren liberaler geworden, rückte es in greifbare Nähe: Jeder Distrikt konnte einen Kandidaten stellen. Im Castro-Viertel, einem einst schwierigen Viertel, damals vorwiegend von LGBT-Bürger*innen bewohnt, die ihm zu neuem Glanz verhalfen, erwies sich die Frühform der Gentrifizierung als Vorteil für Milk. Seine Leute konnten ihn wählen und er gewann – und mit ihm zeitgleich erstmals eine Afroamerikanerin, eine Chinesin und eine Frauenrechtlerin. Die reale Nemesis dabei war – bezeichnend – der weiße blue collar Dan White. Geschichte wiederholt sich.

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Mittwoch 26.6.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Hannelore Elsner († 21.4.2019)
IMMER WENN ES NACHT WIRD
BRD 1961 – 94 Min. – s/w – 35mm
Regie Hans D. Bove
Buch Christopher Baal, Klaus Peter Schulze
Kamera Erich Küchler – Musik Wolfram Röhrig
Mit Jan Hendriks, Hannelore Elsner, Karin Kernke, Walter Wilz, Elisabeth Volkmann

»[E]in schwarzweißer Party- und Frauenarztfilm: Syphilis und Dolce Vita« (Rainer Knepperges), zwischen diesen beiden Polen bewegen sich die jungen Menschen aus gutem Hause, die sich hier auf der Flucht vor der bürgerlichen Ordnung ins Nachtleben stürzen. Für einige hat das tragische Folgen, von denen der Film mit ruppiger Direktheit, aber ohne moralische Verurteilung berichtet.

Die Filmkritik lobt ihn für »geniale Momente, Atmosphäre und Originalität; kaum ist ihm etwas von der Routine anzumerken, die den Film mehr oder minder in Fesseln hält. Die vielen neuen Namen und die vielen jungen Gesichter weisen schon daraufhin, dass sich hier eine neue Generation mausig macht.« Dazu gehört auch die damals 19-jährige Hannelore Elsner, die in ihrer Rolle schon vieles von dem anlegt, was sie zu einer der gefragtesten deutschen Schauspielerinnen werden ließ.

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Donnerstag 27.6.2019 – 20 Uhr
Les contes d’Offenbach
JACQUES OFFENBACH – EIN LEBENSBILD
BRD 1969 – 98 Min. – s/w – digital
Regie Rudolf Jugert
Buch Henri Iversen, Peter Krönig
Kamera Willi Jamm
Mit Pinkas Braun, Herbert Bötticher, Colette Lorand, Ingeborg Lüscher

Die große Filmbiographie Jacques Offenbachs gibt es nicht, dennoch hat sich das Kino schon immer auch für sein Leben interessiert. Zumeist war er allerdings nur Nebenfigur, bevorzugt in Filmen über musikalische Zeitgenossen wie Franz von Suppé (in HAB ICH NUR DEINE LIEBE, 1953) oder Johann Strauß (u. a. in EWIGER WALZER, 1954). Rückt Offenbach ins Zentrum, dann in Form von filmischen Phantasien über einzelne Episoden aus seinem Leben, so in LA VALSE DE PARIS (1950) oder OFFENBACHS GEHEIMNIS (1996). Die ambitioniertesten Pläne, eine umfangreiche Biographie Offenbachs ins Kino zu bringen, verfolgte Siegfried Kracauer, sein 22-seitiges Treatment konnte jedoch nie umgesetzt werden. Noch am nächsten kam man diesem Vorhaben im Fernsehen: 1961 wurde Arthur Maria Rabenalts CANCAN UND BARKAROLE ausgestrahlt, 1977 Michel Boisronds sechsteilige Serie LES FOLIES OFFENBACH. Und 1969 kam das ZDF auf die glückliche Idee, Rudolf Jugert, einen der unterschätztesten Meister des deutschen Nachkriegskinos, mit der hehren Aufgabe zu betrauen, das wendungsreiche Leben des begnadeten Komponisten in abendfüllende Form zu gießen.

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Freitag 28.6.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert… die gnadenlose Welt des Italowestern – Die Rechnung wird mit Blei bezahlt…  

…aber der Whiskey zum Sommerabschluss ist umsonst.

PISTOLEROS
(ALL’OMBRA DI UNA COLT)
ITA/ESP 1965 – DF – 82 Min. – 35mm
Buch & Regie Giovanni Grimaldi
Kamera Stelvio Massi – Musik Nico Fidenco
Mit Stephen Forsyth, Conrado San Martin, Aldo Sambrell, Helga Liné, Franco Ressel

Die Pistoleros Steve und Duke übernehmen jeden Auftrag – solange die Kasse stimmt. Nach einem lukrativen Geschäft möchte der junge Steve ein bürgerliches Leben mit der Tochter seinen väterlichen Freundes Duke anfangen. Das schmeckt diesem jedoch gar nicht

»Unterhaltsamer, harter Frühwestern von Komödienregisseur Grimaldi.«
(Ulrich P. Bruckner, Für ein paar Leichen mehr)

VON MANN ZU MANN
(DA UOMO A UOMO)
ITA 1967 – DF – 116 Min. – 35mm
Regie Giulio Petroni
Buch Luciano Vincenzoni
Kamera Carlo Carlini – Musik Ennio Morricone
Mit John Phillip Law, Lee Van Cleef, Mario Brega, Luigi Pistilli, Anthony Dawson

Als einziger seiner Familie hat der kleine Bill ein Massaker überlebt. Nun, 15 Jahre und viele Schießübungen später, scheint die Zeit der Rache gekommen zu sein. Doch da ist noch jemand, der sich an den Gangstern rächen will. Und es ist nicht klar, ob er ihm den Weg ebnet oder eher im Weg steht…

Ein klassischer Rachewestern, aber Rache wird hier in fetten Großbuchstaben geschrieben. Dafür sorgt Morricones treibender Soundtrack, der die Geschichte unaufhaltsam vorantreibt, John Philip Law, der ums Verrecken seinen Plan verfolgt, und Lee Van Cleef, dem man ohnehin nur eine Waffe und ein Pferd geben muss.

Sonderveranstaltung 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 29.6.2019 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
DO THE RIGHT THING
USA 1989 – OmU – 119 Min. – 35mm
Buch & Regie Spike Lee
Kamera Ernest Dickerson – Musik Bill Lee
Mit Spike Lee, Danny Aiello, Ossie Davis, Ruby Dee, Richard Edson

Ein von hitzigen Gefühlen geprägter Brooklyner Sommertag inklusive schwüler Nacht, eine Straße, deren Bewohner*innen sich immer wieder begegnen. Der Revoluzzer, der weise Alte, das sexy Mädchen, der Outsider mit dem Ghettoblaster. Ein Film wie ein Theaterstück. Treffpunkt der Straße ist Sal’s Pizzeria, deren Inhaber der einzige Weiße in der Straße ist.

Keine lineare Geschichte, eher ein Reigen scheinbar separater Ereignisse, Figuren und Episoden wirbeln durcheinander, Differenzierungen werden zugunsten von Emotionen aufgegeben, die Charaktere bleiben schematisch. Das brachte Lee, dem Apologeten einer konsequent schwarzen Politik, den Vorwurf des Rassismus ein, doch er macht im Grunde etwas Mutiges. Er hält allen gleichermaßen ihren Rassismus vor, auch den Afroamerikanern. Erst wenn sie dies erkennen, sind sie in der Lage sich zu befreien und anders mit dem Rassismus der Weißen umzugehen, als es das Ende des Films zeigt.

Lees Film erinnert daran, dass gesellschaftliche Veränderungen immer von uns ausgehen, von Menschen, die sich solidarisieren, nicht von Institutionen oder Stellvertretern.

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Sonntag 30.6.2019 – 19:15 Uhr
813-Sommerabschlussfilm
AVANTI, AVANTI!
(AVANTI!)
USA/ITA 1972 – DF – 144 Min. – 35mm
Regie Billy Wilder
Buch I. A. L. Diamond, Billy Wilder – Literaturvorlage Samuel A. Taylor
Kamera Luigi Kuveiller – Musik Carlo Rustichelli
Mit Jack Lemmon, Juliet Mills, Clive Revill, Gianfranco Barra, Pippo Franco

Ein amerikanischer Industrieller reist auf die Insel Ischia, um die Leiche seines verunglückten Vaters in die USA zu überführen. Er hat es eilig, wieder wegzukommen. Konfrontiert wird er mit den Tücken der italienischen Bürokratie/Kultur sowie mit einigen Überraschungen, die seinen Vater und die eigene Arroganz betreffen. Eine Frau lernt er kennen. Das Morbide und die Romantik feiern seltsame Hochzeit.

Ein später Wilder, Kintopp hat man ihm da oft vorgeworfen, durchaus negativ gemeint, das Konstruierte seiner moralischen Geschichten, das forcierte und dann verschleppte Tempo, der Gag, die Pointe, das Spiel mit Klischees. Die Gags sind bei Wilder der Sprengstoff, um die ganz alten Bedeutungssysteme aufzubrechen. Sie sind als Karikatur das konzentrierte Filmbild, die Kinozeichnung, auf die das US-Kino der 1950er Jahre gerne zurückgriff. 1972 wirkte das bereits angestaubt, aber bei allen Längen entfaltet AVANTI! einen eigensinnigen Charme, der wohl auch daraus resultiert, dass wir kein Studio-Italien sehen, sondern gefilmtes Lokalkolorit – dazu atmet der Film etwas Post-68-Geist und wechselt reizvoll zwischen dialogischem und visuellem Erzählen.

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Der Filmclub 813 ist Gewinner des Lotte-Eisner-Preis 2017 des Kinematheksverbundes.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«

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