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Montag 23.9.2019 – 21:15 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: 17. Afrika Film Festival Köln
AU NOM DU CHRIST
CIV 1993 – OmeU – 85 Min. – 35mm
Regie Roger Gnoan M’Bala
Buch Jean-Marie Adiaffi, Bertin Akaffou, Roger Gnoan M’Bala
Kamera Mohammed Soudani – Musik Paul Wassaba
Mit Albert Ayatollah, Akissi Delta, Pierre Gondo, Naky Sy Savane

Ein Klassiker des afrikanischen Kinos über einen selbsternannten Wunderheiler, der sich als »Cousin von Christus« ausgibt und sich ans Kreuz schlagen lässt, um Anhänger zu gewinnen. M’Bala formulierte mit seinem spöttischen Meisterwerk eine frühe Kritik an der massiven Ausbreitung christlich-fundamentalistischer Sekten in Westafrika. Aber er verurteilte nicht nur das Auftreten evangelikaler Fanatiker, sondern auch die Bestrebungen von Vertretern der sogenannten Weltreligionen insgesamt, den Kontinent zu bekehren, als »zweite Eroberung Afrikas«.

M’Bala inszeniert die »spirituelle Kolonisierung« als grelle Masken- und Kostümshow und entlarvt christlichen Mummenschanz als absurdes Theater vor dörflicher Kulisse. Dafür erhielt er den Hauptreis des FESPACO 1993 und zahlreiche weitere Auszeichnungen, u. a. in Locarno, Mailand und Montréal.

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Mittwoch 25.9.2019 – 20 Uhr
Zum 80. Geburtstag von Francis Ford Coppola (* 7.4.1939)
COTTON CLUB
(THE COTTON CLUB)
USA 1984 – DF – 127 Min – 35mm
Regie Francis Ford Coppola
Buch William Kennedy, Francis Ford Coppola
Kamera Stephen Goldblatt – Musik John Barry
Mit Richard Gere, Gregory Hines, Diane Lane, Lonette McKee, Bob Hoskins, Nicolas Cage

Seinen Tribut zollt Coppola hier nicht nur dem legendären Harlemer Nachtclub, der in den 1920er- und 30er-Jahren der Hotspot für Jazz und ruchlose Mafiosi war, sondern auch den Gangster- und Musikfilmen jener Ära. Auch in diesem Fall war die Produktionsgeschichte des Films ebenso dramatisch und kompliziert, wie das Ergebnis unbedingter Ausdruck von Coppolas Vision ist.

»Es ist das Doppelgesicht des Nachtlebens – der schöne Schein, die mitreißende Musik, die berauschte Sinnenwelt der späten Zwanzigerjahre einerseits und Gewalt und Rassendiskriminierung andererseits -, was Coppola in seiner Geschichte aus der Zeit der Depression und der Prohibition fesselt: das Ambivalente, das Triviale, das Verborgene, das Irrlichternde eben. […] Nicht nur der souverän-spielerische Umgang mit den alten und nur vermeintlich verbrauchten Genre-Mustern macht COTTON CLUB zu einem Meilenstein des Unterhaltungsfilms, sondern vor allem auch seine außergewöhnliche handwerkliche Beherrschung, seine hohe Musikalität sowie seine dramaturgische und atmosphärische Stimmigkeit.«
(Hubert Haslberger, Filmdienst)

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Donnerstag 26.9.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Dušan Makavejev († 25.1.2019)
DIE BALLADE DER LUCY JORDAN
(MONTENEGRO)
SWE/GBR 1981 – DF – 93 Min. – 35mm
Regie Dušan Makavejev
Buch Donald Arthur, Dušan Makavejev, Branko Vucicevic
Kamera Tomislav Pinter – Musik Kornelije Kovac
Mit Susan Anspach, Erland Josephson, Bora Todorovic, Per Oscarsson

Der Film beginnt trügerisch, als ein mit allen Klischees ausstaffierter skandinavischer Kunstfilm, aber wenn er seinen Höhepunkt erreicht, dann kann er nicht weiter von der eingeschlagenen Richtung sich entfernt haben. Eine Amerikanerin in Schweden als frustrierte reiche Hausfrau, die sich nimmt, was ihr gefällt, und wo sie das findet, nach einem verpassten Flug und einer unglücklichen Zollkontrolle, das sind, so zeigt es der Film, zunehmend unzuverlässige Orte, die innerlich (psychologisch) oder äußerlich-physisch (die exotische Zanzi-Bar, ein Treffpunkt für jugoslawische Arbeiter*innen) motiviert sind. Ihr Leben dreht sich gehörig um.

MONTENEGRO ist in seiner Form nicht so extrem wie Makavejevs frühere Filme, bizarr ist er trotzdem. Er wird der einstigen Absichtserklärung des Produzenten mehr als gerecht: »hochwertige Komödie mit Anreizen für die Massenkultur inklusive maßvoller Erotik«. Was könnte man mehr erwarten von einem Film? Makavejev wird dem Kino fehlen, sein Umgang mit Sozialkritik und Erotik – beides entsteht bei ihm stets aus dem Situativen.

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Freitag 27.9.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert… die gnadenlose Welt des Italowestern:
Hollywoods Pistoleros unter der spanischen Sonne
DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO
(LE PISTOLE NON DISCUTONO)
ITA/ESP/BRD 1964 – DF – 93 Min. – 35mm
Regie Mario Caiano
Buch
Franco Castellano, Guiseppe Moccia
Kamera Julio Ortas – Musik Ennio Morricone
Mit Rod Cameron, Horst Frank, Vivi Bach, Hans Nielsen

Während Sheriff Pat Garrett seine Hochzeit feiert, findet ein blutrünstiger Banküberfall statt. Die Täter fliehen nach Mexiko, aber Garrett heftet sich an deren Fersen…

DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO entstand parallel und auch am gleichen Set wie FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR. Sergio Leone hatte dabei zwar das kleinere Budget zur Verfügung, dafür aber mehr Freiheiten, die er für seinen neu entwickelten Stil nutzte, der erst später zu seinem Markenzeichen wurde. DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO dagegen sollte für die Produzenten die sichere Bank sein, kopierte den amerikanischen Western und trumpfte mit Rod Cameron auf. In Deutschland wusste man mit Italowestern noch nichts anzufangen und vermarktete den Film in Folge der Karl-May-Filme lieber als »deutschen« Western.

DIE VERFLUCHTEN DER PAMPAS
(PAMPA SALVAJE)
ESP/ARG/USA 1967 – DF – 95 Min. – 35mm
Regie Hugo Fregonese
Buch Hugo Fregonese, John Melson
Literaturvolage Ulises Petit de Murat, Homero Manzi
Kamera Manuel Berenguer – Musik Waldo de los Ríos
Mit Robert Taylor, Ty Hardin, Ron Randell, Charles Fawcett

Um die Moral seiner in der tiefsten argentinischen Pampa stationierten Truppe zu retten, organisiert Captain Martin den Transport eines Frauentrecks. Er hofft, auf diese Weise die anhaltende Fahnenflucht einzudämmen. Unterwegs lauern jedoch einige Gefahren durch Indianer und Gesetzlose…

Wie seinen Klassiker OLD SHATTERHAND drehte Hugo Fregonese auch diesen episch angehauchten und wunderbar fotografierten Film auf 70mm-Material. In der Hauptrolle hat der frühere und durch einen walk of fame-Stern geehrte Hollywood-Star Robert Taylor einen seiner letzten Leinwandauftritte in einem Western.

Sonderveranstaltung: 8,13 € / 7,13 € / 6,13 € 

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Samstag 28.9.2019 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Peter Goedel
TALENTPROBE
BRD 1981 – 119 Min. – s/w – 35mm
Regie Peter Goedel
Buch Peter Goedel, Herbert Hoven
Kamera David Slama, Axel Brandt, Erich Krenek, René Perraudin
Mit Udo Werner

»Gut viertausend junge Leute haben sich im Tanzbrunnen des Kölner Rheinparks eingefunden, um einen Wettbewerb jugendlicher Amateur-Schlagersänger mitzuerleben und auch durch übermütige Missfallens-Kundgebungen mitzugestalten. Dabei hat gerade das Nichtkönnen der Kandidaten einen gewissen Reiz.«
(Peter Nau, Zeughauskino)

»Es ist, als würde man zuerst von den Arenaklängen auf den Stier blicken, und dann aus der Perspektive des Stiers auf die Toreros und die Massen in der Arena. Man wechselt die Seiten, man wechselt sich selbst aus. Es ist dieses erzählerische Raffinement des Dokumentarfilms TALENTPROBE, das ihn nicht nur zu einem der faszinierendsten dokumentarischen Beschreibungen eines Massenrituals, nicht nur zu einem ungemein spannenden Erzählstück machen […]; sondern TALENTPROBE wird selbst zu einem Trip, zu einer untergründigen, bestürzenden Selbsterfahrung.«
(Wolfram Schütte)

In Anwesenheit von Peter Goedel mit anschließendem Filmgespräch

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Sonntag 29.9.2019 – 19:15 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Peter Goedel
HINTER DEN ELBBRÜCKEN
BRD 1988 – 82 Min. – s/w – 35mm
Regie Peter Goedel
Buch Peter Goedel, Axel Brandt
Kamera
Axel Brandt

»HINTER DEN ELBBRÜCKEN zeigt eine Clique von Arbeitern, die in einem freundschaftlichen Geist, der im guten Sinne auch ›sozialistisch‹ genannt werden kann, zusammenhalten. Rudi, früher einmal Fernfahrer, versucht aus dem schweren Fuhrpark von Baufahrzeugen, wo er jetzt arbeitet, einen gewerkschaftlich organisierten Betrieb zu machen. Er hat sich für die Sesshaftigkeit entschieden und baut an einem Haus, für das er jeden Stein selbst gehauen hat. Seine Freunde Jens und Klaus Peter helfen ihm dabei. Auf hoher See verbringen sie eine Woche zusammen in einem kleinen Kutter. Sie angeln, trinken Bier, reflektieren ihr Leben, ihre Wünsche und Träume.

[…] In klarem Schwarzweiß und auf 35mm gedreht, ist HINTER DEN ELBBRÜCKEN aber auch das Zeugnis einer filmenden Sorgsamkeit: Mit schwerer Kamera begaben sich Goedel und sein Kameramann Axel Brandt mit der Männerclique auf hohe See, filmten die wild aufspritzende Gischt und konzentrierten sich auf die Gesichter der Menschen. […] HINTER DEN ELBBRÜCKEN ist ein Film, der sich anstemmt gegen den beginnenden Strom der Bilderflut, und der mit der Sorgfalt für das Bild und die porträtierten Menschen ein Kino der kinematographischen ›Würde‹ ist. – Und abgesehen davon: Nie hat man mit so einer Leichtigkeit mit überdimensionalen Schraubenziehern Bierflaschen öffnen sehen.«
(Dunja Bialas, artechock.de)

In Anwesenheit von Peter Goedel mit anschließendem Filmgespräch

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Der Filmclub 813 ist Gewinner des Lotte-Eisner-Preis 2017 des Kinematheksverbundes.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«

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Hinweis: Die Rechte des verwendeten Bildmaterials auf dieser Website liegen bei den Rechteinhabern bzw. sind in seiner Verwendung genehmigt. Sollte es Fälle geben, bei denen ein Rechteinhaber nicht ausfindig gemacht werden konnte, so bitten wir diesen, sich bei berechtigten Ansprüchen beim Filmclub 813 zu melden.

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