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Donnerstag 21.11.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
DAS MÄDCHEN MIT DEN GOLDENEN AUGEN
(LA FILLE AUX YEUX D’OR)
FRA/ITA 1961 – DF – 90 Min. – s/w – 35mm
Regie Jean-Gabriel Albicocco
Buch Pierre Pelegri, Philippe Dumarçay – Literaturvorlage Honoré de Balzac
Kamera Quinto Albicocco – Musik Narciso Yepes
Mit Marie Laforêt, Paul Guers, Françoise Prévost, Françoise Dorléac

Balzacs Novelle als ménage à trois im zeitgenössischen Pariser Modemillieu: Bisexuelles Begehren bringt dekadente Lusterfüllung in erlesen betörenden Schwarz-Weiß-Bildern aus der Fassung.

»Ein eigentümliches, manieristisches, schwüles Melodram, ein Film wie schweres Parfum.«
(Roland Hartig, Kinoptikum Landshut)

»Ein Film, der beweist, dass Realismus nicht die Realität ist, dass ein Großteil der uns gezeigten Filme, die auf einer flachen, eindimensionalen Realität bestehen, uns nicht bewegen. Wenn der Poet Einzug hält (und Albicocco, der Regisseur, ist gewiss ein Poet der Kamera), werden wir endlich in die Realität geführt. […] Durchgängig spielt die innere Fantasie eine so große Rolle wie das äußere Drama. Einer Geschichte solche emotionale Intensität einzuhauchen ist das, was den Film von anderen abhebt und ihn zu einer eindringlichen, bleibenden Erfahrung macht.«
(Anaïs Nin)

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Freitag 22.11.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert…die gnadenlose Welt des Italowestern:
Bud Spencer & Terence Hill-Special (Teil 3)

Am 29. März dieses Jahres feierte Terence Hill seinen 80. Geburtstag. Sein 2016 verstorbener Kumpel Bud Spencer wäre am 31. Oktober 90 Jahre alt geworden. Wir holen die beiden Helden noch einmal mit zwei Erstaufführungskopien auf die Kinoleinwand.

DJANGO UND DIE BANDE DER GEHENKTEN
(PREPARATI LA BARA!)
ITA 1968 – DF – 89 Min. – 35mm
Regie Ferdinando Baldi
Buch Ferdinando Baldi, Franco Rossetti
Kamera Enzo Barboni – Musik Gianfranco Reverberi
Mit Terence Hill, Horst Frank, George Eastman, Bruna Simionato

Django wird von seinem alten Kumpan David aufs Kreuz gelegt. Dabei stirbt seine Frau während eines Überfalls. Jahre später kehrt Django als Henker in die Gegend zurück und sinnt auf Rache…

Hier wird endlich mal die Frage beantwortet, wie weit man über Leichen gehen kann. Horst Frank schmiert sich als korrupter Politiker durch den Film, dass es eine Freude ist, George Eastman grinst sich seiner Einäscherung entgegen. Und Terence Hill bekam die Titelrolle, weil er einfach den Original-Django am besten imitieren konnte. Wortkarg und mit eiserner Miene bittet er mit dem schmissigen Titelthema ›Smile‹ zum Todestanz. Absagen werden nicht akzeptiert.

HALLELUJA, AMIGO
(SI PUÒ FARE…AMIGO )
ITA/ESP/FRA 1972 – DF – 104 Min. – 35mm
Regie Maurizio Lucidi
Buch Rafael Azcona
Kamera Aldo Tonti – Musik Luis Bacalov
Mit Bud Spencer, Jack Palance, Renato Cestiè, Francisco Rabal

Auf der Flucht vor dem brutalen Sonny trifft der Herumtreiber Hiram Coburn auf einen kleinen Jungen und dessen todkranken Onkel. Er verspricht, sich des Jungen anzunehmen. Gemeinsam erleben die beiden allerhand Abenteuer…

Nach DJANGO das Kontrastprogramm. Auf Furzer und sprechende Pferde müssen wir zwar verzichten, aber ein glänzend aufgelegter Bud Spencer sorgt für viel Witz und Situationskomik. Und seine Fäuste sprechen ja ohnehin eine Sprache, die keiner missversteht.

Sonderveranstaltung 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 23.11.201519:15 Uhr
Space Opera 5.0
GALAXY QUEST
(GALAXY QUEST – PLANLOS DURCHS WELTALL)
USA 1999 – OF – 102 Min. – 35mm
Regie Dean Parisot
Buch David Howard, Robert Gordon
Kamera Jerzy Zielinski – Musik David Newman
Mit Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman, Sam Rockwell

Die Schauspieler einer Science-Fiction-Fernsehserie namens »Galaxy Quest« werden von Außerirdischen entführt, damit sie diesen in einem intergalaktischen Krieg gegen die finsteren Reptiloiden beistehen. Die Außerirdischen sind fest davon überzeugt, dass diese Crew ihre einzige Hoffnung ist – über Jahrzehnte haben sie die »historischen Aufzeichnungen« der Galaxy Quest verfolgt und sogar das Raumschiff der Serie nachgebaut. Nun wartet es einsatzbereit auf die Fernsehhelden, die sich nun als wahre Helden beweisen müssen.

Gewiss eine Persiflage, die ihre genre-immanenten Tropen aber ernst genug nimmt, um als eigenständiger Science-Fiction-Film zu funktionieren – dazu trägt nicht zuletzt die großartige Besetzung bei.

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Sonntag 24.11.2019 – 19:15 Uhr
Women of the New York Underground
SLEEPWALK
USA/BRD 1986 – OmU – 78 Min. – 35mm
Regie Sara Driver
Buch Kathleen Brennan, Sara Driver, Lorenzo Mans
Kamera Jim Jarmusch, Frank Prinzi – Musik Phil Kline
Mit Suzanne Fletcher, Ann Magnuson, Dexter Lee, Stephen Chen, Tony Todd, Steve Buscemi

Als Nebentätigkeit zur täglichen Arbeit am Computer nimmt Nicole sich der Übersetzung eines antiken chinesischen Manuskripts an. Dieses scheint die Kraft zu besitzen, New York in ein mystisches, gelegentlich bedrohliches Wunderland zu verwandeln. Geschäftsmänner, die wie Hunde bellen, Maschinen, die ihren eigenen Willen besitzen, Haare, die plötzlich ausfallen und Finger, die verschwinden – sie alle sind Teil des tranceähnlichen Bilderflusses von Sara Driver, zentrale Figur einer Lower East Side-Künstlerszene, in der sie auch ihren Kameramann und Lebenspartner Jim Jarmusch kennenlernte.

»Driver lädt in ihr nächtliches Spukhaus ein und schließt die Tür fest hinter uns zu. Zuschauern, die sich auf das Wagnis einlassen, offeriert der Film ein einzigartiges Aufgebot des Aufregenden und Verwunschenen. Seine Bilder und Töne sind hinreißend – es gibt wohl kaum einen besser aussehenden und klingenden amerikanischen 35mm-Film des Jahres 1986 – und immens verführerisch.«
(Jonathan Rosenbaum, Chicago Reader)

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Mittwoch 27.11.2019 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
VIVA LA MUERTE – ES LEBE DER TOD
(VIVA LA MUERTE)
FRA/TUN 1971 – DF – 91 Min. – 35mm
Literaturvorlage, Buch und Regie Fernando Arrabal
Kamera Jean-Marc Ripert – Musik Jean-Yves Bosseur
Mit Anouk Ferjac, Núria Espert, Mahdi Chaouch, Ivan Henriques

»Fünfzig Jahre nach Buñuels L’AGE D’OR und UN CHIEN ANDALOU hat sein Landsmann Fernando Arrabal mit dem Film VIVA LA MUERTE wieder eine Kampfansage an sein Heimatland gerichtet und dabei seinen Vorgänger um einiges an Aufwand, Symbolik und surrealistischer Exzentrik übertroffen. Grundlage des Films ist Arrabals autobiographischer Roman ›Baal Babylon‹: Erinnerungen und Visionen einer Kindheit in Spanien, bestimmt durch Brutalität, Okkultismus, Bürgerkrieg, iberischen Katholizismus, verklemmte schwüle Sexualität, durch eine pathologische Mutterbindung und die Sehnsucht nach einem Vater, den er kaum kannte. […] Es ist ein Film der Abrechnung, der Wut, des Hasses, der Verzweiflung, des Schmerzes; voller Orgien der Geilheit und der Perversion, der Barbarei und der Blasphemie.«
(Wolf Donner, Die Zeit)

Einführung: Dr. Wolfgang Cziesla, Filmmuseum Düsseldorf

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Donnerstag 28.11.2019 – 20 Uhr
1979 – Revolution der Bilder

Dariush Mehrjui (*1939 in Teheran) kaufte als 12jähriger einen 35mm-Projektor, zwei Filmrollen und kassierte Eintritt. Mit zwanzig zog er in die USA, lernte bei Jean Renoir Film, wandte sich aber recht bald vom Studiosystem ab. Nach einem Abschluss in Philosophie kehrte er in den Iran zurück, wo er zunächst die James Bond-Parodie DIAMOND 33 (1966) drehte. THE COW (›Gaav‹) war sein künstlerischer Durchbruch und Initialzündung der iranischen Nouvelle Vague (›Mouje Nou‹). Der Rest ist Geschichte: heute zählt Mehrjui zu den produktivsten iranischen Autorenfilmern.

GAAV
(THE COW)
IRN 1969 – OmU – 104 Min. – digital
Buch und Regie Dariush Mehrjui
Literaturvorlage Gholam Hossein Saedi
Kamera Fereydon Ghovanlou – Musik Hormoz Farhat
Mit Ezatollah Entezami, Mahin Schahabi, Ali Nassirian

Mashdi Hassan liebt seine Kuh, die einzige im Dorf. Als sie stirbt, versuchen die Dörfler dies vor ihm zu verheimlichen und erzählen ihm, sie sei entflohen. Doch der Verlust seines Statussymbols stürzt ihn in eine Krise, die zunehmend pathologische Züge annimmt – bis Hassan selbst glaubt, eine Kuh zu sein und beginnt, Heu zu essen. Der Film des 29jährigen gilt als Wendepunkt des iranischen Kinos – eine Fundamentalkritik am Wirtschafts- und Feudalsystem unter dem Schah, umgesetzt mit ethnografischen Details und Mitteln des magischen Realismus. Obgleich staatlich gefördert, wurde THE COW wegen seiner Darstellung ländlichen Elends drastisch umgeschnitten und verboten. 1971 wurde er heimlich zu den Filmfestspielen von Venedig geschmuggelt, wo er den Kritikerpreis gewann. Die existentialistische, neorealistisch inszenierte Fabel über den Einzelnen und das Kollektiv entwickelte sich schnell zum Kultfilm und gilt als Meisterwerk des iranischen Kinos.

21:30 Uhr
HAYATE POSHTI MADRESEYE ADL-E-AFAGH
(THE SCHOOL WE WENT TO)
IRN 1980 – OmU – 95 Min. – digital
Regie Dariush Mehrjui
Buch Fereydoon Doustdar
Kamera Farrokh Majidi, Mehrdad Fakhimi
Mit Ali Nassirian, Ezzatolah Entezami, Amrollah Saberi

Eine Gruppe von Schülern versucht, ein Stück auf die Beine zu stellen, doch der neue Schuldirektor lehnt die Aufführung ab und bestraft den Spielleiter Kaveh. Die von Star-Regisseur Mehrjui inszenierte Rebellion einiger Gymnasiasten gegen die schulische Autorität wurde seinerzeit vielfach als Allegorie für die Revolution gedeutet. Der Film wurde von ›Kanoon‹, dem ›Institut für die intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen‹ gefördert, dessen Filmabteilung Abbas Kiarostami mitbegründet hatte.

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Freitag 29.11.201919:30 Uhr
Asleep in the cinema
SOMNILOQUIES
FRA 2017 – OmeU – 74 Min. – digital
Regie Lucien Castaing-Taylor, Verena Paravel

»Der Songwriter Dion McGregor wurde in den 1960er Jahren vor allem dadurch bekannt, dass er seine Träume im Schlaf erzählte. Sein Mitbewohner nahm sie auf. Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel überwinden mit ihrem neuen Film SOMNILOQUIES die Grenzen zwischen innerer Traumlandschaft und menschlichem Körper. Zu Beginn sind fließende Formen zu sehen, ein undefinierbares sanftes Geräusch im Hintergrund. McGregors Stimme tritt daraus hervor und lädt uns ein: ›I have expected you, come-on in, I said I would grant an interview.‹ Je mehr wir ihm zuhören und in seine Traumwelt eindringen, desto deutlicher werden die Konturen schlafender Körper, die sich immer wieder aufzulösen scheinen. Der Träumende spricht mit Personen, die seinen Körper aufsägen, Organe entnehmen, ihn wieder zunähen. Während wir erfahren, wie sehr ihn die Stiche schmerzen, kämpfen wir mit der Frage, wie weit wir der Kamera folgen wollen, die die Körper mal zärtlich abtastet und dann fast brutal mit Röntgenblick in sie einzudringen versucht. Noch rechtzeitig hören wir seine Stimme: ›Let’s go to future land […] it’s shining near the corner.‹ Im Kino schlafen heißt in diesem Fall, es bis ins Äußerste zu durchdringen.«
(Stefanie Schulte Strathaus, Arsenal Berlin)

In Kooperation mit dem Institut für Kunst und Kunsttheorie, Universität zu Köln

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Samstag 30.11.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
EIN SÜSSER FRATZ
(FUNNY FACE)
USA 1957 – DF – 103 Min. – 35mm
Regie Stanley Donen
Buch Leonard Gershe
Kamera Ray June – Musik George Gershwin, Adolph Deutsch
Mit Audrey Hepburn, Fred Astaire, Kay Thompson, Michel Auclair

Das Aschenputtel Audrey Hepburn will eigentlich nur Bücher lesen und philosophische Gespräche führen. Doch der Modefotograf Fred Astaire sieht in ihr ein Topmodel und baut sie gegen ihren Willen zum Star auf. Denn gegen die geballte Ladung von bonbonfarbenen Kleidern, Paris im Frühling und schwungvoll gesungenen Liebeserklärungen ist jede Frau machtlos. S’Wonderful!

Dass der onkelige Astaire sich in die die 30 Jahre jüngere Hepburn verliebt und seinen zweiten Frühling erlebt, ist nur zu verständlich. Aber er legt immer noch eine heiße Sohle aufs Parkett, als ob er keine Gelenke hätte. Und Audrey? Die freute sich wie Bolle auf die Dreharbeiten, und dann setzte der Dauerregen in Paris ein. »20 Jahre habe ich darauf gewartet, mit Fred Astaire zu tanzen, und was kriege ich jetzt? Sumpf!«

Aber natürlich wurde alles gut. Und EIN SÜSSER FRATZ trumpft mit Charme, Witz und Tanznummern, bei denen die Kinnlade runterfällt, auf. Vor allem bei Audrey Hepburns komplett absurdem Auftritt in einem Existenzialisten-Jazzclub. Und dann diese Farben. Think Pink!

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Sonntag 1.12.2019 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Karel Gott († 1.10.2019)
EIN STERN STEIGT AUF
(HVĚZDA PADÁ VZHŮRU)
TCH 1975 – DF – 115 Min. – 35mm
Regie Ladislav Rychman
Buch Václav Nývlt, Ladislav Rychman, Jiří Štaidl
Literaturvorlage Josef Kajetán Tyl
Kamera Jan Kališ – Musik Ladislav Štaidl
Mit Karel Gott, Jitka Molavcová, Josef Somr, Jiří Sovák

Die ersehnte große Charakterrolle, die ihn international auch als Schauspieler bekannt machen würde, wurde ihm nie zuteil. Dennoch war Karel Gott auch im Film ein gern gesehener Gast. In dieser Modernisierung der klassischen Geschichte vom Dudelsackspieler von Strakonice spielt er zum einzigen Mal die Hauptfigur, einen Waisenknaben, den drei Feen mit einem begnadeten
Gesangstalent segnen, durch das er selbst im Westen zum Star wird – was ihn jedoch von seiner Heimat und seiner Geliebten zu entfremden droht.

Eine bezeichnende Rolle für Gott: Anfang der 1970er wäre er fast einmal dauerhaft in der BRD
geblieben, die hier entsprechend als dämonisch-barocker Sündenpfuhl gezeichnet wird. Damit ist der Film ein typisches Produkt der antireformistischen Normalisierungsperiode, veredelt jedoch durch die ungebremst kreative Inszenierungskunst von Musical-Meister Ladislav Rychman und geadelt durch den in jeder musikalischen Gattung brillierenden Tenor Karel Gotts.

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Mittwoch 4.12.2019 – 20 Uhr
Vorboten des Winters
DANCE OF THE VAMPIRES
(TANZ DER VAMPIRE)
GBR 1967 – OF – 106 Min. – 35mm
Regie Roman Polanski
Buch Roman Polanski, Gérard Brach
Kamera
Douglas Slocombe – Musik Krzysztof Komeda
Mit Jack MacGowran, Roman Polanski, Sharon Tate, Ferdy Mayne

Professor Abronsius reist in die Karpaten, um dort den Beweis für seine kühne Theorie zu finden, dass es Vampire gibt. Halb erfroren finden er und sein Helfer Alfred in einem Gasthof Unterschlupf, und während sich der Professor über die allgegenwärtigen Knoblauchgirlanden wundert, hat Alfred nur Augen für die schöne Wirtstochter Sara. Doch die wird vor seinen Augen von Graf Krolok entführt. Und der Graf ist ein…sagen wir, Nachtmensch.

TANZ DER VAMPIRE ist nicht einfach nur eine liebevolle Parodie voll entlarvender Umkehrungen von Genrekonventionen, sondern gerade in seiner respektvollen Übertreibung vielleicht der schönste aller Vampirfilme. Die schneebedeckten Dolomiten stellen die verwunschenen Karpaten dar, aber begleitet von der schwebend klagenden Musik von Krysztof Komeda tun sie das viel imposanter, als es die Karpaten je könnten. Der komplett durchästhetisierte Abschlussball ertrinkt sogar mit seinen prächtigen Kostümen und barocken Farben geradezu in Schönheit.

Nebenbei findet Polanski aber immer noch Platz für seine geradezu kindische Freude an
schrulligen Charakteren in skurrilen Situationen. So redet sich Professor Abronsius – der Albert Einstein aus dem Gesicht geschnitten scheint – zwar um Kopf und Kragen, entwickelt in seinem Redeschwall aber zufällig die Grundzüge der Radartechnik.

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Donnerstag 5.12.2019 – 20 Uhr
Vorboten des Winters
EIN EINFACHER PLAN
(A SIMPLE PLAN)
USA/D/GBR/FRA/JAP 1998 – DF – 120 Min. – 35mm
Regie Sam Raimi
Buch & Literaturvorlage Scott B. Smith
Kamera Alar Kivilo – Musik Danny Elfman
Mit Bill Paxton, Billy Bob Thornton, Brent Briscoe, Bridget Fonda

Nahe einer kleinen Stadt in Minnesota finden drei Freunde bei einem abgestürzten Flugzeug im Schnee neben einer Leiche vier Millionen Dollar. Sie betrachten das Geld als Geschenk des
Himmels. Eifersucht, Paranoia und Dummheit tun das Übrige.

Eine schwarze Komödie, in der Folge von FARGO entstanden. Raimi spielt gekonnt mit dem
Kontrast von visuellen Elementen und psychologischen Abgründen. Amerikanischer Horror,
Kreislauf des Geldes und der Gewalt.

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Samstag 7.12.2019 – 20 Uhr
Hommage Robert Hossein
DIE LEGION DER VERDAMMTEN
(LES MISÉRABLES)
FRA/ITA 1982 – DF – 187 Min. – 35mm
Regie Robert Hossein
Buch Alain Decaux, Robert Hossein
Literaturvorlage Victor Hugo
Kamera Edmond Richard – Musik Michel Magne, André Hossein
Mit Lino Ventura, Jean Carmet, Michel Bouquet, Evelyne Bouix, Candice Patou

Robert Hossein als Regisseur ist hier das Chamäleon hinter der berühmten Geschichte eines langjährigen Häftlings, der trotz ständiger Verfolgung eine innere Läuterung erfährt und seine Umwelt durch Güte und Opferwillen beschämt.

Auch eine Weihnachtsgeschichte in gewisser Weise. Und eine sorgfältige Verfilmung von Victor Hugos Roman. Lino Ventura als Jean Valjean tritt in die Fußstapfen von Harry Baur und Jean Gabin.

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Mittwoch 11.12.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Werner Dütsch († 5.12.2018) 

In diesem Dezember jährt sich zum ersten Mal der Todestag der Kölner Fernseh- und Filmkultur-Koryphäe Werner Dütsch. Aus diesem Anlass widmen wir ihm zwei Abende, zunächst mit einem exemplarischen der vielen außergewöhnlichen Dokumentarfilme, die Dütsch als WDR-Redakteur betreut hat.

HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN?
D 2004 – 73 Min. – 35mm
Kamera, Buch und Regie Gerhard Benedikt Friedl

»[Ein] Film, der sich auf brillante und neuartige Weise mit den undurchsichtigen Verknüpfungen der Wirtschaftswelt auseinandersetzt – und angesichts der ökonomischen Krise seither noch
aktueller geworden ist. […] Bestechend tiefenscharfe, exakt komponierte Bilder zeigen
Finanzzentren, Produktionsstätten oder Landschaften. Auf der Tonspur wird in täuschend
objektivem Tonfall ein Text vorgetragen, der labyrinthische Genealogien und verbrecherische
Verstrickungen deutscher Dynastien auf faszinierend-ironische Weise verzahnt. […] Friedls Film ist ein virtuoses Vexierspiel, das nicht zuletzt die Unzulänglichkeiten der Darstellung sozialer und ökonomischer Zusammenhänge schmerzlich klarmacht.«
(Christoph Huber, Die Presse)

»2004 gemeinsame Sichtungen am Monitor. […] Zu sehen ist, wie die Dreharbeiten den Bildern eine Autonomie eingeschrieben haben, die sie ganz untauglich machen zur Illustration. Sie lassen sich nicht als die Sklaven des Textes behandeln. Das geht so weit, dass schnell Einigkeit darüber besteht, einige Passagen mit ›zu viel‹ Synchronizität von Bild und Ton wieder zu entzerren. Friedl: ›Der formale Einsatz: Bild und Wort verfehlen einander.‹ Aber jeder neue Schnitt, jeder verschobene Text verändert sicht- und hörbar die Bedeutungsfelder. So eröffnen sich erschreckend viele Möglichkeiten, die Friedl mit unerbittlicher Unzufriedenheit durchdeklinieren wird.«
(Werner Dütsch)

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Donnerstag 12.12.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Werner Dütsch († 5.12.2018)

Auch an Werner Dütschs unbändige Cinephilie wollen wir erinnern, und daran, wie er sie
vermittelte: Zu seiner Faszination für Filme wie die Samuel Fullers gehörte es immer auch, sie im Fernsehen zugänglich zu machen und dort über sie zu sprechen.

VIERZIG GEWEHRE
(FORTY GUNS)
USA 1957 – DF – 79 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Samuel Fuller
Kamera Joseph F. Biroc – Musik Harry Sukman
Mit Barbara Stanwyck, Barry Sullivan, Dean Jagger

Fuller liebt es, maßlos zu übertreiben, zu karikieren, mit dicken Strichen alle Linien nachzuziehen. Er filmt ohne Deckung. Nur so erklärt sich, wie bei aller Effektsucht und Künstlichkeit von Bildern und Texten diese Direktheit entsteht. Seine Filme lesen sich wie eine Zeitung, die Bilder sind Klischeesprache.

Mit dem Western macht er hier fertig. Wenn der Film vorbei ist, ist er nur noch eine gebeutelte,
erschöpfte Form. Die Kataklysmen, die losbrechen, sind reinigende Strafen für Vergehen, die ein ganzes Land begangen hat. Um den Verfall amerikanischer Werte vorzuführen, fällt ihm nichts Eindringlicheres ein als eine Inversion der üblichen Machtstruktur. Es ist eine Frau, die die Gesetze beugt, die das Land beherrscht, ganz Arizona, ein wüstes Land.

Im Vorprogramm:
Werner Dütsch über »Forty Guns«
BRD 1984 – 12 Min. – digital
Regie Werner Dütsch

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Freitag 13.12.2019 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Neues Kölner Filmhaus e. V.
Domstadt Doks   

FOLLOW ME
D 2019 – 4 Min. – digital
Regie Anja vom Lande

Found footage zu den Vorbereitungen des »Chinese Fest« am Roncalliplatz.

DER SCHATZ IN DER WIEHLER STRASSE
D 2019 – 28 Min. – digital
Regie Bruno Neurath-Wilson

Eine dokumentarische Collage zur Entstehungsgeschichte der Bilz-Stiftung. Die Stiftung fördert seit 20 Jahren Kölner Initiativen, die sich für politisch verfolgte Menschen, gegen Rassismus und die Diskriminierung von Minderheiten engagieren.

KÖLNER GRUNDGESETZ
D 2019 – 17 Min. – digital
Regie Petra Hammer

Auf der Suche nach christlichen Werten in den Kölner Grundgesetzen. 

KÖLN – NEW YORK IN GERMANY
D 2019 – 18 Min. – digital
Regie Ruža Curic

Impressionen der Stadt Köln, in Bezug gesetzt zur Stadt New York. 

EVERYBODY’S DADA
D 2019 – 14 Min. – digital
Regie Wilda WahnWitz

Eine Performance-Session des schottischen Gitarristen und Sängers Matthew Dickson. Die
Originalsession am Aachener Weiher, an der markanten Bronze von Lajos Barta, bezieht das Denkmal tatkräftig mit ein und wurde nachträglich durch Videodubbing und Upspeeding
verfremdet, um Performance und Ort magisch aufzuladen und den Zauber zu verstärken, den der im Sommer stark frequentierte Weiher und seine Wiesen haben können.

EVA – A CRISPR STORY
D 2018 – 26 Min. – digital
Regie Puneet Bharill

Die Forschung von Puneet und Isabel hat einen klinischen Meilenstein erreicht, indem sie die CRISPR-Technologie einsetzt, um eine gentechnisch veränderte Schweineleber in einen
Menschen zu transplantieren. Sie werden mit unvorhergesehenen Folgen konfrontiert.

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Samstag 14.12.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert…die gnadenlose Welt des Italowestern: Jonny und das Beil des Todes 

Kurz vor dem Fest der Liebe entführen wir euch noch einmal in die gnadenlose Welt der Spaghetti-Western. Unter den Tannenbaum legen wir einen rachedurstigen Mexikaner und eine Wurfaxt. Und stoßen mit einem Whiskey darauf an. 

JONNY MADOC
(DUE ONCE DI PIOMBO)
ITA 1966 – DF – 83 Min. – 35mm
Regie Maurizio Lucidi
Buch Adriano Bolzoni
Kamera Franco Villa – Musik Lallo Gori
Mit Robert Woods, Peter Carsten, Pier Paolo Capponi, Peter Martel, George Eastman

In dem kleinen Nest Houston (!) sterben die Sheriffs wie die Fliegen. Eines Tages taucht ein
Mexikaner auf. Der heißt zwar Martinez, hört aber in der deutschen Synchro lieber auf Jonny Madoc. Und er hat eine Rechnung mit dem Tyrannen Joe Kline offen. So etwas geht selten
friedlich aus. Erst recht nicht einem gottverlassenen Drecksloch, in dem offensichtlich nur ein paar karg bezahlte Statisten leben, die am liebsten ihre Fenster verrammeln.

Das geringe Budget knarzt an allen Ecken und Ende. Aber genau dadurch bekommt JONNY MADOC eine alptraumhafte Atmosphäre, die durch die einfallsreiche Farb- und Lichtspiele gekonnt ausgereizt wird und einem Horrorfilm nahekommt. Da wundert man sich nicht, wenn eine Leiche im verlassenen Salon baumelt, mit Münzen in seinen Augen. Dem kauzigen Totengräber macht das natürlich Freude. Uns auch.

MANNAJA – DAS BEIL DES TODES
(MANNAJA)
ITA 1977 – DF – 95 Min. – 35mm
Regie Sergio Martino
Buch Sergio Martino, Sauro Scavolini
Kamera Federico Zanni – Musik Guido & Maurizio de Angelis
Mit Maurizio Merli, John Steiner, Sonja Jeannine, Philippe Leroy, Rik Battaglia

Der Kopfgeldjäger Mannaja kommt nach Suttonville, um dort ein Kopfgeld zu kassieren. Nur gibt es hier niemanden mehr, der ein Kopfgeld auszahlen könnte. Das Kaff wird von einem
Silberminenbesitzer und seiner rechten Hand regiert. Schon bei seiner Ankunft kommt es zur
Konfrontation. Doch Mannaja lässt sich darauf ein, denn er hat noch weitere Pläne. Und dazu braucht er seine Wurfaxt.

Ein Jahr nach dem Schwanengesang KEOMA wandelt MANNAJA noch einmal optisch und
akustisch auf den Spuren des Kultfilms. In der gezeigten Endzeitstimmung ist kein Platz mehr für Westernromantik. Hier wird öffentlich ausgepeitscht und gefoltert. Nur der Nebel legt sich
barmherzig darüber. 

Sonderveranstaltung: 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Sonntag 15.12.201920 Uhr (Umtrunk ab 19 Uhr!)
813-Weihnachtsfilm
FRÖHLICHE WEIHNACHTEN
(A CHRISTMAS STORY)
USA 1983 – DF – 93 Min. – 35mm
Regie Bob Clark
Buch Jean Shepherd, Leigh Brown, Bob Clark
Literaturvorlage Jean Shepherd
Kamera Reginald H. Morris – Musik Paul Zaza, Carl Zittrer
Mit Peter Billingsley, Melinda Dillon, Darren McGavin, Ian Petrella

Um 1940 in einer amerikanischen Kleinstadt. Ralphie ist noch nicht mal zehn und wünscht sich nichts sehnlicher zu Weihnachten als ein Luftdruckgewehr. Die Mutter meint, das sei zu gefährlich, die anderen Erwachsenen haben ganz andere Sorgen. Ralphie will es selbst in die Hand nehmen.

Kaum eine Geschichte, das Situative überwiegt. Oft nostalgisch, dann wieder trocken-ironisch erzählt – der Film wechselt oft ganz beiläufig seine Tonfarbe. Die Welt der Kinder und jene der Erwachsenen: da tun sich Gräben auf. An Weihnachten und in diesem Film darf alles zusammenkommen.

FRÖHLICHE WEIHNACHTEN genießt Kultstatus in den USA. Man sagt, es gebe dort einen TV-Sender, der den Film über Weihnachten in der Endlosschleife zeigt. Bob Clark zeichnet als Regisseur auch für den ganz anders gearteten BLACK CHRISTMAS (1974) verantwortlich.

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Mittwoch 18.12.2019 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813
JORDANIEN – LAND DER GEFLÜCHTETEN
D 2019 – 67 Min. – digital
Regie Philipp Lippert & Olivia Samnick 

Jordanien – das Land im Nahen Osten gehört zu den Staaten, die weltweit am meisten Geflüchtete aufgenommen haben. Fast jeder dritte Einwohner Jordaniens ist ein Geflüchteter – nur scheint das in Deutschland kaum jemand zu wissen. In den Medien wird wenig darüber berichtet.

Statt als Außenstehende die Situation in Jordanien darzustellen, erzählen die Betroffenen selbst über ihr Leben. Der Film begleitet fünf Geflüchtete aus verschiedenen Ländern und wie sie selbst anderen helfen.

Im Anschluss Diskussion und Umtrunk

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung

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Der Filmclub 813 ist Gewinner des Lotte-Eisner-Preis 2017 des Kinematheksverbundes.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«

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Hinweis: Die Rechte des verwendeten Bildmaterials auf dieser Website liegen bei den Rechteinhabern bzw. sind in seiner Verwendung genehmigt. Sollte es Fälle geben, bei denen ein Rechteinhaber nicht ausfindig gemacht werden konnte, so bitten wir diesen, sich bei berechtigten Ansprüchen beim Filmclub 813 zu melden.

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