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Mittwoch 13.11.201919:15 Uhr
Zum Kinostart
DIE KINDER DER TOTEN
A 2019 – 92 Min. – digital
Kamera & Regie Kelly Cooper, Pavol Liška
Literaturvorlage Elfriede Jelinek
Musik Wolfgang Mitterer, Matz Müller
Mit Andrea Maier, Greta Kostka, Klaus Unterrieder

»Elfriede Jelineks monumentaler, nach ihrer eigenen Aussage wichtigster Roman, DIE KINDER DER TOTEN als Vorlage für eine freie filmische Adaption an den Originalschauplätzen rund um die Kindheitsorte der Nobelpreisträgerin. Ein Super 8-Ferienfilm aus der Obersteiermark verwandelt sich schleichend in eine Auferstehung ›untoter‹ Gespenster. Die Frage nach der (Un-)Möglichkeit einer adäquaten Aufarbeitung aufgehäufter Schuld durchzieht all jene Terrains – Natur, Kultur, Gesellschaft, Geschichte –, die in der Gegenwart immer noch nationale Identität stiften.«
(Ulrich Seidl Filmproduktion)

Im Anschluss
DIE UNTOTEN VON NEUBERG
A 2018 – 57 Min. – digital
Regie Ulrich A. Reiterer
Kamera Ulrich A. Reiterer, Stephan Bergmann, Fabian Czernovksy, Nora Jacobs, Julian Stampfer

»[…] ein bejubeltes Making-of [der] Dreharbeiten, das die von Großstädtern so oft als dumpfbackig gewähnte Provinz in lebendigem gemeinschaftlich ausagiertem Übermut strahlen [lässt].«
(Silvia Hallensleben, epd Film)

DIE STEIERMARK HASSE ICH AM ALLERWENIGSTEN. GESPRÄCH MIT ELFRIEDE JELINEK
A 2018 – 44 Min. – digital
Regie Veronica Kaup-Hasler, Claus Philipp, Ulrich A. Reiterer
Kamera Ulrich A. Reiterer

»Gleich nochmal Jelinek. Es ist einfach so toll, ihr zuzuhören. Dazu hatte man, seit ihr im Jahr 2004 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, kaum Gelegenheit: Interviews hat sie keine mehr gegeben. ›Das ist ja auch keins‹, sagt sie zur herbst-Intendantin Veronica Kaup-Hasler.«
(Maria Motter, FM4)

In Anwesenheit von Kelly Cooper, mit anschließendem Filmgespräch

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Donnerstag 14.11.2019 – 20 Uhr
Women of the New York Underground
VARIETY
USA 1983 – OmU – 100 Min. – 16mm
Regie Bette Gordon
Buch Kathy Acker, Bette Gordon
Kamera Tom DiCillo, John Foster – Musik John Lurie
Mit Sandy McLeod, Will Patton, Richard M. Davidson, Luis Guzmán, Nan Goldin

Aus Geldnot nimmt Christine einen Job als Kartenverkäuferin in einem Pornokino an. Schnell entwickelt sie eine wagemutige Faszination für ihre Arbeit und auch für ihre Kunden. Ebenso theoretisch anregend wie sinnlich betörend lenkt Bette Gordon die Blickrichtungen traditioneller Formen des Kinos um.

»Schönste Momente des US-Kinos der 1980er Jahre finden sich an seinen Rändern: […] Mit großartigen NYC-Ansichten von Pornokinos rund um den Times Square, von Fischmärkten, Bars und Straßenzügen. VARIETY archiviert nicht nur Frisuren, Mode und Musik der New Yorker Kulturszene, er ist vor allem ein Film über weibliche Selbstermächtigung, über Spioniertrips und sexuelle Fantasien einer Frau, die in einem Pornokino Tickets verkauft. Sexszenen werden weniger visuell als akustisch-sprachlich präsentiert – erzählt mit einer atemberaubenden Offenheit und in einer poetischen Sprache.«
(Friederike Horstmann, critic.de)

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Freitag 15.11.2019 – 19:30 Uhr
KFFK / Kurzfilmfestival Köln N°13
Kölner Fenster

Block 1:

ONIRONAUTA
D/CUB 2019 – 21 Min.
Regie Valerie-Malin Schmid

Das Gesicht des afrokubanischen Dichters Omar ist ein Spiegel der Menschheit. An seinem Gehstock durch Havanna wandernd, erinnert er sich in seinen Gedichten an Abschiede, verlorene Lieben, Patriotismus und staatliche Zensur. Gemeinsam mit den beobachtenden 16mm-Bildern des kubanischen Alltags führt uns Omars mystische Poesie in eine Dimension, in der Vergangenheit, Gegenwart und Traum sich zu einer immersiven Reise verweben.

ARMED LULLABY
D 2019 – 9 Min.
Regie Miriam Yana Ugrekhelidze

Um einem Massaker zu entgehen, verlassen vier Kinder auf unterschiedlichen Wegen ihre Heimatstadt – im letzten Zug, auf dem letzten Schiff, im letzten Flieger und zu Fuß über die schneebedeckten Berge. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten des Abchasischen Kriegs, 1992 bis 1993. Georgische Zivilisten mussten ihre Häuser verlassen auf der Flucht vor ethnischen Säuberungen durch abchasische und russische Truppen.

MIDAS ODER DIE SCHWARZE LEINWAND
D 2019 – 15 Min.
Regie Hannah Dörr

Richard Green, Vorstand einer Investmentgesellschaft, wird mit folgendem Vorschlag seines Aufsichtsrats konfrontiert: Um die Firma von zwielichtigen Affären reinzuwaschen, soll er durch einen inszenierten Selbstmord sterben. Er sucht Hilfe, doch Freunde und Familie wenden sich von ihm ab. Green entscheidet sich für den Freitod – und zögert im letzten Moment. Nach dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Dürrenmatt.

COMA A-TRAIN
D 2019 – 4 Min.
Regie Tilman Singer

 

Block 2:

STELLA
D 2019 – 7 Min.
Regie Jonathan Schaller

Stella ist von Zuhause abgehauen und lebt mit ihrem Bruder zusammen in dessen verrümpelter Wohnung. Als plötzlich die Mutter vor der Tür steht und ihre Tochter zurückhaben will, muss sich Stella zwischen der Liebe zu ihrer Mutter und der zu ihrem Bruder entscheiden.

FAXEN
D 2018 – 8 Min.
Regie Lisa Domin

Die Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen hat eine einzigartige Architektur, anders als typische Panoptikums: Die Männer- und Frauenabteilungen liegen gegenüber voneinander, nur getrennt durch einen großen Sportplatz. Die Insassen haben sich eine Form der Kommunikation ausgedacht; sie nennen es «Faxen». Einige «faxen» einander schon seit Jahren, ohne auch nur das Gesicht der anderen zu kennen. Liebesgeschichten. Oder nur Zeit totschlagen. Die Insassin Vanessa zeigt, wie es funktioniert.

DESPAIR
D/NED 2018 – 22 Min.
Regie Benjamin Ramírez Pérez

Ausgehend von Rainer Werner Fassbinders gleichnamigem Film aus dem Jahr 1977 werden Filme nachgestellt und als assoziative Collagen zu einem Experimentalfilm geschichtet. Der Film schöpft aus verschiedenen, sich ergänzenden Quellen, schweift aber auch immer wieder ab. So verhandelt er das Thema des Doubles: Fragen nach Identität und Identifikation werden gestellt. Parallel wird dem Erbe des Deutschen Herbstes nachgegangen.

BIENVILLE PARISH
D 2019 – 13 Min.
Regie Arthur Brux

Frida und Lea sind seit vier Jahren ein Paar, aber ihre Beziehung steckt in der Krise. Um die Kurve zu kriegen, beschließen sie zu spielen, wie damals, als alles noch gut war: Frida wird Bonnie, Lea wird Clyde. Schließlich müssen sie realisieren, dass es für Bonnie und Clyde kein Happy End geben kann.

PLAY ME THAT SILICON WALTZ AGAIN
D 2019 – 4 Min.
Regie Rainer Knepperges

Eine elektronisch generierte Fragestellung wird mit dem Schwung selbstverordneter Trance in einen Zusammenhang gestellt. Ein Softexperimentalfilm.

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Samstag 16.11.201919:15 Uhr
Zum 80. Geburtstag von Rudolf Thome (* 14.11.1939)
BERLIN CHAMISSOPLATZ
BRD 1980 – 112 Min. – 35mm
Regie Rudolf Thome
Buch Jochen Brunow, Rudolf Thome
Kamera Martin Schäfer – Musik Ohppst, Evi und die Evidrins
Mit Hanns Zischler, Sabine Bach, Wolfgang Kinder, Gisela Freudenberg

Rudolf Thome inszeniert die Liebesgeschichte zwischen einer Studentin und einem Architekten vor dem Hintergrund des Widerstands gegen die Stadtsanierung im verregneten Kreuzberger Sommer des Jahres 1980. Vieles wirkt beiläufig, nichts übermäßig geordnet an diesem Film, der dabei doch so reich an besonderen Momenten ist. Hanns Zischler schläft im Auto. Hanns Zischler spielt Klavier, Sabine Bach hört zu. Irgendwann sehen sie Rivettes CÉLINE ET JULIE VONT EN BATEAU im Kino. Sie weint, er schläft. Am Ende siegt die Realität über die Utopie.

»BERLIN CHAMISSOPLATZ ist ein Film von zarter Radikalität. Er wendet sich ab von den Konventionen des Bedeutsamen. Er erzählt eine Geschichte, die man unzumutbar banal finden kann, aber er bewahrt in seinen Formen eine allseitige Sehnsucht, über die nur lächeln kann, wer sich schon aufgegeben hat.«
(Hans-Christoph Blumenberg, Die Zeit)

Im Vorprogramm:
HAST DU LUST, MIT MIR EINEN KAFFEE ZU TRINKEN?
BRD 1981 – 11 Min. – 35mm
Buch & Regie Rudolf Thome
Kamera Martin Schäfer
Mit Hanns Zischler, Inge Blau, Petra Seeger, Rudolf Thome

»Da habe ich mir einen Kinotraum erfüllt: CinemaScope, Farbe + Originalton.«
(Rudolf Thome)

FILM IS A BATTLEGROUND – RUDOLF THOME DREHT ZWEI FILME
D 1998 – 45 Min. – digital
Regie Petra Seeger

»Anders als in den üblichen Drehberichten versucht Seeger den Alltag einer Spielfilmproduktion einzufangen. Nicht die großen Absichtserklärungen des Regisseurs interessieren sie: hautnah tauchen wir ein in den Alltag eines künstlerischen Prozesses.«
(Arsenal Berlin)

In Anwesenheit von Petra Seeger

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Sonntag 17.11.2019 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Doris Day († 13.5.2019)
LOVE ME OR LEAVE ME
(NACHTCLUB-AFFAIREN / TYRANNISCHE LIEBE)
USA 1955 – OF – 122 Min. – 35mm
Regie Charles Vidor
Buch Daniel Fuchs, Isobel Lennart
Kamera Arthur E. Arling – Musik George Stoll
Mit Doris Day, James Cagney, Cameron Mitchell, Robert Keith, Tom Tully

Die Schlagersängerin Ruth Etting (Doris Day) lernt in den 20er Jahren den Mafia-Gangster Marty Snyder (James Cagney) kennen. Er wird ihr Manager und später auch ihr Ehemann, doch während ihre Karriere steil nach oben geht, wird Snyder immer eifersüchtiger und gewalttätiger.

Eine kontrastreiche Mischung aus Musical und Drama. In tollen Kostümen und Sets werden die Songs der 20er und 30er Jahre wieder lebendig und dazu in Cinemascope breit aufgefächert. Doris Day war bereits als Sängerin ein Star, bevor sie auch als Schauspielerin ihren endgültigen Durchbruch mit diesem Film schaffte. Und obwohl sie weder die erste Wahl war noch so aussieht oder singt wie Ruth Etting, kann man sich kaum eine einfühlsamere Interpretation vorstellen. Die Songs verlangen ihr alles ab, und sie selbst hielt die Leistung für die beste ihrer Karriere.

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Mittwoch 20.11.2019 – 20 Uhr
Women of the New York Underground
BORN IN FLAMES
(IN FLAMMEN GEBOREN)
USA 1983 – OmU – 79 Min. – 16mm
Buch & Regie Lizzie Borden
Kamera Ed Bowes, Al Santana – Musik Ibis, The Red Crayola, The Bloods
Mit Honey, Adele Bertei, Jeanne Satterfield, Florynce Kennedy, Kathryn Bigelow

Zehn Jahre nach der sozialdemokratischen Revolution herrschen vermeintlich gleiche Rechte für alle, doch Sexismus und Rassismus florieren weiterhin. Die Moderatorinnen zweier New Yorker Piraten-Radiosender nehmen sich der Probleme an und kreieren so Keimzellen wachsenden weiblichen Widerstands.

»Über vier Jahre hinweg drehte Lizzie Borden dieses spottbillige, hochenergetische, fantasievolle Stück Science-Fiction-Agitation im Dokumentarstil, ohne sich um Kontinuität zu kümmern […]: ein Underground-Meilenstein, ungebremst kühn, satirisch und zornig.«
(Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum)

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Donnerstag 21.11.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
DAS MÄDCHEN MIT DEN GOLDENEN AUGEN
(LA FILLE AUX YEUX D’OR)
FRA/ITA 1961 – DF – 90 Min. – s/w – 35mm
Regie Jean-Gabriel Albicocco
Buch Pierre Pelegri, Philippe Dumarçay – Literaturvorlage Honoré de Balzac
Kamera Quinto Albicocco – Musik Narciso Yepes
Mit Marie Laforêt, Paul Guers, Françoise Prévost, Françoise Dorléac

Balzacs Novelle als ménage à trois im zeitgenössischen Pariser Modemillieu: Bisexuelles Begehren bringt dekadente Lusterfüllung in erlesen betörenden Schwarz-Weiß-Bildern aus der Fassung.

»Ein eigentümliches, manieristisches, schwüles Melodram, ein Film wie schweres Parfum.«
(Roland Hartig, Kinoptikum Landshut)

»Ein Film, der beweist, dass Realismus nicht die Realität ist, dass ein Großteil der uns gezeigten Filme, die auf einer flachen, eindimensionalen Realität bestehen, uns nicht bewegen. Wenn der Poet Einzug hält (und Albicocco, der Regisseur, ist gewiss ein Poet der Kamera), werden wir endlich in die Realität geführt. […] Durchgängig spielt die innere Fantasie eine so große Rolle wie das äußere Drama. Einer Geschichte solche emotionale Intensität einzuhauchen ist das, was den Film von anderen abhebt und ihn zu einer eindringlichen, bleibenden Erfahrung macht.«
(Anaïs Nin)

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Freitag 22.11.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert…die gnadenlose Welt des Italowestern:
Bud Spencer & Terence Hill-Special (Teil 3)

Am 29. März dieses Jahres feierte Terence Hill seinen 80. Geburtstag. Sein 2016 verstorbener Kumpel Bud Spencer wäre am 31. Oktober 90 Jahre alt geworden. Wir holen die beiden Helden noch einmal mit zwei Erstaufführungskopien auf die Kinoleinwand.

DJANGO UND DIE BANDE DER GEHENKTEN
(PREPARATI LA BARA!)
ITA 1968 – DF – 89 Min. – 35mm
Regie Ferdinando Baldi
Buch Ferdinando Baldi, Franco Rossetti
Kamera Enzo Barboni – Musik Gianfranco Reverberi
Mit Terence Hill, Horst Frank, George Eastman, Bruna Simionato

Django wird von seinem alten Kumpan David aufs Kreuz gelegt. Dabei stirbt seine Frau während eines Überfalls. Jahre später kehrt Django als Henker in die Gegend zurück und sinnt auf Rache…

Hier wird endlich mal die Frage beantwortet, wie weit man über Leichen gehen kann. Horst Frank schmiert sich als korrupter Politiker durch den Film, dass es eine Freude ist, George Eastman grinst sich seiner Einäscherung entgegen. Und Terence Hill bekam die Titelrolle, weil er einfach den Original-Django am besten imitieren konnte. Wortkarg und mit eiserner Miene bittet er mit dem schmissigen Titelthema ›Smile‹ zum Todestanz. Absagen werden nicht akzeptiert.

HALLELUJA, AMIGO
(SI PUÒ FARE…AMIGO )
ITA/ESP/FRA 1972 – DF – 104 Min. – 35mm
Regie Maurizio Lucidi
Buch Rafael Azcona
Kamera Aldo Tonti – Musik Luis Bacalov
Mit Bud Spencer, Jack Palance, Renato Cestiè, Francisco Rabal

Auf der Flucht vor dem brutalen Sonny trifft der Herumtreiber Hiram Coburn auf einen kleinen Jungen und dessen todkranken Onkel. Er verspricht, sich des Jungen anzunehmen. Gemeinsam erleben die beiden allerhand Abenteuer…

Nach DJANGO das Kontrastprogramm. Auf Furzer und sprechende Pferde müssen wir zwar verzichten, aber ein glänzend aufgelegter Bud Spencer sorgt für viel Witz und Situationskomik. Und seine Fäuste sprechen ja ohnehin eine Sprache, die keiner missversteht.

Sonderveranstaltung 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 23.11.201519:15 Uhr
Space Opera 5.0
GALAXY QUEST
(GALAXY QUEST – PLANLOS DURCHS WELTALL)
USA 1999 – OF – 102 Min. – 35mm
Regie Dean Parisot
Buch David Howard, Robert Gordon
Kamera Jerzy Zielinski – Musik David Newman
Mit Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman, Sam Rockwell

Die Schauspieler einer Science-Fiction-Fernsehserie namens »Galaxy Quest« werden von Außerirdischen entführt, damit sie diesen in einem intergalaktischen Krieg gegen die finsteren Reptiloiden beistehen. Die Außerirdischen sind fest davon überzeugt, dass diese Crew ihre einzige Hoffnung ist – über Jahrzehnte haben sie die »historischen Aufzeichnungen« der Galaxy Quest verfolgt und sogar das Raumschiff der Serie nachgebaut. Nun wartet es einsatzbereit auf die Fernsehhelden, die sich nun als wahre Helden beweisen müssen.

Gewiss eine Persiflage, die ihre genre-immanenten Tropen aber ernst genug nimmt, um als eigenständiger Science-Fiction-Film zu funktionieren – dazu trägt nicht zuletzt die großartige Besetzung bei.

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Sonntag 24.11.2019 – 19:15 Uhr
Women of the New York Underground
SLEEPWALK
USA/BRD 1986 – OmU – 78 Min. – 35mm
Regie Sara Driver
Buch Kathleen Brennan, Sara Driver, Lorenzo Mans
Kamera Jim Jarmusch, Frank Prinzi – Musik Phil Kline
Mit Suzanne Fletcher, Ann Magnuson, Dexter Lee, Stephen Chen, Tony Todd, Steve Buscemi

Als Nebentätigkeit zur täglichen Arbeit am Computer nimmt Nicole sich der Übersetzung eines antiken chinesischen Manuskripts an. Dieses scheint die Kraft zu besitzen, New York in ein mystisches, gelegentlich bedrohliches Wunderland zu verwandeln. Geschäftsmänner, die wie Hunde bellen, Maschinen, die ihren eigenen Willen besitzen, Haare, die plötzlich ausfallen und Finger, die verschwinden – sie alle sind Teil des tranceähnlichen Bilderflusses von Sara Driver, zentrale Figur einer Lower East Side-Künstlerszene, in der sie auch ihren Kameramann und Lebenspartner Jim Jarmusch kennenlernte.

»Driver lädt in ihr nächtliches Spukhaus ein und schließt die Tür fest hinter uns zu. Zuschauern, die sich auf das Wagnis einlassen, offeriert der Film ein einzigartiges Aufgebot des Aufregenden und Verwunschenen. Seine Bilder und Töne sind hinreißend – es gibt wohl kaum einen besser aussehenden und klingenden amerikanischen 35mm-Film des Jahres 1986 – und immens verführerisch.«
(Jonathan Rosenbaum, Chicago Reader)

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Mittwoch 27.11.2019 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
VIVA LA MUERTE – ES LEBE DER TOD
(VIVA LA MUERTE)
FRA/TUN 1971 – DF – 91 Min. – 35mm
Literaturvorlage, Buch und Regie Fernando Arrabal
Kamera Jean-Marc Ripert – Musik Jean-Yves Bosseur
Mit Anouk Ferjac, Núria Espert, Mahdi Chaouch, Ivan Henriques

»Fünfzig Jahre nach Buñuels L’AGE D’OR und UN CHIEN ANDALOU hat sein Landsmann Fernando Arrabal mit dem Film VIVA LA MUERTE wieder eine Kampfansage an sein Heimatland gerichtet und dabei seinen Vorgänger um einiges an Aufwand, Symbolik und surrealistischer Exzentrik übertroffen. Grundlage des Films ist Arrabals autobiographischer Roman ›Baal Babylon‹: Erinnerungen und Visionen einer Kindheit in Spanien, bestimmt durch Brutalität, Okkultismus, Bürgerkrieg, iberischen Katholizismus, verklemmte schwüle Sexualität, durch eine pathologische Mutterbindung und die Sehnsucht nach einem Vater, den er kaum kannte. […] Es ist ein Film der Abrechnung, der Wut, des Hasses, der Verzweiflung, des Schmerzes; voller Orgien der Geilheit und der Perversion, der Barbarei und der Blasphemie.«
(Wolf Donner, Die Zeit)

Einführung: Dr. Wolfgang Cziesla, Filmmuseum Düsseldorf

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Donnerstag 28.11.2019 – 20 Uhr
1979 – Revolution der Bilder

Dariush Mehrjui (*1939 in Teheran) kaufte als 12jähriger einen 35mm-Projektor, zwei Filmrollen und kassierte Eintritt. Mit zwanzig zog er in die USA, lernte bei Jean Renoir Film, wandte sich aber recht bald vom Studiosystem ab. Nach einem Abschluss in Philosophie kehrte er in den Iran zurück, wo er zunächst die James Bond-Parodie DIAMOND 33 (1966) drehte. THE COW (›Gaav‹) war sein künstlerischer Durchbruch und Initialzündung der iranischen Nouvelle Vague (›Mouje Nou‹). Der Rest ist Geschichte: heute zählt Mehrjui zu den produktivsten iranischen Autorenfilmern.

GAAV
(THE COW)
IRN 1969 – OmU – 104 Min. – digital
Buch und Regie Dariush Mehrjui
Literaturvorlage Gholam Hossein Saedi
Kamera Fereydon Ghovanlou – Musik Hormoz Farhat
Mit Ezatollah Entezami, Mahin Schahabi, Ali Nassirian

Mashdi Hassan liebt seine Kuh, die einzige im Dorf. Als sie stirbt, versuchen die Dörfler dies vor ihm zu verheimlichen und erzählen ihm, sie sei entflohen. Doch der Verlust seines Statussymbols stürzt ihn in eine Krise, die zunehmend pathologische Züge annimmt – bis Hassan selbst glaubt, eine Kuh zu sein und beginnt, Heu zu essen. Der Film des 29jährigen gilt als Wendepunkt des iranischen Kinos – eine Fundamentalkritik am Wirtschafts- und Feudalsystem unter dem Schah, umgesetzt mit ethnografischen Details und Mitteln des magischen Realismus. Obgleich staatlich gefördert, wurde THE COW wegen seiner Darstellung ländlichen Elends drastisch umgeschnitten und verboten. 1971 wurde er heimlich zu den Filmfestspielen von Venedig geschmuggelt, wo er den Kritikerpreis gewann. Die existentialistische, neorealistisch inszenierte Fabel über den Einzelnen und das Kollektiv entwickelte sich schnell zum Kultfilm und gilt als Meisterwerk des iranischen Kinos.

21:30 Uhr
HAYATE POSHTI MADRESEYE ADL-E-AFAGH
(THE SCHOOL WE WENT TO)
IRN 1980 – OmU – 95 Min. – digital
Regie Dariush Mehrjui
Buch Fereydoon Doustdar
Kamera Farrokh Majidi, Mehrdad Fakhimi
Mit Ali Nassirian, Ezzatolah Entezami, Amrollah Saberi

Eine Gruppe von Schülern versucht, ein Stück auf die Beine zu stellen, doch der neue Schuldirektor lehnt die Aufführung ab und bestraft den Spielleiter Kaveh. Die von Star-Regisseur Mehrjui inszenierte Rebellion einiger Gymnasiasten gegen die schulische Autorität wurde seinerzeit vielfach als Allegorie für die Revolution gedeutet. Der Film wurde von ›Kanoon‹, dem ›Institut für die intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen‹ gefördert, dessen Filmabteilung Abbas Kiarostami mitbegründet hatte.

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Freitag 29.11.201919:30 Uhr
Asleep in the cinema
SOMNILOQUIES
FRA 2017 – OmeU – 74 Min. – digital
Regie Lucien Castaing-Taylor, Verena Paravel

»Der Songwriter Dion McGregor wurde in den 1960er Jahren vor allem dadurch bekannt, dass er seine Träume im Schlaf erzählte. Sein Mitbewohner nahm sie auf. Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel überwinden mit ihrem neuen Film SOMNILOQUIES die Grenzen zwischen innerer Traumlandschaft und menschlichem Körper. Zu Beginn sind fließende Formen zu sehen, ein undefinierbares sanftes Geräusch im Hintergrund. McGregors Stimme tritt daraus hervor und lädt uns ein: ›I have expected you, come-on in, I said I would grant an interview.‹ Je mehr wir ihm zuhören und in seine Traumwelt eindringen, desto deutlicher werden die Konturen schlafender Körper, die sich immer wieder aufzulösen scheinen. Der Träumende spricht mit Personen, die seinen Körper aufsägen, Organe entnehmen, ihn wieder zunähen. Während wir erfahren, wie sehr ihn die Stiche schmerzen, kämpfen wir mit der Frage, wie weit wir der Kamera folgen wollen, die die Körper mal zärtlich abtastet und dann fast brutal mit Röntgenblick in sie einzudringen versucht. Noch rechtzeitig hören wir seine Stimme: ›Let’s go to future land […] it’s shining near the corner.‹ Im Kino schlafen heißt in diesem Fall, es bis ins Äußerste zu durchdringen.«
(Stefanie Schulte Strathaus, Arsenal Berlin)

In Kooperation mit dem Institut für Kunst und Kunsttheorie, Universität zu Köln

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Samstag 30.11.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
EIN SÜSSER FRATZ
(FUNNY FACE)
USA 1957 – DF – 103 Min. – 35mm
Regie Stanley Donen
Buch Leonard Gershe
Kamera Ray June – Musik George Gershwin, Adolph Deutsch
Mit Audrey Hepburn, Fred Astaire, Kay Thompson, Michel Auclair

Das Aschenputtel Audrey Hepburn will eigentlich nur Bücher lesen und philosophische Gespräche führen. Doch der Modefotograf Fred Astaire sieht in ihr ein Topmodel und baut sie gegen ihren Willen zum Star auf. Denn gegen die geballte Ladung von bonbonfarbenen Kleidern, Paris im Frühling und schwungvoll gesungenen Liebeserklärungen ist jede Frau machtlos. S’Wonderful!

Dass der onkelige Astaire sich in die die 30 Jahre jüngere Hepburn verliebt und seinen zweiten Frühling erlebt, ist nur zu verständlich. Aber er legt immer noch eine heiße Sohle aufs Parkett, als ob er keine Gelenke hätte. Und Audrey? Die freute sich wie Bolle auf die Dreharbeiten, und dann setzte der Dauerregen in Paris ein. »20 Jahre habe ich darauf gewartet, mit Fred Astaire zu tanzen, und was kriege ich jetzt? Sumpf!«

Aber natürlich wurde alles gut. Und EIN SÜSSER FRATZ trumpft mit Charme, Witz und Tanznummern, bei denen die Kinnlade runterfällt, auf. Vor allem bei Audrey Hepburns komplett absurdem Auftritt in einem Existenzialisten-Jazzclub. Und dann diese Farben. Think Pink!

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Der Filmclub 813 ist Gewinner des Lotte-Eisner-Preis 2017 des Kinematheksverbundes.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«

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Hinweis: Die Rechte des verwendeten Bildmaterials auf dieser Website liegen bei den Rechteinhabern bzw. sind in seiner Verwendung genehmigt. Sollte es Fälle geben, bei denen ein Rechteinhaber nicht ausfindig gemacht werden konnte, so bitten wir diesen, sich bei berechtigten Ansprüchen beim Filmclub 813 zu melden.

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