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Liebes Publikum!

Am 9.9. haben wir nach über 5 Monaten Pause wieder wie gewohnt mit unserem Programm gestartet. Nur die zurzeit üblichen Corona-Schutzmaßnahmen sind neu. Derzeit finden im Kino 813 in der BRÜCKE unter Beachtung des Sicherheitsabstands nur eine begrenzte Zahl von Zuschauern Platz. Dabei ist aber die Belegung von Mehrfachplätzen (2er, 3er oder 4er) möglich, sofern man aus einem Haushalt kommt. Das Foyer dient zurzeit nicht als Aufenthaltsort, lediglich zum Kauf der Eintrittskarten. Beim Betreten des Gebäudes ist das Tragen eines eigenen Mund-Nase-Schutzes verpflichtend, außer am Sitzplatz. Dort kann der Schutz abgenommen werden. Alle Zuschauer müssen sich gemäß der Corona-Schutzverordnung registrieren. Ausführliche Informationen und das Registrierungsformular liegen am Einlass aus.

Wir freuen uns wieder das Licht unser Filmprojektoren zum Strahlen zu bringen und hoffen, trotz der Einschränkungen, ein paar schöne Stunden im Kino bieten zu können!

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Samstag 19.9.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
THE BIG EASY – DER GROSSE LEICHTSINN
(THE BIG EASY)
USA 1986, DF, 101 Min., 35mm
Regie Jim McBride
Buch Daniel Petrie Jr.
Kamera Affonso Beato – Musik Brad Fiedel
Mit Dennis Quaid, Ellen Barkin, Ned Beatty, John Goodman

Schweißnasser Neo-Noir über die komplikationsreiche Affäre zwischen einem korrupten Cop und einer engagierten Staatsanwältin. Die dritte Hauptfigur im Bunde: Das pulsierende New Orleans.

»Eine Screwball-Komödie getarnt als glatter N’Awlins-Copthriller, soviel Eighties, dass es schon wieder unwiderstehlich ist. Genug Zydeco- und Cajun-Sound, um einen Alligator zu erdrosseln. Das erotische Element war damals wichtiger als heute, da funktioniert der Film beinahe als Zeitdokument.«
(Derek Godin, Letterboxd)

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Sonntag 20.9.2020 – 19:15 Uhr
Festival des ungesichteten Films
LASS KNACKEN, SCHÄTZCHEN / DER SEXBARON VON ST. PAULI
BRD 1980, 81 Min., 35mm
Regie Jürgen Enz
Buch Michael Eder, Jürgen Enz
Kamera Lutz Ziervogel – Musik Kurt Matthäus
Mit Margit Rauthe, Herbert Warnke, Andrea Wedeking, Horst Sieger

Nach Beendigung seiner Haftstrafe will sich Masken-Ronnie weiter durch die Welt gaunern, doch eine gewiefte Konkurrentin kommt ihm mit ihren eigenen Trickbetrügereien in die Quere. Zusätzlich garniert Jürgen Enz, poète maudit des deutschen Sexfilms, seine naturtrübe Variante einer Screwball-Komödie mit vielen Knackwürsten.

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Mittwoch 23.9.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
DAS FREUDENHAUS
BRD 1971, 92 Min., 35mm
Buch und Regie Alfred Weidenmann
Literaturvorlage Henry Jaeger
Kamera Ernst W. Kalinke – Musik Otto Schütt
Mit Karin Jacobsen, Herbert Fleischmann, Gisela Peltzer, Gisela Trowe

Alfred Weidenmann paart die Mittel des aufkeimenden Sexfilms mit der Form der tragikomischen Milieustudie, die mit großer Empathie von den Verstoßenen der Gesellschaft erzählt. Allen voran: die alternde Prostituierte Rosa und der erfolglose Zirkusclown Leopold, die gemeinsam ein Bordell eröffnen.

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Donnerstag 24.9.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
DIE FRAU NEBENAN
(LA FEMME D’À CÔTÉ)
F 1981, DF, 106 Min., 35mm
Regie François Truffaut
Buch François Truffaut, Suzanne Schiffman, Jean Aurel
Kamera William Lubtchansky – Musik Georges Delerue
Mit Gérard Depardieu, Fanny Ardant, Henri Garcin, Michèle Baumgartner

In der Frau nebenan, die soeben mit ihrem Ehemann einzog, erkennt Familienvater Bernard seine ehemalige Geliebte. Heimlich lassen die beiden ihre einstige amour fou wieder aufleben – vertrautes Terrain für Truffaut, inszeniert mit der trügerischen Gelassenheit eines Altmeisters.

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Freitag 25.9.2020 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert… die gnadenlose Welt des Italowestern – Sauerkraut-Western 

Angetrieben durch den Erfolg der Karl May-Filme fanden auch deutsche Western Anfang der 60er Jahre den Weg in die Kinos… 

DER LETZTE RITT NACH SANTA CRUZ
BRD/A 1964, 96 Min., 35mm
Regie Rolf Olsen
Buch Herbert Reinecker
Kamera Karl Loeb – Musik Erwin Halletz, Charly Niessen
Mit Mario Adorf, Klaus Kinski, Sieghardt Rupp, Marianne Koch, Marisa Mell

Der aus dem Gefängnis entlassene Mexikaner Pedro Ortiz möchte mit seiner Bande nach Santa Cruz. Dort lagert sein letzter Beutezug in einem Versteck. Aber er hat auch noch eine Rechnung mit dem ehemaligen Sheriff offen, der ihn einst hinter schwedische Gardinen brachte…

Der ausgesprochen umtriebige Rolf Olsen lieferte mit dem who-is-who der deutschsprachigen Filmszene einen zum Teil wegweisenden Abenteuerfilm ab, der bereits einige Stilelemente des Italo-Westerns vorwegnimmt. Mit seiner deutlichen Brutalität distanziert er sich komplett von der damals angesagten Karl May-Romantik, und bei den strapaziösen Dreharbeiten in der Wüste von Gran Canaria blieben nicht alle Knochen an ihrem angestammten Platz.

DIE GOLDSUCHER VON ARKANSAS
BRD/I/F 1964, DF, 98 Min., 35mm
Regie Paul Martin
Buch Herbert Reinecker, Hans Bilian, Werner P. Zibaso
Literaturvorlage Friedrich Gerstäcker
Kamera Jan Stallich – Musik Heinz Gietz
Mit Mario Adorf, Horst Frank, Brad Harris, Ralf Wolter, Marianne Hoppe

Im Marble City zahlt ein Indianer mit Gold. Das hätte er besser nicht getan. Denn erstens bezahlt er sein Geheimnis zusätzlich mit dem Leben. Und zweitens bricht das Goldfieber aus, das neben Siedlern auf der Suche nach Reichtum auch einige zwielichtige Gestalten auf den Plan ruft. Zudem wehren sich die Cherokee gegen die Vereinnahmung ihres Landes mit ihren eigenen Mitteln…

Friedrich Gerstäcker, der wiederum Karl May zu seinen Romanen inspirierte, lieferte die Vorlage zu diesem hübsch-naiven Western. Arkansas wurde preisgünstig in Jugoslawien und in den Barrandov-Studios nachgestellt. In einem Fernduell versuchte Mario Adorf zu beweisen, dass er ein besserer Bösewicht ist als Horst Frank.

Sonderveranstaltung: 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 26.9.2020 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Anna Karina († 14.12.2019)
DIE GESCHICHTE DER NANA S.
(VIVRE SA VIE: FILM EN DOUZE TABLEAUX)
F 1962, OmU, 83 Min., s/w, 35mm
Buch & Regie Jean-Luc Godard
Literaturvorlage Marcel Sacotte
Kamera Raoul Coutard – Musik Michel Legrand
Mit Anna Karina, Sady Rebbot, Guylaine Schlumberger, André S. Labarthe

Ikone der Nouvelle Vague. Aus der Pose des Models tritt sie ein in den wirklichkeitsorientierten Film und in Godards Leben.

Wie für Andere Voyeurismus zur Definition des Kinos gehört, ist für Godard Prostitution im Spiel, wenn Schauspielerinnen sich vor die Kameras stellen.

Und Anna Karina war keine Körperschauspielerin, sie hatte es eher mit dem Blick – dieser Film zeigt’s. Wer sie in diesen Filmen mit Godards Liebesblick sieht, versteht, dass es zuletzt nicht nur um ihre Schönheit ging. Sie hat den Theoriestücken Seele eingehaucht. Das Leben ist nicht Film, und das Bild muss lügen, wo es nichts als die Wahrheit zu sagen scheint – was wiederum Godard verzweifeln ließ.

Vorprogramm:
EIN WOCHENENDE AUF DER ERDE IM JAHRE 2000
(ANTICIPATION)
F 1967, DF, 20 Min., s/w, 35mm
Buch & Regie Jean-Luc Godard
Kamera Pierre Lhomme – Musik Michel Legrand
Mit Anna Karina, Jacques Charrier, Jean-Pierre Léaud, Marilù Tolo

Bei Godard gibt es häufig diese Gesten, die den Zuschauer darauf hinweisen, dass der Reflex der Bilder auf der Leinwand noch nicht alles ist, was das Kino zu bieten hat. Was die Materie von Kinobildern ausmacht, hat er besonders überzeugend hier, in diesem Sketch, erfasst und übersetzt. Die Bilder pulsieren wie Plasma. Es ist, als dringe man in sie ein und wäre mit dabei, wenn Kino sich bildet.

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Sonntag 27.9.2020 – 19:15 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
ABSCHIED VON MATJORA
(Прощание)
UdSSR 1983, DF, 126 Min., 35mm
Regie Elem Klimow, Larissa Schepitko
Buch Larissa Schepitko, Rudolf Tjurin, German Klimow
Literaturvorlage Walentin Rasputin
Kamera Alexej Rodionow, Juri Schirtladse, Sergej Taraskin
Musik Wjatscheslaw Artjomow, Alfred Schnittke
Mit Stefanija Stanjuta, Lew Durow, Alexej Petrenko, Leonid Krjuk

Matjora soll einem Wasserkraftwerk weichen. Die Anwohner*innen müssen umgesiedelt werden, Heimat und Traditionen stehen auf dem Prüfstand. Uralte Bauernbräuche laufen Gefahr, ausgelöscht zu werden. Die alte Darja hat ihr ganzes Leben in diesem Dorf verbracht und weigert sich, zu gehen. Der Ort ist mehr als ihr Lebensmittelpunkt, er definiert sie. Die Frage nach Humanität steht im Vordergrund der Geschichte.

Ein Film mit einer bewegenden und langen Produktionsgeschichte, die sich um das Ehepaar Klimow/Schepitko dreht. Beide waren Studierende und zusammen mit Tarkowskij, Kontschalowskij und Muratova am Staatlichen Filminstitut. Schepitko stand besonders unter dem Einfluss von Dowschenko. Die Regisseurin stirbt 1979 während der Dreharbeiten an ihrem Film, den Klimow 1983 in ihrem Namen veröffentlicht: Appell gegen eine Ökonomie, die die Ökologie außer Acht lässt. In der Entstehungsgeschichte und der Inszenierung des Films spiegelt sich der Wandel der sowjetischen Filmindustrie im Hinblick auf Glasnost.

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Mittwoch 30.9.2020 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Irm Hermann († 26.5.2020)
HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN
BRD 1972, 88 Min., 35mm
Buch & Regie Rainer Werner Fassbinder
Kamera Dietrich Lohmann
Mit Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch

Ein Horrorfilm über die Adenauer-Ära. Irm Hermanns Figur nimmt Rache am kleinbürgerlichen Leben. Ihr Ehemann ist der titelgebende Obsthändler, der zu bescheiden ist für ihre Ansprüche.

Hermanns Schauspielerei war eine Art der Abstrahierung von Biederkeit. Das passte ganz wunderbar zu Fassbinder. Ihr deplatziertes Bayerisch presste aus ihr wie ein Angriffssignal, das herrührt von amputierten Gefühlen; an ihrer schmalen, hochgewachsenen Gestalt, die aneckt, saßen ganz fraglos die fassbinderschen Blümchenkleider. Dazu kam der Silberblick, der in strenge Kompositionen sich irritierend einfügte.

Sie war nicht haute volé und lebte angebunden an das Leben, das sie darstellte. Es ist ihrer Diktion anzumerken. Die zeitweise auch private Beziehung mit Fassbinder konfrontierte sie mit einer Scheinwelt, die sie vorher nicht kannte – sie litt unter ihm, sah ihre Rolle aber als Inbild für das Drama, wie Frauen Macht entwickeln können, um es ihren Unterdrückern gleichzumachen.

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