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Freitag 22.6.2018 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
NEAR DARK – DIE NACHT HAT IHREN PREIS
(NEAR DARK)
USA 1987 – DF – 94 Min. – 35mm
Regie Kathryn Bigelow
Buch Kathryn Bigelow, Eric Red
Kamera Adam Greenberg – Musik Tangerine Dream
Mit Adrian Pasdar, Jenny Wright, Lance Henriksen, Bill Paxton, Jenette Goldstein

»Bigelow begreift mit ihrer Western-Punk-Variante von Bram Stokers Roman Dracula (1897) die Welt der Vampire vor allem als lebensfeindliche Umgebung. Zusätzlich zum gefährlichen Sonnenlicht und der Furcht, nicht genügend Nahrung zu bekommen, fokussiert sich die Erzählung auf soziale Anpassungsmechanismen. […] Beinahe schon Neo-Noir in Perfektion, etabliert der Horrorfilm eine Bildsprache, die ganz bewusst den Kampf zwischen dem (Schein-)Menschen und seiner unzähmbaren Natur in den Vordergrund rückt.«
(Stefan Jung, critic.de)

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Samstag 23.6.2018 – 20 Uhr
Paris mon amour
EIN AMERIKANER IN PARIS
(AN AMERICAN IN PARIS)
USA 1951 – DF – 114 Min. – 35mm
Regie Vincente Minnelli
Buch Alan Jay Lerner – Kamera Alfred Gilks, John Alton
Musik Saul Chaplin, Johnny Green, George Gershwin
Mit Gene Kelly, Leslie Caron, Oscar Levant, Georges Guétary, Nina Foch

Jerry Mulligan (Gene Kelly) versucht in Paris sein Glück als Maler. Erfolglos, bis er durch eine reiche Amerikanerin entdeckt wird. Die ist mehr an ihm als an seinen Werken interessiert, aber sein Herz gehört allein der Parfümverkäuferin Lise Bouvier (Leslie Caron). Und was könnte dem Glück entgegenstehen, das man nicht zu George Gershwins Musik beschwingt umtanzen kann?

Vincente Minnellis Regie genießt das Flair von Paris in vollen Zügen. Dabei ist die Geschichte nur der Aufhänger für Gene Kellys leichtfüßig choreografierte Tanzsequenzen, darunter die Evergreens I got Rhythm und S’Wonderful. Unerreicht bleibt aber das 17-Minütige Ballett zum titelgebenden An American in Paris. Allein die Sets hierfür kosteten fast eine halbe Million Dollar, und sie zitierten französische Meister wie Renoir, Rousseau oder Toulouse-Lautrec.

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Sonntag, 24.6.2018 – 20 Uhr (!) – Wiederholung
Außenseiter des deutschen Kinos: Franz-Josef Spieker
HÜTET EURE TÖCHTER!
BRD 1964 – 82 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Eberhard Hauff, Rob Houwer, Franz-Josef Spieker, Karl Schedereit, Walter Krüttner, Wolf Hart
Kamera Werner Kurz, Klaus König, Fritz Schwennicke, Wolfgang Treu
Musik Erich Ferstl, Hans-Martin Majewski, Hans Posegga
Mit Ulli Philipp, Klaus Kusterer, Gisela von Weitershausen, Heidi Pawellek, Isabel Stumpf, Gerd André

Sechs Episoden rund um das Sexualleben junger Mädchen: Sie werden verkauft und verstoßen, verfallen den Männern oder verführen sie. Die Blaupause für die spätere Reportfilm-Welle lieferten ausgerechnet Vertreter des Neuen Deutschen Films, drei von ihnen Unterzeichner des Oberhausener Manifests. Produzent Walter Koppel gab ihnen die Schlagzeilen einer erfolgreichen Illustrierten-Serie als Aufhänger und gewährte ansonsten künstlerisch freie Hand. Spieker, dessen Beitrag DER GELBE WAGEN bereits 1963 bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen uraufgeführt wurde, war davon nur wenig begeistert, doch wollte die Möglichkeit, so ins Kinogeschäft einsteigen zu können, nicht ungenutzt lassen.

Im Anschluss:
GELD
BRD 1964 – 19 Min. – s/w – 35mm
Regie Michael Blackwood

Dieser Kurzfilm über die junge Christa, die sich ihre Zufallsbekanntschaften finanziell zunutze machen möchte, wurde ebenfalls für HÜTET EURE TÖCHTER! gedreht, aber kurz vor Kinostart wieder entfernt.

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Mittwoch 27.6.2018 – 20 Uhr
Alfred Braun
STRESEMANN
BRD 1956 – 103 Min. – s/w – 35mm
Regie Alfred Braun
Buch Axel Eggebrecht, Ludwig Berger, Curt J. Braun
Kamera Friedl Behn-Grund – Musik Boris Blacher
Mit Ernst Schröder, Anouk Aimée, Wolfgang Preiss, Leonard Steckel

Den Regieauftrag zu seinem staatstragendsten Film verdankte Alfred Braun der anhaltenden Popularität seiner vielleicht berühmtesten Radioreportage, der Übertragung von Gustav Stresemanns Begräbnis anno 1929. Die Filmbiographie des Weimarer Außenministers wurde von der Bundesregierung finanziell verbürgt und zugleich inhaltlich stark kontrolliert, um unbedingte diplomatische Verträglichkeit sicherzustellen. So hatte das Projekt bereits mehrere verworfene Drehbücher und einen abgesprungenen Regisseur durchlaufen, bevor Braun hinzustieß. An ihm war es, Stresemanns Bemühungen um europäische Verständigung ganz im Sinne der Adenauer-Politik darzustellen und dem Geschehen gleichzeitig Publikumswirksamkeit zu verleihen, beispielsweise durch ein dazu gedichtetes Liebesdrama zwischen Anouk Aimée als Stresemanns Sekretärin und Wolfgang Preiss als ihrem nationalistisch orientierten Geliebten.

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Donnerstag 28.6.2018 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
DIE MILCHSTRASSE
(LA VOIE LACTÉE)
FRA/ITA 1969 – OmU – 101 Min. – 35mm
Regie Luis Buñuel
Buch Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière
Kamera Christian Matras – Musik Luis Buñuel
Mit Paul Frankeur, Laurent Terzieff, Michel Piccoli, Delphine Seyrig, Claudio Brook

Ikonografien unterwerfen Menschen. Buñuel dekliniert in seinem episodischen Road Movie die christliche Werdungsgeschichte durch – und findet: Häretiker, die gegen das Dogma der Kirche Einwände brachten, autonomen Glauben etwa. Und: dass die Kirchengeschichte mindestens genauso blutrünstig ist wie irgendeine andere, dass ihre Lehre immer Träger einer zeitgebundenen Ordnung war.

Der Film spielt auf verschiedenen (Zeit-)Ebenen und bietet verschiedene Lesearten an – je nachdem, auf welcher Ebene sich der Zuschauer seiner Bildung und seinen Überzeugungen nach befindet. Auf der einfachsten Ebene ist dies die Geschichte zweier Vagabunden, die zu Fuß dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela folgen. Der Jakobsweg hieß auch Milchstraße, weil er zum Heiligtum führte wie der Stern zur Krippe und weil er aus Etappen bestand, die wie von Sternen markiert waren. Dann zeigt Buñuel einen Katalog genau wiedergegebener Zitate, ein Panorama theologischer Dispute, eine Kette von Anspielungen auf diverse Konzile, bei denen die Kirchenlehre mehr schlecht als recht entstand.

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Achtung, Programmänderung: Der ursprünglich für den 4.7.2018 angekündigte SCHWARZE NYLONS – HEISSE NÄCHTE muss leider entfallen! Wir werden ihn voraussichtlich nach der Sommerpause nachholen.

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Donnerstag 5.7.2018 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Siegfried Rauch († 11.3.2018)
ASTARON – BRUT DES SCHRECKENS
(CONTAMINATION)
BRD/ITA 1980 – DF – 82 Min. – 35mm
Buch & Regie Luigi Cozzi alias Lewis Coates
Kamera Giuseppe Pinori – Musik Goblin
Mit Ian McCulloch, Louise Marleau, Siegfried Rauch, Marino Masé, Gisela Hahn

Ein Frachtschiff aus Südamerika läuft im New Yorker Hafen ein. Die gesamte Besatzung scheint auf grausame Weise ums Leben gekommen zu sein und auch die geladene Fracht wirft für die Ermittler vor Ort einige Fragen auf. Es handelt sich um riesige, pulsierende Eier. Nur Astronaut Hubbard glaubt die Eier von einer Mars-Expedition zu kennen und stellt eigene Nachforschungen an.

Tödliche Weltraumeier, edler Synthie-Rock der Gruppe Goblin und ein Traumschiff-Kapitän als zwielichtiger Plantagenbesitzer – was gibt es an diesem charmanten Alien-Klone nicht zu lieben?!

»Back in those days, when you went to an Italian producer to pitch an idea for a film, there was no possible way to do it, unless the idea was a rip-off of another film that made lots of money. So I went to my producer – Claudio Mancini – and said that this will be ALIEN made for peanuts […] As soon as Mancini heard ‚Alien‘ and ‚money‚, he said ‚Let’s do it!‘.«
(Luigi Cozzi)

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Samstag 7.7.201822 Uhr (!)
Boulevard der Erinnerung: Miloš Forman († 13.4.2018)
TAKING OFF
USA 1971 – DF – 92 Min. – 35mm
Regie Miloš Forman
Buch Miloš Forman, Jean-Claude Carrière, John Guare, John Klein
Kamera Miroslav Ondříček – Musik Mike Heron
Mit Lynn Carlin, Buck Henry, Georgia Engel, Tony Harvey, Vincent Schiavelli

Ein Mädchen büxt von zu Hause nach New York aus. Nachdem die Eltern sie wiedergefunden haben, versuchen diese fortan, die junge Generation zu verstehen und begeben sich auf eine bemühte rite de passage.

Nach seiner Emigration aus der ČSSR erkundete Miloš Forman in seinem US-Debüt ein zerrissenes Land zwischen Vietnam-Kriegstreibern und Woodstock-Generation. Ein wildes Post-68-Porträt, dialektisch im besten Sinn – Forman zeigt die Revolte nach ihrem Ende, von beiden Seiten – ein Trümmerfeld der Existenzen: verdrängte Gelüste hinter konservativen Vorstadtfassaden, verkapptes Spießertum hinter rauschenden Hippiebärten. Der Film floppte und Formans spätere Oscar-Erfolge sind wohl auch darauf zurückzuführen, dass die verspielte Verschlungenheit seines Stils einer gesteigerten Geradlinigkeit wich.

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Sonntag 8.7.2018 – 19:15 Uhr
Alfred Braun
MORGEN WIRST DU UM MICH WEINEN
BRD 1959 – 94 Min. – s/w – 35mm
Regie Alfred Braun
Buch Walter F. Fichelscher, Horst Sommer – Literaturvorlage Karl Zumbro
Kamera Walter Hirsch – Musik Herbert Trantow
Mit Sabine Bethmann, Joachim Hansen, Sabina Sesselmann, Rudolf Forster

Thea Hackrath, die Tochter eines reichen Konzernchefs, erwartet ein Kind von ihrem heimlichen Geliebten. Notgedrungen überredet sie den erfolglosen Schauspieler Heinz zu einer Scheinehe und verliebt sich alsbald tatsächlich in ihn, während dieser jedoch mehr Gefallen an ihrer Schwester Christine findet.

In seiner letzten Kino-Regiearbeit treibt Braun die inhaltlichen Verwicklungen noch einmal auf ihre melodramatischsten Spitzen. Danach ließ es der hier bereits 71-Jährige ruhiger angehen, blieb aber sowohl dem Film als auch dem Radio noch viele weitere Jahre lang erhalten.

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Montag 9.7.2018 – 20 Uhr
813-Sommerabschluss
TRAUM MEINES LEBENS
(SUMMERTIME)
GBR/USA 1955 – 100 Min. – DF – 35mm
Regie David Lean
Buch H. E. Bates, David Lean
Kamera Jack Hildyard – Musik Alessandro Cicognini
Mit Katharine Hepburn, Rossano Brazzi, Darren McGavin, Isa Miranda

Eine alleinstehende amerikanische Sekretärin erfüllt sich ihren Traum, einmal nach Venedig zu reisen. Doch Ihre Flucht aus dem Alltag ist ernüchternd, denn obwohl um sie herum das Leben pulsiert, bleibt sie einsam. Dann bemerkt sie aber, dass ein Italiener ein Auge auf sie geworfen hat. Sie verfällt seinen Schmeicheleien, doch auch dieses kleine Glück ist vielleicht nicht von Dauer…

Bevor David Lean mit DIE BRÜCKE AM KWAI seine Liebe für epische Erzählungen entdeckte, drehte er dieses kleine Wunderwerk. Das sommerdurchflutete Venedig sah nie schöner aus – mit angedeuteten Gesten, hingeworfenen Eindrücken und kleinen Episoden gelang ihm die Gratwanderung, Katharine Hepburns schwelgende Gefühle einzufangen, ohne dabei in Kitsch abzugleiten.

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Wir sind stolz, bekanntgeben zu können, dass der Filmclub 813 den diesjährigen Lotte-Eisner-Preis des Kinematheksverbundes gewonnen hat.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«
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bei berechtigten Ansprüchen beim Filmclub 813 zu melden.

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