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Seret International
Zum vierten Mal präsentieren die DIG AG Köln, der Filmclub 813 und SERET INTERNATIONAL das gleichnamige Filmfestival. Wir zeigen junge und herausragende israelische Filmproduktionen, die repräsentativ für das Filmland Israel stehen.

Mittwoch 9.9.2020 – 20 Uhr
Seret International
FORGIVENESS
IL 2019, OmeU, 104 Min., digital
Regie Guy Amir
Buch Hanan Savyon – Kamera Lael Utnik
Mit Guy Amir, Hanan Savyon, Shiri Maimon, Tsahi Halevi, Noa Koler

Die Autoren der erfolgreichen Komödie MAKTUB, Guy Amir und Hanan Savyon, sind Hauptdarsteller und Macher von FORGIVENESS. Der Film spielt im Süden Israels, an der Grenze zu Gaza, wo einschlagende Raketen zum Alltag der Menschen gehören.

Die guten Freunde Shaul und Nissan überfallen eine Bank. Sie vermasseln es – und Shaul kommt ins Gefängnis. Jahre später wird Shaul entlassen und findet seinen Freund verändert vor: religiös und nach Vergebung suchend.

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Donnerstag 10.9.2020 – 20 Uhr
Seret International
GOLDA
IL 2019, OmeU, 88 Min., digital
Buch & Regie Sagi Bornstein, Udi Nir und Shani Rozanes

Kurz vor ihrem Tod gab Golda Meir ein Interview für das israelische Fernsehen. Nachdem das Interview beendet war, lief die Kamera weiter und so entstand ein intimes Gespräch mit der ersten und, bis heute, einzigen Frau, die Israel geleitet hat. Meir spricht hier frei über ihr Mandat als Premierministerin – fünf turbulente Jahre, die die Geschichte des Mittleren Ostens verändert haben und die ihr einen Platz in der Geschichte gesichert haben.

Mit seltenem Archivmaterial zeigt der Film Golda Meir aus ungewohnter Perspektive, zusammen mit Aussagen ihrer Unterstützer sowie ihrer Gegner. GOLDA ist Dokument ihres dramatischen Mandats: vom überraschenden Aufstieg, ihrem internationalen Image als Königin der Juden, bis hin zum tragischen und einsamen Rückzug.

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Samstag 12.9.2020 – 20 Uhr
Paris mon amour
CHARADE
USA 1963, DF, 113 Min., 35mm
Regie Stanley Donen
Buch Peter Stone
Kamera Charles Lang – Musik Henry Mancini
Mit Cary Grant, Audrey Hepburn, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy

Reggie (Audrey Hepburn) kehrt aus dem Skiurlaub zurück, um sich scheiden zu lassen. Doch ihr Mann ist bereits tot, und mit ihm sind eine Viertelmillion Dollar untergetaucht. Sehr schnell nehmen zwielichtige Personen Reggie ins Visier, um an das Vermögen zu kommen. Gut, dass da ihre Urlaubsbekanntschaft Peter (Cary Grant) zur Seite steht, ach was, nahekommt. Wenn sie nur wüsste, wie er sich im Kinngrübchen rasiert. Oder seinen Anzug reinigt. Und welche Rolle er in dem undurchdringlichen Rätsel spielt.

Hollywoods who’s who (das kann man endlich mal wörtlich nehmen) trifft sich zu einem romantischen Krimidate in Paris und lässt die Funken sprühen. Grant und Hepburn albern hemmungslos rum, man denke nur an den unfassbaren Orangentanz, um dann ihren Maximalpuls – und den des Zuschauers – im Finale zu testen. Solche Filme dreht man heute nicht mehr.

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Sonntag 13.9.2020 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Vojtěch Jasný († 16.11.2019)
WENN DER KATER KOMMT
(AŽ PŘIJDE KOCOUR)
ČSSR 1963, DF, 104 Min., 35mm
Regie Vojtěch Jasný
Buch Jiří Brdecka, Vojtěch Jasný
Kamera Jaroslav Kučera – Musik Svatopluk Havelka
Mit Vlastimil Brodský, Jiří Sovák, Emília Vášáryová, Jan Werich

Vojtěch Jasný, Mitbegründer der Tschechischen Neuen Welle und später Exilant in Deutschland – wo er insbesondere durch seine Kollaborationen mit Heinrich Böll bekannt wurde -, folgte dem Credo, »Filme so zu machen, wie ein Musiker eine Sinfonie komponiert und ein Dichter Gedichte schreibt«.

WENN DER KATER KOMMT darf als vollendetste Umsetzung dessen gelten: Hierin wird eine beschauliche Kleinstadt von einer fahrenden Schaustellertruppe aufgesucht, mit Magiern, Musikern und ihrer größten Attraktion, einem Kater mit Sonnenbrille. Wird diese abgesetzt, zeigen sich alle Menschen in ihren wahren Farben: Rot für die Liebenden, Grau für die Diebe, Gelb für die Lügner. Als überzeugter Moralist nutzt Jasný das allegorische Potential der Geschichte, als begnadeter Fantast füllt er sie mit rauschhaften Tanz- und Farb-Choreographien.

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Mittwoch 16.9.2020 – 20 Uhr
Von Wasser zu Wasser
UNDINE 74
BRD/A 1974, 84 Min., 35mm
Regie Rolf Thiele
Buch Ted Rose, Josef Czech
Literaturvorlage Friedrich de la Motte Fouqué
Kamera Wolf Wirth – Musik Peter Tschaikowski
Mit Angela von Radloff, Ingo Thouret, Gundy Grand, Elisabeth Flickenschildt

»Ist das eine Männerfantasie – oder eine Männerfantasie, die sich wehrt?«. Dies galt Christian Petzold als Leitfrage bei seiner Interpretation des Undine-Mythos, und zwischen diesen Polen bewegen sich auch unzählige Frauenfiguren der Filme Rolf Thieles. Vielleicht folgerichtig, dass er es war, der die Geschichte des Wasserwesens auf der Suche nach irdischer Liebe für das Deutschland der 70er neu erzählte, die zart romantischen, unverblümt erotischen und bitter satirischen Spielarten seines Spätwerks allesamt miteinander kombinierend.

»Das Märchen vom neugierigen Nixen-Mädchen, das aus dem Wasser mit großen Augen auf die Welt kam, um eine Menschenseele zu finden, einen Mann zu lieben und ihn zugrunde zu richten, ist in Rolf Thieles […] Inkarnation einer der allerschönsten und kompromisslosesten Filme seines Regisseurs, […] mit einem aufrichtigen unschuldigen Zauber und einer wahnwitzigen Interpretation seines Zeitgeistes.«
(Christoph Draxtra, Eskalierende Träume)

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Donnerstag 17.9.2020 – 20 Uhr
Von Wasser zu Wasser
UNDINE
D 1992, 96 Min., 35mm
Buch & Regie Eckhart Schmidt
Literaturvorlage Friedrich de la Motte Fouqué
Kamera Bernd Neubauer – Musik Joseph Hölderle, Claude Debussy
Mit Isabelle Pasco, Christopher Buchholz, Ludwig Dornauer, Anouschka Renzi

Eckhart Schmidt lässt seine Undine in das Terrain des modernen Heimatfilms eintauchen, hier entsteigt sie dem See einer von der Zerstörung bedrohten alpinen Bergwelt. Mit dieser ist die schöne Nixe auf Haut und Haar verbunden – und bald auch der Landvermesser Raoul, den es in ihren Bann zieht, und dem der Film mit wild romantischer Inbrunst folgt.

Vorprogramm:
UNDING UNDINE
BRD 1982, 15 Min., 16mm
Regie Monika Funke-Stern
Buch Monika Funke-Stern, Ute Aurand, Leopold
Kamera Leopold, Ute Aurand
Mit Leopold, Monika Funke-Stern, Ute Aurand

»Von Monika Funke-Stern ist der Film UNDING UNDINE, der in assoziativen, zum Teil sehr harten Schnitten Vorstellungen, Träume der Undine zu Kreta, zu Carl Maria von Webers Musik mit Fischernetz, Wasserflirren und tödlichen Nixenarmen reiht. Mit der Metapher ›Wasser = weiblich‹ wolle sie brechen, sagt die Filmemacherin.«
(Christel Dormagen, Courage)

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Samstag 19.9.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
THE BIG EASY – DER GROSSE LEICHTSINN
(THE BIG EASY)
USA 1986, DF, 101 Min., 35mm
Regie Jim McBride
Buch Daniel Petrie Jr.
Kamera Affonso Beato – Musik Brad Fiedel
Mit Dennis Quaid, Ellen Barkin, Ned Beatty, John Goodman

Schweißnasser Neo-Noir über die komplikationsreiche Affäre zwischen einem korrupten Cop und einer engagierten Staatsanwältin. Die dritte Hauptfigur im Bunde: Das pulsierende New Orleans.

»Eine Screwball-Komödie getarnt als glatter N’Awlins-Copthriller, soviel Eighties, dass es schon wieder unwiderstehlich ist. Genug Zydeco- und Cajun-Sound, um einen Alligator zu erdrosseln. Das erotische Element war damals wichtiger als heute, da funktioniert der Film beinahe als Zeitdokument.«
(Derek Godin, Letterboxd)

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Sonntag 20.9.2020 – 19:15 Uhr
Festival des ungesichteten Films
LASS KNACKEN, SCHÄTZCHEN / DER SEXBARON VON ST. PAULI
BRD 1980, 81 Min., 35mm
Regie Jürgen Enz
Buch Michael Eder, Jürgen Enz
Kamera Lutz Ziervogel – Musik Kurt Matthäus
Mit Margit Rauthe, Herbert Warnke, Andrea Wedeking, Horst Sieger

Nach Beendigung seiner Haftstrafe will sich Masken-Ronnie weiter durch die Welt gaunern, doch eine gewiefte Konkurrentin kommt ihm mit ihren eigenen Trickbetrügereien in die Quere. Zusätzlich garniert Jürgen Enz, poète maudit des deutschen Sexfilms, seine naturtrübe Variante einer Screwball-Komödie mit vielen Knackwürsten.

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Mittwoch 23.9.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
DAS FREUDENHAUS
BRD 1971, 92 Min., 35mm
Buch und Regie Alfred Weidenmann
Literaturvorlage Henry Jaeger
Kamera Ernst W. Kalinke – Musik Otto Schütt
Mit Karin Jacobsen, Herbert Fleischmann, Gisela Peltzer, Gisela Trowe

Alfred Weidenmann paart die Mittel des aufkeimenden Sexfilms mit der Form der tragikomischen Milieustudie, die mit großer Empathie von den Verstoßenen der Gesellschaft erzählt. Allen voran: die alternde Prostituierte Rosa und der erfolglose Zirkusclown Leopold, die gemeinsam ein Bordell eröffnen.

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Donnerstag 24.9.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
DIE FRAU NEBENAN
(LA FEMME D’À CÔTÉ)
F 1981, DF, 106 Min., 35mm
Regie François Truffaut
Buch François Truffaut, Suzanne Schiffman, Jean Aurel
Kamera William Lubtchansky – Musik Georges Delerue
Mit Gérard Depardieu, Fanny Ardant, Henri Garcin, Michèle Baumgartner

In der Frau nebenan, die soeben mit ihrem Ehemann einzog, erkennt Familienvater Bernard seine ehemalige Geliebte. Heimlich lassen die beiden ihre einstige amour fou wieder aufleben – vertrautes Terrain für Truffaut, inszeniert mit der trügerischen Gelassenheit eines Altmeisters.

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Freitag 25.9.2020 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert… die gnadenlose Welt des Italowestern – Sauerkraut-Western 

Angetrieben durch den Erfolg der Karl May-Filme fanden auch deutsche Western Anfang der 60er Jahre den Weg in die Kinos… 

DER LETZTE RITT NACH SANTA CRUZ
BRD/A 1964, 96 Min., 35mm
Regie Rolf Olsen
Buch Herbert Reinecker
Kamera Karl Loeb – Musik Erwin Halletz, Charly Niessen
Mit Mario Adorf, Klaus Kinski, Sieghardt Rupp, Marianne Koch, Marisa Mell

Der aus dem Gefängnis entlassene Mexikaner Pedro Ortiz möchte mit seiner Bande nach Santa Cruz. Dort lagert sein letzter Beutezug in einem Versteck. Aber er hat auch noch eine Rechnung mit dem ehemaligen Sheriff offen, der ihn einst hinter schwedische Gardinen brachte…

Der ausgesprochen umtriebige Rolf Olsen lieferte mit dem who-is-who der deutschsprachigen Filmszene einen zum Teil wegweisenden Abenteuerfilm ab, der bereits einige Stilelemente des Italo-Westerns vorwegnimmt. Mit seiner deutlichen Brutalität distanziert er sich komplett von der damals angesagten Karl May-Romantik, und bei den strapaziösen Dreharbeiten in der Wüste von Gran Canaria blieben nicht alle Knochen an ihrem angestammten Platz.

DIE GOLDSUCHER VON ARKANSAS
BRD/I/F 1964, DF, 98 Min., 35mm
Regie Paul Martin
Buch Herbert Reinecker, Hans Bilian, Werner P. Zibaso
Literaturvorlage Friedrich Gerstäcker
Kamera Jan Stallich – Musik Heinz Gietz
Mit Mario Adorf, Horst Frank, Brad Harris, Ralf Wolter, Marianne Hoppe

Im Marble City zahlt ein Indianer mit Gold. Das hätte er besser nicht getan. Denn erstens bezahlt er sein Geheimnis zusätzlich mit dem Leben. Und zweitens bricht das Goldfieber aus, das neben Siedlern auf der Suche nach Reichtum auch einige zwielichtige Gestalten auf den Plan ruft. Zudem wehren sich die Cherokee gegen die Vereinnahmung ihres Landes mit ihren eigenen Mitteln…

Friedrich Gerstäcker, der wiederum Karl May zu seinen Romanen inspirierte, lieferte die Vorlage zu diesem hübsch-naiven Western. Arkansas wurde preisgünstig in Jugoslawien und in den Barrandov-Studios nachgestellt. In einem Fernduell versuchte Mario Adorf zu beweisen, dass er ein besserer Bösewicht ist als Horst Frank.

Sonderveranstaltung: 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Sonntag 26.9.2020 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Anna Karina († 14.12.2019)
DIE GESCHICHTE DER NANA S.
(VIVRE SA VIE: FILM EN DOUZE TABLEAUX)
F 1962, OmU, 83 Min., s/w, 35mm
Buch & Regie Jean-Luc Godard
Literaturvorlage Marcel Sacotte
Kamera Raoul Coutard – Musik Michel Legrand
Mit Anna Karina, Sady Rebbot, Guylaine Schlumberger, André S. Labarthe

Ikone der Nouvelle Vague. Aus der Pose des Models tritt sie ein in den wirklichkeitsorientierten Film und in Godards Leben.

Wie für Andere Voyeurismus zur Definition des Kinos gehört, ist für Godard Prostitution im Spiel, wenn Schauspielerinnen sich vor die Kameras stellen.

Und Anna Karina war keine Körperschauspielerin, sie hatte es eher mit dem Blick – dieser Film zeigt’s. Wer sie in diesen Filmen mit Godards Liebesblick sieht, versteht, dass es zuletzt nicht nur um ihre Schönheit ging. Sie hat den Theoriestücken Seele eingehaucht. Das Leben ist nicht Film, und das Bild muss lügen, wo es nichts als die Wahrheit zu sagen scheint – was wiederum Godard verzweifeln ließ.

Vorprogramm:
EIN WOCHENENDE AUF DER ERDE IM JAHRE 2000
(ANTICIPATION)
F 1967, DF, 20 Min., s/w, 35mm
Buch & Regie Jean-Luc Godard
Kamera Pierre Lhomme – Musik Michel Legrand
Mit Anna Karina, Jacques Charrier, Jean-Pierre Léaud, Marilù Tolo

Bei Godard gibt es häufig diese Gesten, die den Zuschauer darauf hinweisen, dass der Reflex der Bilder auf der Leinwand noch nicht alles ist, was das Kino zu bieten hat. Was die Materie von Kinobildern ausmacht, hat er besonders überzeugend hier, in diesem Sketch, erfasst und übersetzt. Die Bilder pulsieren wie Plasma. Es ist, als dringe man in sie ein und wäre mit dabei, wenn Kino sich bildet.

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Sonntag 27.9.2020 – 19:15 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
ABSCHIED VON MATJORA
(Прощание)
UdSSR 1983, DF, 126 Min., 35mm
Regie Elem Klimow, Larissa Schepitko
Buch Larissa Schepitko, Rudolf Tjurin, German Klimow
Literaturvorlage Walentin Rasputin
Kamera Alexej Rodionow, Juri Schirtladse, Sergej Taraskin
Musik Wjatscheslaw Artjomow, Alfred Schnittke
Mit Stefanija Stanjuta, Lew Durow, Alexej Petrenko, Leonid Krjuk

Matjora soll einem Wasserkraftwerk weichen. Die Anwohner*innen müssen umgesiedelt werden, Heimat und Traditionen stehen auf dem Prüfstand. Uralte Bauernbräuche laufen Gefahr, ausgelöscht zu werden. Die alte Darja hat ihr ganzes Leben in diesem Dorf verbracht und weigert sich, zu gehen. Der Ort ist mehr als ihr Lebensmittelpunkt, er definiert sie. Die Frage nach Humanität steht im Vordergrund der Geschichte.

Ein Film mit einer bewegenden und langen Produktionsgeschichte, die sich um das Ehepaar Klimow/Schepitko dreht. Beide waren Studierende und zusammen mit Tarkowskij, Kontschalowskij und Muratova am Staatlichen Filminstitut. Schepitko stand besonders unter dem Einfluss von Dowschenko. Die Regisseurin stirbt 1979 während der Dreharbeiten an ihrem Film, den Klimow 1983 in ihrem Namen veröffentlicht: Appell gegen eine Ökonomie, die die Ökologie außer Acht lässt. In der Entstehungsgeschichte und der Inszenierung des Films spiegelt sich der Wandel der sowjetischen Filmindustrie im Hinblick auf Glasnost.

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Mittwoch 30.9.2020 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Irm Hermann († 26.5.2020)
HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN
BRD 1972, 88 Min., 35mm
Buch & Regie Rainer Werner Fassbinder
Kamera Dietrich Lohmann
Mit Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch

Ein Horrorfilm über die Adenauer-Ära. Irm Hermanns Figur nimmt Rache am kleinbürgerlichen Leben. Ihr Ehemann ist der titelgebende Obsthändler, der zu bescheiden ist für ihre Ansprüche.

Hermanns Schauspielerei war eine Art der Abstrahierung von Biederkeit. Das passte ganz wunderbar zu Fassbinder. Ihr deplatziertes Bayerisch presste aus ihr wie ein Angriffssignal, das herrührt von amputierten Gefühlen; an ihrer schmalen, hochgewachsenen Gestalt, die aneckt, saßen ganz fraglos die fassbinderschen Blümchenkleider. Dazu kam der Silberblick, der in strenge Kompositionen sich irritierend einfügte.

Sie war nicht haute volé und lebte angebunden an das Leben, das sie darstellte. Es ist ihrer Diktion anzumerken. Die zeitweise auch private Beziehung mit Fassbinder konfrontierte sie mit einer Scheinwelt, die sie vorher nicht kannte – sie litt unter ihm, sah ihre Rolle aber als Inbild für das Drama, wie Frauen Macht entwickeln können, um es ihren Unterdrückern gleichzumachen.

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