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Alle im November-Programm des Filmclub 813 angekündigten Filmveranstaltungen werden in den Folgemonaten, in denen wir wieder spielen können, sukzessive nachgeholt. Ab dem 1.12.2020 soll es weitergehen, sofern ein Virus das zuläßt.

Am 12.1.2021 wird der Filmclub 813 sein 30jähriges Bestehen feiern. Wir empfehlen, diesen Termin unbedingt vorzumerken!

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Update 23.11.2020: Ein Artikel mit dem aktuellen Konflik zwischen dem Filmclub 813 und dem Kölnischen Kunstverein als Aufhänger ist am Donnerstag, den 19.11.2020  in der Jungle World erschienen:  Lars Henrik Gass im Interview mit Mortiz Liewerscheidt.

https://jungle.world/artikel/2020/47/das-kommerzielle-kino-hat-keine-zukunft

 

Update 14.11.2020: Das haben unsere Kinofreunde vom Kino im Sprengel aus Hannover am 25.10.2020 in Ihrem Blog veröffentlicht:

https://blog.kino-im-sprengel.de/tag/kundigung-fur-filmclub-813

 

Update 10.11.2020: Hier zwei Artikel zum Thema, die am 7.11. und am 10.11. in der Kölnischen Rundschau erschienen sind. Der Artikel vom 10.11. bezieht sich direkt auf den vom 7.11., in dem ein nicht unerheblicher Sachverhalt falsch dargestellt wurde und korrigiert diesen:

Kölnische Rundschau vom 10.11.2020 (pdf-download)

Kölnische Rundschau vom 7.11.2020 (pdf-download)

 

Update 9.11.2020: Hier ein aufschlußreicher Artikel aus der aktuellen Stadtrevue (11/2020), geschrieben von Sven von Reden zum Download: Stadtrevue_2020.11_Film_Seite5 – Im drittletzten  Satz heißt es: „Klar ist, dass das Programm des Filmclub 813 für das Kölner Kulturleben unersetzbar ist.“

 

Update 8.11.2020: Hier das Video von 813-Mitglied Tobias Schmücking, welches er am 16.10.2020 gegen 12 Uhr aus bekannten Gründen gedreht hatte:

 

Update 7.11.2020: Eine kleine akustische Solidaritätsgeste von 813-Freund Felix Kubin aus Hamburg:

 

Update 6.11.2020: 813-Schnellballsystem: Jede/jeder, die/der den Offenen Brief unterschrieben hat, möge doch bitte drei weitere Sympathisanten finden. Die Verbreitung funktioniert dann so schnell, wie ein nicht zu unterschätzender Virus, der sich gerade quasi in aller Munde befindet. Aus 1 mach 3 mach 8 (!)

Den aktualisierten Offenen Brief findet man oben im Menü unter 8-1-3, NOUS RESTONS LÀ! –  also in English et en français!

 

Update 5.11.2020: Heute wurde der aktualisierte Offene Brief mit nun 695 Erst- und ZweitunterzeichnerInnen (Stand: 31.10.2020, 13:18 Uhr) zugestellt. Die Veröffentlichung erfolgt dann am morgigen Tage. Die/der 813te* wird gleichzeitig mit Bekanntgabe des gewählten Präsidenten einer Supermacht verlautbart (*Ein Jahr freier Entritt!).

 

Update 3.11.2020: Die Veröffentlichung aller bisherigen Unterschriften wird ungefähr zeitgleich mit dem Ergebnis der US-Präsidentwahl veröffentlicht. Wir haben zwar keine Briefwahl, aber zwei Verfahren, die noch zusammengeführt werden müssen. Auf jeden Fall wir es eine/en 813. UnterzeichnerIn geben, das ist mal sicher!

https://www.change.org/Offener_Brief_an_den_Kölnischen_Kunstverein_zur_Rücknahme_der_fristlosen_Kündigung_31_10_2020

Stand der 813- Online-Petition (s.u.) – 3.11.2020, 8:13 p.m.: 258 UnterzeichnerInnen – Tendenz steigend. – 22 Uhr: 344 – Insgesamt die Zahl von 1000 UnterzeichnerInnen überschritten.

https://www.change.org/Offener_Brief_an_den_Kölnischen_Kunstverein_zur_Rücknahme_der_fristlosen_Kündigung_31_10_2020

Unterschriftenaktion für den Erhalt des Filmclub-Kinos

Update 31.10.2020: Ab 13.18 Uhr ist nun eine Oneline Petition auf change.org in der Sache veröffentlicht und aktiv (s. u.). – Diese löst das bisherige Verfahren per Email an [email protected] ab. – Alle 695 Erst- und ZweitunterzeichnernInnen bis zum 31.10.2020, 13:17:59 Uhr sind erfaßt und werden noch heute dem Kölnischen Kunstverein in einem aktualisierten Brief nachgereicht und anschließend ebenfalls auf dieser Website veröffentlicht. Bitte nicht via change.org doppelt unterzeichnen! – Die Petition wird solange laufen, bis die fristlose Kündigung, die juristisch noch im Raum steht, zurückgenommen ist, um in Augenhöhe gemeinsam am Verhandlungstisch sitzen zu können. Denn Verhandlungen soll es laut aller Beteiligten von nun an geben. Eine juristische Auseinandersetzung soll vermieden werden, denn sie würde dem Kölner Kulturleben nur mehr als schaden!

https://www.change.org/Offener_Brief_an_den_Kölnischen_Kunstverein_zur_Rücknahme_der_fristlosen_Kündigung_31_10_2020

Update 30.10.2020:

Zur Stellungnahme des Kölnischen Kunstvereins auf www.koelnischerkunstverein.de/aktuell hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem Filmclub 813 – eine Replik

Der Vorwurf des Kölnischen Kunstvereins, der Filmclub 813 verstoße seit Jahren gegen elementare vertragliche Pflichten, ist unzutreffend. Daher ist auch die vom Kölnischer Kunstverein erklärte Kündigung weder sachlich nachvollziehbar noch rechtlich begründet.

Der Filmclub 813 hat seine Räumlichkeiten Dritten nicht ohne Zustimmung des Kölnischer Kunstverein überlassen. Es ist andersherum so, dass der Kölnische Kunstverein seinerseits dem Filmclub 813 die vertraglich geregelte und seit Jahren praktizierte Zustimmung zur Überlassung an Dritte für eine Veranstaltung im Oktober 2020 verweigert hat. Ziel des vom Filmclub 813 eingeleiteten einstweiligen Verfügungsverfahrens war die Verpflichtung zur Erteilung dieser Zustimmung durch den Kölnischer Kunstverein. Der Antrag wurde aus bloßen prozessualen Gründen, die mit den Eigenheiten eines Verfügungsverfahren zusammenhängen, zurück-genommen, nicht etwa aus inhaltlichen Gründen. Zur Frage, ob dem Filmclub 813 gegen den Kölnischer Kunstverein ein Anspruch auf Erteilung der Zustimmung zustand, gab es vom Gericht keine Beurteilung.

Eine Eskalation ist nicht von Seiten des Filmclub 813 ausgegangen, sondern vom Kölnischen Kunstverein, welcher durch die Verweigerung seiner Zustimmung Veranstaltungen verhindert hat.

Aber auch der Filmclub 813 hat natürlich Interesse an einer Einigung mit dem Kölnischen Kunstverein, der die Räumlichkeiten seinerseits von der Stadt Köln zur Verfügung gestellt bekommt. Die Überlassung der Räume auf einer einfacheren und klareren Grundlage, welche es dem Kölnischen Kunstverein ermöglicht, die Regelungen einzuhalten und einhalten zu wollen, wäre begrüßenswert.

Der Filmclub 813 jedenfalls arbeitet im Sinne der Kultur an einer einvernehmlichen Lösung.

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Die Zweitunterzeichnerliste unseres Offenen Briefes vom 23.10.2020 – mit der wir nun auf insgesamt 672 MitzeichnerInnen kommen (Stand: 30.10.2020, 23:18 Uhr) – wird morgen übergeben und anschließend unter 8-1-3, NOUS RESTONS LÀ! veröffentlicht. Unter anderem geben sich darauf Volker Schlöndorff und Rudolf Thome* die Ehre.  (*Sein Kinofilm ROTE SONNE aus dem Jahr 1970 war der allererste Film, den der Filmclub 813 am 12.1.1991 öffentlich in einem Kino, der Filmpalette gezeigt hatte. Am 12.1.2021 jährt sich dieser Tag dann zum 30. Mal, ergo werden wir dann – hoffentlich – unser 30jähriges Vereinsjubiläum feiern!

Update 28.10.2020: Hier unser ungekürzter Video-Beitrag zur Präsentation des Filmclub 813 im Rahmen der virtuellen Preisverleihung. Er darf gerne geteilt werden!

https://vimeo.com/469526797/

Update 27.10.2020: Eilmeldung: Kinopreis des Kinematheksverbundes an den Filmclub 813 e.V. und sein Kino 813 in der BRÜCKE in der Kategorie „Kino, das bildet“ (2. Platz)

https://vimeo.com/472207354

Zur Zeit haben ca. 200 ZweitunterzeichnerInnen unseren Offenen Brief unterschrieben (Stand: 16:40 Uhr). Sobald die damit verbundenen Fleißarbeiten der Namensübertragung abgeschlossen sind, wird der aktualisierte Brief veröffentlicht, aber nicht vor morgen. Gerne immer noch weiterverbreiten. – Der/die 813. UnterzeichnerIn hat ein Jahr freien Eintritt! – Gewünscht sind in der Regel Einzelpersonen als MitzeichnerInnen. Gerne können auch ganze Listen an [email protected] geschickt werden.

Update 26.10.2020:  Der Flügelschlag des Schmetterlings in China zieht seine Kreise…

WDR-Kulturnachrichten: Prominente unterstützen Kölner Filmclub 813

filmverstand.net: Filmclub 813 droht das Aus

filmdienst.de: Lars Henrik Gass „Die Kinokultur der Zukunft“

Das 813-November-Programm findet man nun rechts außen unter der Rubrik „Demnächst“ (aus bekannten Gründen ohne Gewähr),

Update 25.10.2020: Den Offenen Brief an den Kölnischen Kunstverein findet man unter dem Menü-Button 8-1-3, NOUS RESTONS LÀ! (siehe oben). Der Brief wird regelmäßig aktualisiert. Wer nun mitunterzeichnen möchte, schicke bitte eine E-Mail mit den Angaben Vorname, Name, Tätigkeit, Wohnort, ggf. Land an diese E-Mail-Adresse: [email protected]
Der Offene Brief hatte zum Zeitpunkt der Übergabe am 23.10.2020 bereits 318+ Erstunterzeichner! – Das Spiel geht nun aber erst recht weiter mit dem Ausbau der UnterzeicherInnenliste auf eine stattliche Anzahl von 813, 8138, 81381 oder gar 813813!

Das 813-Kinoprogamm läuft bisher ungestört weiter! Wir gehen im Moment davon aus, dass dies erst mal so bleiben wird. – Das 813-November-Programm wird – wahrscheinlich – erst morgen veröffentlicht. Es liegt in den letzten Zügen…

Update 22.10.2020: Oben unter dem Button 8-1-3, NOUS RESTONS LÀ! findet Ihr einen aktuellen Radio-Beitrag von WDR 3, gesendet am 20.10.2020 in der 12-Uhr-Sendung „Kultur am Mittag“ und ein Solidaritäts-Schreiben des Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. an den Kölnischen Kunstverein zur Rücknahme der fristlosen Kündigung.

Update 15.10.2020: Gestern war unsere Vorstellung mit EIN ERFOLGREICHER BLINDGÄNGER – unter Corona-Bedingungen (36 Zuschauer = 20% der Kapazität sind zurzeit erlaubt) – ausverkauft!

Es kamen im Laufe des Abends aber weit mehr Sympathisanten einfach so vorbei, um uns Ihre Solidarität zu bekunden! Wir haben uns riesig gefreut.

Der erste Anruf des heutigen Morgens kam von unserem Anwalt und Licht am Horizont erscheint: Er trifft sich am 28.10. mit dem gegnerischen Kollegen, um eine grundsätzliche Klärung der hoffentlich nicht ganz verfahrenen Situation anzugehen.

Von der „Gegenseite“ wurde signalisiert, dass man eine Räumung inklusive Schlüsselsperrung wohl ab dem 16.10. aussetze.

Wenn dem so sei, liefe unser 813-Kinoprogramm tatsächlich ab Sonntag wie gewohnt weiter!!

Heute Abend um 20 Uhr werden wir persönlich vor Ort im Kino 813 in der BRÜCKE informieren und auch ein improvisiertes Filmprogramm als leicht verdauliche Kost anbieten.

„8-1-3, nous restons la!“

14.10.2020:
Die letzte Vorstellung im Kino 813 in der BRÜCKE?

Dem Filmclub 813 e.V. wurde vom Kölnischen Kunstverein am 8.10.2020 überraschend außerordentlich und fristlos gekündigt. Die Übergabe der überlassenen Räumlichkeiten wie Kinosaal, Filmvorführraum und Büro in geräumtem und besenreinem Zustand soll am 16.10.2020, 12 Uhr erfolgen. Die Kündigung ist ungerechtfertigt und zudem juristisch unwirksam.

Wir wissen zur Zeit nicht, ob der Kölnische Kunstverein dazu bewegt werden kann, diese Kündigung zu revidieren.

Um unser Recht durchzusetzen, das Kino 813 in der BRÜCKE weiter bespielen zu können, rechnen wir mit einer juristischen Auseinandersetzung.

Sofern der Kölnische Kunstverein an der fristlosen Kündigung festhält, würde heute, am Mittwoch, den 14.10.2020 um 20 Uhr, die letzte reguläre auf unabsehbare Zeit Vorführung stattfinden. Die Leinwand bliebe dann bis auf weiteres dunkel.

Diese Kündigung bedroht einen einzigartigen Kulturort und die Existenz des bundesweit prämierten Filmclub 813 (u. a. Lotte-Eisner-Preis 2017) im ehemaligen und traditionsreichen Kino im British Council. Alleinstellungsmerkmal ist die Projektion analoger Filmkopien zu über neunzig Prozent.

Seit der Schließung der Kölner Cinemathek ist der Filmclub 813 das einzige Kino in Köln, das sich in seinem Programm systematisch dem filmhistorischen Erbe widmet.

Köln würde um das letzte historische Kino ärmer. Deshalb brauchen wir jegliche Unterstützung und Solidarität.

Kommt heute Abend vorbei!

Wir zeigen Albert Finneys EIN ERFOLGREICHER BLINDGÄNGER aus dem Jahr 1968, u. a. mit Liza Minelli in Technicolor!

Wir werden um den Erhalt unseres Kinos kämpfen: „8-1-3, nous restons la!“

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Liebes Publikum!

Am 9.9. haben wir nach über 5 Monaten Pause wieder wie gewohnt mit unserem Programm gestartet. Nur die zurzeit üblichen Corona-Schutzmaßnahmen sind neu. Derzeit finden im Kino 813 in der BRÜCKE unter Beachtung des Sicherheitsabstands nur eine begrenzte Zahl von Zuschauern Platz. Dabei ist aber die Belegung von Mehrfachplätzen (2er, 3er oder 4er) möglich, sofern man aus einem Haushalt kommt. Das Foyer dient zurzeit nicht als Aufenthaltsort, lediglich zum Kauf der Eintrittskarten. Alle Zuschauer müssen sich gemäß der Corona-Schutzverordnung registrieren. Ausführliche Informationen und das Registrierungsformular liegen am Einlass aus.

Das Tragen eines eigenen Mund-Nasen-Schutzes ist nicht nur beim Betreten des Gebäudes verpflichtend, sondern seit Freitag 2.10.2020 auch am Sitzplatz während der Vorstellung.

Wir freuen uns wieder das Licht unser Filmprojektoren zum Strahlen zu bringen und hoffen, trotz der Einschränkungen, ein paar schöne Stunden im Kino bieten zu können!

Das Programm im Monat Oktober:

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Sonntag 1.11.2020 – 19:15 Uhr
Black Horror Weekend
DEF BY TEMPTATION
USA 1990, OF, 95 Min., 35mm
Buch & Regie James Bond III
Kamera Ernest R. Dickerson – Musik Paul Laurence
Mit James Bond III, Kadeem Hardison, Cynthia Bond, Bill Nunn

Unter den schwarzen Horrorfilmen, derer es in den 90ern eine kleine Renaissance im Zuge des New Black Cinema gab, ist ein Film wie DEF BY TEMPTATION die B-Seite zu den Großproduktionen wie CANDYMAN: Preisgünstig produziert von einer fast ausschließlich afroamerikanischen Crew, mit großer Lust an Genre-Thrills und deftigem Humor, dabei trotzdem persönlich und intim. All das bündelt James Bond III in seiner Geschichte von zwei jungen Theologiestudenten, die sich in New York einer männermordenden Dämonin erwehren müssen.

»Part buddy comedy, part neon-soaked horror fever dream, this unsung 90s indie gem features stylish cinematography, an early performance by Samuel L. Jackson, a man-eating succubus, and a killer television.«
(Brooklyn Academy of Music)

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Mittwoch 4.11.2020 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
BLUE COLLAR
USA 1978, OmU, 111 Min., 35mm
Regie Paul Schrader
Buch Paul Schrader, Leonard Schrader, Sydney A. Glass
Kamera Bobby Byrne – Musik Jack Nitzsche
Mit Richard Pryor, Yaphet Kotto, Harvey Keitel

Gewerkschaftsverbrechen in Michigan, nahe der kanadischen Grenze, in einer Autofabrik, in der schon die Wagen für den TAXI DRIVER hergestellt werden. Kanada ist einmal am Horizont zu sehen, als graue Utopie. Es beginnt harmlos, das schwarze und weiße Amerika scheinen versöhnt in der Arbeiterklasse. Es ist aber ganz anders: Die herrschende Klasse versucht immer, die kleinen Leute auf den billigen Plätzen zu halten. Der Film handelt von drei Arbeitern, die erst pragmatisch handeln, nach und nach aber die politische Dimension ihres Dilemmas erkennen.

Kein Thriller, auch kein action-Film. New Hollywood mischte Kinoerfahrungen aus Europa unter die bekannten amerikanischen Formen. Eher ein Verräterfilm, wie ON THE WATERFRONT, nur dreißig Jahre später. Maoistisch, nicht mit dem Holzhammer, kommt Schraders Dramaturgie daher, die zweite Hälfte wirkt wie ein gärender Schock darüber, wie sehr Klassenfrage und struktureller Rassismus sich unablässig bedingen. Mehr als vierzig Jahre nach seinem Erscheinen ist dieser Blick auf Amerikas Kapitalismus aktueller denn je.

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Donnerstag 5.11.2020 – 20 Uhr
Wer ist der Wolf?
WOLF – DAS TIER IM MANNE
(WOLF)
USA 1994, DF, 125 Min., 35mm
Regie Mike Nichols
Buch Jim Harrison, Wesley Strick
Kamera Giuseppe Rotunno – Musik Ennio Morricone
Mit Jack Nicholson, Michelle Pfeiffer, James Spader, Christopher Plummer

Weit draußen vor der Stadt wird der Verleger Will Randall von einem schwarzen Wolf gebissen. In Tagen darauf schärfen sich zunehmend seine Sinne, seine physische Kraft nimmt enorm zu: Will wird zum Werwolf. Mit ungekannter Dreistigkeit stürzt er sich in eine Affäre mit der Tochter des Chefs und nimmt den Kampf gegen seinen verhassten Rivalen auf.

Nichols Werwolf-Film ist stimmungsvolles Horrorkino und zugleich Satire auf kapitalistische Strukturen in Managerkreisen – und damit auch auf männliches Imponiergehabe. Die Rolle des Wolfes im Manne ist ein gefundenes Fressen für Jack Nicholson.

»Consider it a corporate werewolf flick, a more mature look at the beast in all of us.«
(Mike Nichols)

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Freitag 6.11.2020 – 20 Uhr
Aus bekannten Gründen…
OCCUPIED CINEMA
(OKUPIRANI BIOSKOP)
SRB 2018, OmU, 87 Min., digital
Regie Senka Domanović
Kamera Siniša Dugonjić – Musik Hrvoje Nikšić
Mit Marko Aksentijević, Branko Andrić, Luka Bursać, Iva Čukić

»OCCUPIED CINEMA dokumentiert über einen längeren Zeitraum die Besetzung des Kinos ›Zvezda‹– eines von 15 auf einen Schlag stillgelegten Belgrader Kinos. Unter den Besetzer*innen finden sich einerseits Privatisierungsgegner*innen, die ein allgemeines politisches Interesse verfolgen, andererseits Filmemacher*innen und andere Menschen aus der Filmszene, die das Kino als solches reaktivieren wollen, um überhaupt einen Ort in Belgrad zu haben, an dem serbische Filme wieder gezeigt werden könnten. Die Besetzer*innen versuchen auch, die entlassenen Kinoarbeiter*innen und -angestellten für ihr Projekt zu gewinnen. Im Kino finden Filmveranstaltungen, Konzerte und Diskussionsveranstaltungen statt. Der Film zeigt vor allem die Diskussionen und Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe.«
(Kinothek Asta Nielsen)

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Samstag 7.11.2020 – 20 Uhr
Ennio Morricone: C‘era una volta la musica
ES WAR EINMAL IN AMERIKA
(ONCE UPON A TIME IN AMERICA)
USA/I 1984, 228 Min., DF, 35mm
Regie Sergio Leone
Buch Sergio Leone, Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini
Kamera Tonino Delli Colli – Musik Ennio Morricone
Mit Robert De Niro, James Woods, Elizabeth McGovern, Jennifer Connelly, Joe Pesci

Leones mythisches, komplex verschachteltes wie endlos auserzähltes Epos über die lebenslange Freundschaft zweier Gangster, die im New York der 1920er Jahre beginnt. Die Erzählwucht, mit der Leone seine Mafiasaga virtuos über mehrere Zeitebenen spinnt, ist ebenso verstörend wie die misogynen Züge, die immer wieder hässlich zum Vorschein kommen.

Ein Meisterwerk, kein Zweifel. Aber auch Kino, das spaltet. Die längsten Standing Ovations in Cannes stehen einem finanziellen Fiasko gegenüber. Leone überfordert sein Publikum wahrscheinlich auch. Es ist pures Kino, ein Film der Blicke, des Hin- und auch Wegsehens.

Eine gefühlte Ewigkeit schauen wir in Robert De Niros traurigen Blick. Und lauschen der elegischen, perfekt eingewobenen Musik Morricones, die bereits vor Beginn der Dreharbeiten komponiert war und bei der szenischen Arbeit am Set gespielt wurde. Seine Klänge reichen von dem wehmütig schwebenden Deborah‘s Theme über Gheorghe Zamfirs Panflötenmotiv – einer seiner wirkungsvollsten und auch bekanntesten Kompositionen.

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Sonntag 8.11.2020 – 19:15 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
DIE ZWEI LEBEN DER VERONIKA
(LA DOUBLE VIE DE VÉRONIQUE)
F/PL/N 1992, DF, 92 Min., 35mm
Regie Krzysztof Kieślowski
Buch Krzysztof Kieślowski, Krzysztof Piesiewicz
Kamera Sławomir Idziak – Musik Zbigniew Preisner
Mit Irène Jacob, Philippe Volter, Kalina Jedrusik, Guillaume de Tonquédec

Zwei Frauen, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen: die Chorsängerin Weronika, die ihr Leben der Musik opfert und für ihre Karriere von Warschau nach Krakau geht, und die Musiklehrerin Véronique, die in Frankreich ihre Ambitionen als Sängerin aufgibt, sich dafür aber in einen Marionettenspieler verliebt. Kieslowskis poetische Geschichte kann gleichzeitig als eine Reflexion über moderne Identität wie auch als politische Allegorie gelesen werden.

»Kieslowski hält seinen Film meisterhaft in der Schwebe zwischen Realismus und Parabel, zwischen dem Individuellen und dem Typischen der Person, dem eigentlichen Thema des Films. ›Ich versuche, die Zahnschmerzen zu erzählen. Anders ausgedrückt: Ein tiefgläubiger Mensch hat genauso Zahnschmerzen wie ein Atheist.‹ Nicht die Differenz zweier Sozialisationen interessieren den Regisseur, sondern mögliche Korrespondenzen, das gelegentliche Wunder des Alltags.«
(Michaela Ott, FAZ)

Ein Film darüber, wie ein Leben von mehr als dem, was mit der Ratio zu fassen ist, beeinflusst werden kann und wie verschiedene Leben sich beeinflussen oder gar einander bedingen können. Kieślowski kreiert einen Zusammenhang zwischen dem Leben von Weronika und den Veränderungen, die Véronique in ihrem Leben vornehmen will. Die Geschichte wird kohärent durch ihre Stimmungen.

Das Doppelgängermotiv ist weniger religiös konnotiert, steht dafür eher in einem autonomen Rahmen. Die beiden jungen Frauen sind keine Heiligen, die spirituelle Dimension lässt den Film nie abheben. Die Bilder halten Verbindung zu uns: sie deuten Altern, Sterblichkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens an, sie zeigen das Ende des Kommunismus in Osteuropa, Straßendemonstrationen in Krakau oder das Entfernen einer Lenin-Statue von einem öffentlichen Platz.

Einführung: Philipp Hanke, Filmmuseum Düsseldorf

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Mittwoch 11.11.2020 – 20 Uhr
Paris mon amour
IM MANTEL DER NACHT / DAS GEHEIMNIS DER DAME IN WEISS
(LE DÉSORDRE ET LA NUIT)
F 1958, DF, 95 Min., s/w, 35mm
Regie Gilles Grangier
Buch Jacques Robert, Gilles Grangier, Michel Audiard
Literaturvorlage Jacques Robert
Kamera Louis Page – Musik Jean Yatove
Mit Jean Gabin, Danielle Darrieux, Nadja Tiller, Hazel Scott

Der Mord an einem Nachtclub-Besitzer ruft Inspektor Jean Gabin auf den Plan und führt ihn auf die Spuren von Nadja Tiller als Deutsche aus gutem Hause, die in der enttäuschten Hoffnung auf eine Gesangskarriere dem Rauschgift verfallen ist. Die beiden vollführen einen immer enger umschlungenen Tanz zweier verlorener Seelen durch das nachtschwarze Paris der verruchten Jazzlokale und Stundenhotels, der zwielichtigen Halbweltgestalten und der moralischen Grauzonen.

Im Vorprogramm:
PARIS LA NUIT
F 1956, 23 Min., s/w, 16mm
Buch & Regie Jacques Baratier, Jean Valère
Kamera Maurice Barry – Musik Georges van Parys

Ein wortloses Nocturne aus dem Herzen des Pariser Nachtlebens. Jean Cocteau bewunderte seinerzeit die »erstaunliche Anmut, die Kraft, die Lebendigkeit« des Films.

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Donnerstag 12.11.2020
VIDEONALE.scope

19:30 Uhr
Kurzfilme #2
Sechs Filme über die sinnliche Erfahrung von Raum und von Körpern in der Zeit:
BLACK Anouk De Clercq (5’)
OPTIC NERVE Barbara Hammer (17’)
UNTITLED SEQUENCE OF GAPS Vika Kirchenbauer (13‘)
EARS, NOSE AND THROAT Kevin J. Everson (11’)
LOSING SLEEP Doug Porter (15’)
WALLED UNWALLED Lawrence Abu Hamdan (21’)

Im Anschluss: Vika Kirchenbauer im Gespräch

21:30 Uhr
Kurzfilme #3
Ein Programm über das Begreifen des Körpers im und als Bild:
THE PIPS Emily Wardill (4’)
HER + HIM Akram Zaatari (32’)
ROSEBUD James Richards (13’)
SANCTUS Barbara Hammer (19’)
A ROUGH HISTORY (OF THE DESTRUCTION OF FINGERPRINTS) Ayesha Hameed (10’)

Eine Veranstaltung der Videonale eV
Eintritt: 5 € / 3 € (Kombiticket 8 € / 4 €)

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Freitag 13.11.2020 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert… die gnadenlose Welt des Italowestern
Ein Abend für Anthony Steffen (Teil 2)

Anthony Steffen darf erneut seinen Colt auspacken und in seiner unnachahmlichen Manier aufräumen.

CHAMACO
(KILLER KID)
I 1967, DF, 88 Min., 35mm
Regie Leopoldo Savona
Buch Sergio Garrone, Ottavio Poggi, Leopoldo Savona
Kamera Sandro Mancori – Musik Berto Pisano
Mit Anthony Steffen, Luisa Baratto, Fernando Sancho, Giovanni Cianfriglia

Wir starten den Abend mit einem Blick in das Jahr 1967, als Italowestern wie am Fließband gedreht wurden. Anthony Steffen wird als Undercover-Agent in die mexikanischen Revolutionsgarden eingeschleust und trifft dort auf den Revolutionsführer El Santo und dessen Kumpan, den Parade-Mexikaner Fernando Sancho.

Regisseur Savona hatte mit einem äußerst niedrigen Budget zu kämpfen und setzte seinen Revolutionswestern geschickt in den Steinbrüchen und Kiesgruben Italiens in Szene. Dass ihm das gelang, lobte sogar das Lexikon des internationalen Films.

FUZZY, HALT DIE OHREN STEIF
(UNO, DOS, TRES… DISPARA OTRA VEZ)
I/E 1973, DF, 84 Min., 35mm
Regie Tulio Demicheli
Buch Miguel Iglesias Bonns, Enrique Josa, Nino Stresa
Kamera Guglielmo Mancori – Musik Lallo Gori
Mit Anthony Steffen, Roberto Camardiel, Eduardo Fajardo, Maria Elena Arpòn

Anschließend machen wir einen kleinen Zeitsprung in die 1970er Jahre, als sich der Italowestern zunehmend an der Prügelkomik von Spencer & Hill orientierte. Steffen mimt dauergrinsend den Schürzenjäger Tequila, dessen einfältiger Kumpane Fuzzy ständig mit dem brutalen Kopfgeldjäger Hinkender Geier verwechselt wird – was zu allerhand chaotischen Szenen führt.

Zum Glück driftet FUZZY aber nicht komplett in Klamauk ab, sondern mixt routiniert alte und neue Stilelemente zu einem unterhaltsamen und bunten Treiben.

Sonderveranstaltung 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 14.11.2020 – 20 Uhr
Festival des ungesichteten Films
KATMANDU
(LES CHEMINS DE KATMANDOU)
F/I 1969, DF, 100 Min., 35mm
Regie André Cayatte
Buch André Cayatte, René Barjavel, Mario Forni, Lina Wertmüller
Literaturvorlage René Barjavel
Kamera Andréas Winding – Musik Serge Gainsbourg, Jean-Claude Vannier
Mit Pascale Audret, Jane Birkin, Serge Gainsbourg, Elsa Martinelli

Wo ein Altmeister des sozial engagierten Kinos von jungen Menschen auf ihrer Selbstfindungsreise nach Nepal erzählt, entsteht eines der ungewöhnlichsten Portraits der Hippie-Ära, ungeschönt und doch vorurteilsfrei, dabei so mitreißend wie Serge Gainsbourgs kürzlich wiederentdeckter Soundtrack.

Mit Trailern und Kurzfilm im Vorprogramm!

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Sonntag 15.11.2020 – 19:15 Uhr
Festival des ungesichteten Films
HERBST DER GAMMLER
BRD 1967, 67 Min., s/w, 16mm
Buch & Regie Peter Fleischmann
Kamera Klaus Müller-Laue

Für seine behutsame Fernsehdokumentation holt Peter Fleischmann zwei im München des Jahres 1966 nebeneinander lebende Welten vor die Kamera: Überzeugte Gammler und ›besorgte Bürger‹, die sich von der entspannten, manchmal etwas unbeholfenen Verträumtheit der jungen Leute zur Weißglut treiben lassen.

Mit Trailern und Kurzfilm im Vorprogramm!

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Mittwoch 18.11.2020 – 20 Uhr
Ennio Morricone: C’era una volta la musica
THE FIFTH CORD
(GIORNATA NERA PER L’ARIETE)
I 1971, 91 Min., DF, 35mm
Regie Luigi Bazzoni
Buch Luigi Bazzoni, Mario Di Nardo, Mario Fanelli
Literaturvorlage David McDonald Devine
Kamera Vittorio Storaro – Musik Ennio Morricone
Mit Franco Nero, Silvia Monti, Wolfgang Preiss, Pamela Tiffin, Maurizio Bonuglia

Nach dem Besuch einer Silvesterparty erfährt ein Reporter, dass einer der anderen Gäste auf seinem Heimweg brutal überfallen wurde. Als weitere Partybesucher Opfer eines mysteriösen Killers werden, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Für die Polizei gerät er jedoch selbst schnell in den Kreis der Verdächtigen.

Der Plot mag auf den ersten Blick dem Giallo-Handbuch entnommen zu sein, was Bazzoni hier jedoch visuell auftischt, sucht im italienischen Genre-Kino schon Ebenbürtiges. Ohnehin hat man es hier keineswegs mit einem Standard-Krimi zu tun, sondern mit einem einnehmenden Bilderreigen, von Oscar-Preisträger Vittorio Storaro beeindruckend eingefangen und perfekt untermalt von Morricones mal beschwingt-loungigem, mal unheilvoll-schönem Score.

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Donnerstag 19.11.2020 – 20 Uhr
Wer ist der Wolf?
UNDERWORLD
USA/GB/D/H 2003, OF, 121 Min., 35mm
Regie Len Wiseman
Buch Danny McBride
Kamera Tony Pierce-Roberts – Musik Paul Haslinger
Mit Kate Beckinsale, Scott Speedman, Bill Nighy, Michael Sheen, Shane Brolly

Inmitten unserer Städte liefern sich Vampire und Lycaner seit Äonen einen erbitterten Krieg. Die Vampirin Selene kommt hinter eine Verschwörung, in welcher der Vampir Kraven einen Pakt mit dem legendären Werwolf Lucian schloss. Um im Kampf gegen die Abtrünnigen einen Verbündeten zu haben, erweckt Selene den Vampirfürsten Viktor wieder zum Leben.

In seinem Spielfilmdebüt erzeugt Wiseman mit finsteren, blau-schwarzen Bildern eine unheimliche Parallelwelt, in der in atemberaubendem Tempo und erstklassig choreographierten Kämpfen die Monster toben. Untermalt von der treibenden Musik Haslingers ist UNDERWORLD eine Kreuzung von gothic horror mit modernem Comic-Martial-Arts-Kino.

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Freitag 20.11.2020 – 20 Uhr
Grenzübergänge: Westliche Importfilme in der DDR
DER MANN VON MALLORCA
(MANNEN FRÅN MALLORCA)
S 1984, DF, 107 Min., 35mm
Buch & Regie Bo Widerberg
Literaturvorlage Leif G.W. Persson
Kamera Thomas Wahlberg – Musik Björn J:son Lindh
Mit Sven Wollter, Tomas von Brömssen, Håkan Serner, Ernst Günther

»An einem Vorweihnachtstag überfällt ein Unbekannter ein Postamt und erbeutet einen immensen Betrag. Kurz vor der Aufklärung des Falles durch zwei Kriminalbeamte machen unerwartete Verwicklungen aus der Angelegenheit einen politisch brisanten Fall. Widerberg wählte für seinen zweiten Vorstoß in das Genre des Kriminalfilms eine dokumentarisch-nüchterne Erzählweise und zeichnet ein niederschmetterndes Bild der gesellschaftlichen Zustände Schwedens.«
(Filmkollektiv Frankfurt)

Bo Widerberg, das bestgehütete Geheimnis unter den schwedischen Meisterregisseuren, war ein gern gesehener Gast in der DDR. Etliche seiner Filme wurden importiert, drei davon erhielten Kinostarts mit DEFA-eigenen Synchronfassungen – während DER MANN VON MALLORCA in der BRD direkt ins Fernsehprogramm abwanderte. Ein Versäumnis, denn er steht mit seinem trockenen Humor, seiner politischen Hellsichtigkeit und seiner dynamischen Inszenierung den desillusionierten Thrillern des New Hollywood in nichts nach.

In Kooperation mit der Universität zu Köln

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Samstag 21.11.2020 – 21:45 Uhr
Grenzübergänge: Westliche Importfilme in der DDR
STUNTS – MÄNNER OHNE NERVEN
(STUNTS)
USA 1977, DF, 89 Min., 35mm
Regie Mark L. Lester
Buch Dennis Johnson, Barney Cohen
Kamera Bruce Logan – Musik Michael Kamen
Mit Robert Forster, Fiona Lewis, Ray Sharkey, Joanna Cassidy

»Es geht also um eine Gruppe von Stuntmen, die einer nach dem anderen ermordet werden, so dass es wie bedauerliche Unfälle in ihrem Metier aussieht. Aber dann eben auch um Kapitalismuskritik, genauer: eine beißende Kritik am amerika-nischen Filmbusiness, an seinen knall-harten Hierarchien und zynischen hohen Funktionären […].«
(Nicolai Bühnemann, Filmgazette)

Die Mischung aus tolldreistem Action-film und klassischem Detektivkrimi ist einer der seltenen Ausflüge der DEFA in die Niederungen des amerikanischen B-Movies, das Publikum dankte es ihr mit hohen Besuchszahlen.

In Kooperation mit der Universität zu Köln

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Sonntag 22.11.2020 – 19:15 Uhr
Grenzübergänge: Westliche Importfilme in der DDR
ALLES TANZT NACH MEINER PFEIFE
(L’HOMME ORCHESTRE)
F/I 1970, DF, 81 Min., 35mm
Regie Serge Korber
Buch Jean Halain, Serge Korber – Vorlage Géza von Radványi
Kamera Jean Rabier – Musik François de Roubaix
Mit Louis de Funès, Noëlle Adam, Olivier de Funès, Puck Adams

Als Leiter eines international angesehenen Ballett-Ensembles ist Evan Evans stets um den asketischen Lebenswandel seiner Tänzerinnen bemüht. Um diesen ist es spätestens dann geschehen, als plötzlich ein Baby auftaucht – das auch noch von seinem Sohn zu stammen scheint.

Ursprünglich von Géza von Radványi als Musical in der Nachfolge der MÄDCHEN VON ROCHEFORT konzipiert, dann zum Louis de Funès-Vehikel umfunktioniert und dem ehemaligen Radrennfahrer Serge Korber anvertraut, den de Funès für einen Nouvelle Vague-Regisseur hielt – eine sonderbare Mixtur, die gern als Fußnote in der Filmographie seines Stars abgetan wird. Ein Missverständnis, ist der Film doch kein Slapstick-Fließbandprodukt, sondern stattdessen ein überschwängliches Pop-Art-Meisterstück, eine Explosion der schrillen Farben und kreativen Tanz-Choreographien, durch und durch Musik, getragen von einem der prächtigsten Soundtracks des Großmeisters François de Roubaix.

De Funès, der hier in einer seiner vielseitigsten Performances brilliert, erfreute sich auch in der DDR großer Beliebtheit. Fast alle seine Filme liefen dort, zumeist in der westdeutschen Synchronfassung. ALLES TANZT NACH MEINER PFEIFE gehört zu den wenigen, die eigens von der DEFA bearbeitet wurden, und ist somit näher am französischen Original und zwei Minuten länger als in der BRD.

In Kooperation mit der Universität zu Köln

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Mittwoch 25.11.2020 – 20 Uhr
Ennio Morricone: C’era una volta la musica
DIE SCHÖNSTE FRAU
(LA MOGLIE PIÙ BELLA)
I 1970, DF, 108 Min., 35mm
Regie Damiano Damiani
Buch Damiano Damiani, Enrico Ribulsi, Sofia Scandurra
Kamera Franco Di Giacomo – Musik Ennio Morricone
Mit Ornella Muti, Alessio Orano, Pierluigi Aprà, Tano Cimarosa

»LA MOGLIE PIÙ BELLA […] schafft es, seinen (melo-)dramatischen Grundkonflikt – die patriarchale Familien- und Gesellschaftsstruktur Italiens, speziell Siziliens in den 1960er Jahren – in ein bestechendes Porträt von Landschaft, Sitten und Traditionen zu integrieren. Die noch nicht volljährige Ornella Muti (was für eine kraftvolle Darstellung!) soll an einen lokalen Mafia-Vertreter verheiratet werden, setzt sich zur Wehr und ruft gegen alle Widerstände, nachdem sie vergewaltigt worden ist, die italienische Rechtsstaatlichkeit auf den Plan. […] ein sozialkritisch fundiertes, in fantastisch ausgenutzten Cinemascope-Bildern erzähltes Melodram.«
(Tilman Schumacher)

Einen beträchtlichen Teil von Morricones Œuvre machten dezidiert politische Filme
linker Intellektueller aus, für die er seine treibendsten Musiken komponierte und ihnen so einen beträchtlichen Teil ihrer agitatorischen Wirkung gab. Er gönnt Damianis gründlicher Entromantisierung des Mafiafilms immer wieder auch elegische Passagen, doch setzt das Geschehen gleich darauf wieder umso mehr unter Strom.

In Anschluss an die Reihe Grenzübergänge: Westliche Importfilme in der DDR zeigen wir auch diesen – in der BRD nie im Kino aufgeführten – Film in einer DDR-Kopie mit DEFA-Synchronfassung.

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Donnerstag 26.11.2020 – 20 Uhr
Zum 80. Geburtstag von Klaus Lemke (* 13.10.1940)
DIE RATTE
D 1993, 82 Min., digital
Regie Klaus Lemke
Buch Frank Göhre, Klaus Lemke
Kamera Lothar Elias Stickelbrucks – Musik Ricardo Jervis Lyte, Don Cherry
Mit Thomas Kretschmann, Marco Heinz, Andrea Heuer, Lilo Wanders, Rocko Schamoni

»Der [Protagonist], das ist Sven, ein Irrwisch und Impresario, hustler und midnight cowboy, daheim auf dem Hamburger Kiez, zwischen Nutten und Zuhältern und Dealern und Polizisten. Ein Panorama seines Lebens zeigt DIE RATTE, einen Tag zusammen mit seinem kleinen Bruder Ricki, der den älteren bewundert, ihm nacheifern will. […] Eine atemlose Dreistigkeit zeichnet ihn aus, diesen Film von Klaus Lemke, eine dreiste Ekstase und ein ekstatischer Elan, das kann man nicht voneinander separieren, weil es der RATTE ganz ernst ist, mit dem Leben, mit der Liebe und mit dem Kino.«
(Ivo Ritzer)

»Mindestens die ersten fünfzehn Minuten des Films sind das Beste, was in Deutschland in den 90ern gedreht wurde.«
(Dominik Graf)

»Der Film wirkt wie die morgendliche Luft nach einer durchzechten Nacht, wenn man sich noch leicht benebelt, aber einigermaßen ausgeschlafen auf den Weg machen kann, angenehme Dinge zu erledigen.«
(Stefan Ertl)

Im Vorprogramm:
KLEINE FRONT
BRD 1965, 23 Min., s/w, 35mm
Regie Klaus Lemke
Buch Klaus Lemke, Max Zihlmann
Kamera Hubs Hagen
Mit Werner Enke, Heinz Klopp, Horst Söhnlein, May Spils

»Mein erster Film. Und gleich sofort drei Jungs zwischen Größenwahn und scheinbar falsch verstandenem amerikanischen Kino. Werner Enke als Belmondo. […] Wenn der Enke da […] Vietnam im Wald spielt und vor sich hin murmelt, dann ist das was, das hatte man im deutschen Kino so noch nicht gehört. Das war zwar laienhaft, aber es war echt, und das hat die Leute damals getroffen.«
(Klaus Lemke)

Mit Bonusfilm im Anschluss!

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Freitag 27.11.2020 – 19.30 Uhr
Cinema RESIST!

Im Rahmen der Ausstellung Resist! Die Kunst des Widerstands zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum von November 2020 bis April 2021 sechs Filme, die aus der Perspektive des Globalen Südens Widerstandsbewegungen gegen die koloniale Unterdrückung oder Spuren des Kolonialismus bis in die Gegenwart verhandeln. Dabei geht es um selbstermächtigende Gegenerzählungen, um filmische Repräsentation, die die koloniale Vergangenheit im Sinne eines andauernden Dekolonisierungsprozesses gegen den Strich bürsten.

OUVERTURES
GB/F 2020, 132 Min., digital
Buch & Regie The Living and the Dead Ensemble
Literaturvorlage Édouard Glissant
Kamera Louis Henderson, Diana Vidrascu – Musik João Polido
Mit Jude Joseph, Jephté Carmil, James Fleurissaint, Rossi Jacques Casimir

Die Revolution von Haiti war ein Testfall für die Ideale der Französischen Revolution: Was taugt das Versprechen, dass alle Menschen Brüder sind und dieselben unverbrüchlichen Rechte genießen, solange es Kolonien und Sklaverei gibt? Nichts, fanden die versklavten Bewohner*innen von Haiti und rebellierten 1791 gegen die Besitzer der Zuckerrohrplantagen. Ihrem Anführer Toussaint Louverture widmete der antillanische Schriftsteller Édouard Glissant 1961 Monsieur Toussaint, ein Theaterstück, das als Dreh- und Angelpunkt für OUVERTURES dient.

Louis Henderson, Olivier Marboeuf und die Theatergruppe The Living and The Dead Ensemble studieren es in Port-au-Prince ein. Sie filmen sich dabei, und das Ergebnis ist ein Experiment in drei Teilen: eine Recherche auf den Spuren Louvertures, ein Experiment in geteilter Autorschaft und kollektivem Filmemachen – schließlich der Einbruch einer magischen Wirklichkeit, in der die Geister der Toten lebendig bleiben.
(Berlinale Forum)

» […] Unablässig arbeitet das Ensemble an der Übersetzung der Sprache, der Ideen, der Bilder: Sie rappen, streifen über die Strände und Märkte der Insel, beschwören den Geist der Republik, und diskutieren über Feminismus und die Rolle des Voodoo, über Baron Samedi, die Trance und die Spiritualität. […] Der Film ist nicht nur ein poetischer und gedankenreicher Essay zu Fragen des Austauschs und der Übersetzung. Er ist eine Übung in Kreolisierung. Wie würde die Revolution heute klingen?«
(Thekla Dannenberg)

In Anwesenheit von Olivier Marboeuf und Louis Henderson

Eine Kooperation mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum

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Samstag 28.11.2020 – 20 Uhr
Ennio Morricone: C’era una volta la musica
PRIMA DELLA RIVOLUZIONE
(BEFORE THE REVOLUTION)
I 1964, OmeU, 115 Min., s/w, 35mm
Regie Bernardo Bertolucci
Buch Bernardo Bertolucci, Gianni Amico
Literaturvorlage Stendhal
Kamera Aldo Scavarda – Musik Ennio Morricone, Gino Paoli (Songs)
Mit Adriana Asti, Franceso Barilli, Allen Midgette

Selten ist ein Talent mit solcher Leuchtkraft in die Filmszene eingebrochen, wie Bertolucci es mit diesem Film tat. Fünf Jahre vor 68. Auf der Straße die Herrschaft der Parolen; draußen, im Film, regiert die Ambivalenz. Bertolucci befreit sich mit dem Paar Fabrizio und Agostino von vorgezeichneten Rollen: Marxist zu sein, Mann zu sein, zu den Reichen zu gehören. Die Lösung: sowohl das eine wie das andere.

Das Motto, das diesen Film einleitet, verweist auf dieses Dilemma: »Nur wer vor der Revolution gelebt hat, wusste, wie süß das Leben sein könnte« (de Talleyrand).

Was Bertolucci mit Pasolini verbindet: Er bleibt immer der sich radikalisierende Bürgersohn und weiß darum. Das Filmemachen ist seine Praxis dagegen. Mit diesen beiden Herren arbeitete Ennio Morricone übrigens mehrfach zusammen. An die Tempi-Wechsel von Bertoluccis üppigem Ästhetizismus schmiegt er sich an: eine Elegie auf Parma.

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Sonntag 29.11.2020 – 19:15 Uhr
Paris mon amour
SIE
BRD 1954, 95 Min., s/w, 35mm
Buch & Regie Rolf Thiele
Literaturvorlage Gábor von Vaszary
Kamera Karl Schröder – Musik Hans-Martin Majewski
Mit Marina Vlady, Walter Giller, Nadja Tiller, Hilde Hildebrand

Pressezeichner Ypsilon und die junge Französin Céline leben und lieben ohne Trauschein in Paris, eine Welt der nicht immer leichten, aber trauten Zweisamkeit. Diese gerät ins Wanken, als die rassige Italienerin Din auf der Bildfläche erscheint.

Der Auftakt der langen, fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Rolf Thiele und Nadja Tiller ist ein mal heiter-beschwingtes, mal wehmütiges Lustspiel mit genauem, zärtlichem Gespür für die Irrungen und Wirrungen junger Liebe.

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