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Freitag 19.4.2019 – 19:15 Uhr
Zum Karfreitag
ACTO DA PRIMAVERA
(DER LEIDENSWEG JESU IN CURALHA)
POR 1963 – OmU – 90 Min. – 35mm
Buch & Regie Manoel de Oliveira
Literaturvorlage Francisco Vaz de Guimarães – Kamera Manoel de Oliveira
Mit Nicolau Nunes da Silva, Ermelinda Pires, Maria Madalena, Amélia Chaves

Alljährlich in der Karwoche führen die Bewohner des portugiesischen Dorfs Curalha ein Passionsspiel im Geiste einer aus dem 16. Jahrhundert überlieferten Tradition auf. Durch Zufall wird Manoel de Oliviera Ende der 1950er tief beeindruckter Zeuge davon. In ACTO DA PRIMAVERA lässt er das Schauspiel für seine Kameras nachstellen, und zugleich beobachtet sein Film auch die eigene Entstehung. Die einzige in Deutschland davon erhaltene Kopie hat leider einen Rotstich.

»ACTO DA PRIMAVERA […] verlangt vom Publikum entweder totale Kommunikation oder heidnische Distanz. Man vergisst, wie es auch immer sei, dass diese Passion ein Schauspiel ist – die Dornenkrone, die Nägel, die Lanze in der Seite Jesu und einige Blutstropfen besitzen inmitten der ländlichen Schlichtheit dieses ›Frühlingsspiels‹ eine derartige Stärke […].«
(Jean-Claude Biette, Cahiers du Cinéma)

»Dieser Film überrascht, bewegt und ist von außerordentlicher Schönheit; die Zeit wird seinen Wert und seine Aktualität bewahren.«
(Henrique Alves Costa)

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Samstag 20.4.2019 – 20 Uhr
813-Carte blanche: Jan-Dirk Schmieder
ACHTERBAHN
(ROLLERCOASTER)
USA 1977 – DF – 118 Min. – 35mm
Regie James Goldstone
Buch Richard Levinson, William Link
Kamera David M. Walsh – Musik Lalo Schifrin
Mit George Segal, Timothy Bottoms, Richard Widmark, Susan Strasberg, Henry Fonda

1952, als Cinerama das Kino bereicherte, platzierten die Erfinder zum Test entsprechende Kameras an die Vorderseite der Achterbahn in Coney Island. Das Ergebnis war eine spektakuläre Subjektive, die damals als Vorfilm gezeigt wurde. Die Universal kam mehr als zwanzig Jahre später auf die Idee, um diese Spielerei einen Thriller zu bauen: Verfolgt von einem entschlossenen Ermittler, reist ein wahnsinniger Sprengstoffspezialist durchs Land, um die Besitzer von Freizeitparks zu erpressen.

James Goldstone gelingt es, die Jagd auf den Psychopathen zu einem fesselnden Katz- und Maus-Spiel über mehrere Vergnügungsparks und US-Bundesstaaten zu entwickeln, bei dem die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren im Mittelpunkt steht. Zu sehen ist auch die noch sehr junge Helen Hunt in einer ihrer ersten Rollen.

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Sonntag 21.4.2019 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Bernardo Bertolucci († 26.11.2018)
DER GROSSE IRRTUM
(IL CONFORMISTA)
ITA/FRA/BRD 1970 – DF – 110 Min. – 35mm
Buch & Regie Bernardo Bertolucci
Literaturvorlage Alberto Moravia
Kamera Vittorio Storaro – Musik Georges Delerue
Mit Jean-Louis Trintignant, Stefania Sandrelli, Dominique Sanda, Enzo Taroscio

In einer der berühmtesten Passagen im Markusevangelium wird die Frage gestellt, was ein Mann gewinnt, wenn er die ganze Welt bekommt, aber seine Seele verliert. Was passiert aber mit einem Mann, der keine Seele mehr zu verlieren hat?

Bertoluccis Film handelt von einem Mann als Schimäre, der besessen davon ist, in seine Umgebung, die Gesellschaft, zu passen, bis zur Selbstaufgabe – gebaut ist das aus sich verschränkenden Rückblenden, seinen Erinnerungen an die Kindheit, an eine Art Urszene: einen vermeintlichen und unentdeckt gebliebenen Mord; schließlich an sein konformistisches Verhalten im italienischen Faschismus der 1930er Jahre – im Angesicht der beiden Frauen in seinem Leben und seinem einstigen Mentor: an allen wird er sich schuldig machen.

»Es ist die große Tradition des italienischen Kinos, aus Geschichte Spektakel zu machen. Bilder, vom Faschismus produziert, deren Wurzeln bei Bertolucci über psychoanalytische Grundfiguren bis in die Mythen reichen.«
(Frieda Grafe)

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Montag 22.4.2019 – 19:15 Uhr
NRW-Premiere
UNBEMERKTES LEBEN – INDISCHE NONNEN IN DEUTSCHEN KLÖSTERN
D/IND 2018 – OmU – 40 Min. – digital
Buch und Regie Raju Raphael und K. Rajagopal
Idee und Konzept Jose Punnamparambil
Kamera Prakash Rana – Musik Sathyajith

Eintritt frei!

Über 2.000 indische Ordensschwestern leben und arbeiten zurzeit in Deutschland. Sie sind hauptsächlich in Krankenhäusern sowie Altenheimen und im pastoralen Bereich tätig. Ein kleiner Teil von ihnen ist in den 1960er-Jahren und Anfang der 1970er-Jahre als junge Mädchen nach Deutschland gekommen, um in deutsche Klöster einzutreten. Die große Mehrheit ist aber später als ausgebildete Ordensschwestern hierhergekommen, um zu arbeiten und Geld zu verdienen und damit ihre Mutterhäuser in Indien bei unterschiedlichen humanitären, karitativen und entwicklungspolitisch relevanten Aufgaben und Projekten zu unterstützen.

Da diese Nonnen religiösen Ordensgemeinschaften angehören, betrachtet man sie nicht als Teil der indischen Diaspora in Deutschland. Ihre Dienste für Menschen hier, ihre Leistungen für ihr Heimatland Indien und vor allem ihre eigene Integrationsgeschichte als Migrantinnen aus einer ganz fremden Kultur stoßen deshalb kaum auf das Interesse der Medien oder der Öffentlichkeit. Sie leben hier aber seit Jahrzehnten und mussten sich – wie andere ausländische Menschen auch – mit vielen Problemen auseinandersetzen.

Der Dokumentarfilm erzählt die über 50 Jahre alte Geschichte dieser kleinen Gruppe. Die Zuschauer bekommen dabei nicht nur ein Bild von dem, was die Nonnen alles in Deutschland und Indien leisten, sondern sie erhalten auch Einblicke in die Anfangszeit ihrer Eingliederung in Deutschland und in ihre Schwierigkeiten, sich zu integrieren. Die Ordensschwestern erzählen auch davon, welch großartige Unterstützung sie dabei von deutscher Seite erfahren haben.

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Mittwoch 24.4.2019 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
O SLAVNOSTI A HOSTECH
(VOM FEST UND DEN GÄSTEN)
TCH 1966 – OmU – 71 Min. – s/w – 35mm
Regie Jan Němec
Buch Ester Krumbachová, Jan Němec
Kamera Jaromír Sofr – Musik Karel Mareš
Mit Ivan Vyskocil, Jan Klusák, Jirí Nemec

Eine Picknickgesellschaft wird von einigen zwielichtigen Männern terrorisiert. Plötzlich taucht ein bärtiger Mann auf, der die Gemengelage beendet und alle zu einer Geburtstagsfeier im Grünen einlädt. Als der Bärtige und sein Anhang bemerken, dass ein Mann die Einladung ausgeschlagen und sich davongemacht hat, bläst man zur Jagd auf den Außenseiter, und alle sind bereit mitzulaufen.

Eine surrealistische Parabel, die eindrucksvoll die Wirkungsmacht von Sprache als Instrument zur Machtausübung demonstriert und deren grotesk-dramatische Attacke auf eine totalitäre Bürokratie als Polemik gegen das kommunistische System verstanden wurde: Němecs Film wurde zunächst verboten und erst im Verlauf des Prager Frühlings freigegeben, um danach wieder verboten zu werden. Der Regisseur erhielt daraufhin Berufsverbot und fand erst im politischen Exil wieder zu Arbeit.

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Donnerstag 25.4.2019 – 20 Uhr
And you call yourself a Scientist?!
DIE NACKTE UND DER SATAN
BRD 1959 – 96 Min. – s/w – 35mm
Buch & Regie Victor Trivas
Kamera Georg Krause – Musik Willy Mattes, Jacques Lasry
Mit Horst Frank, Karin Kernke, Helmut Schmid, Paul Dahlke, Christiane Maybach

Professor Abel hat eine Maschine entwickelt, mit der er einen Hundekopf künstlich am Leben erhält. Sein Kollege Dr. Ood hat da eine bessere Idee: Er separiert mit ihr den Kopf des Professors. Und er hat noch mehr vor – er will den schönen Kopf einer buckligen Krankenschwester auf den Körper einer Stripteasetänzerin verpflanzen…

Hier werden dunkle Erinnerungen an KZ-Ärzte wach, die unvorstellbare Experimente durchführten. Das kennzeichnet DIE NACKTE UND DER SATAN auch als ein verstörendes Mahnmal der damals noch nicht so fernen Geschichte, dem Horst Frank als komplett dem Wahnsinn verfallenen Doktor ein Ausrufezeichen zufügt. Der Film hat einen Gefährten in der Sparte »Deutsche Filme über wahnsinnige KZ-Ärzte«: ARZT OHNE GEWISSEN von Falk Harnack, der im gleichen Jahr herauskam.

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Freitag 26.4.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert…die gnadenlose Welt des Italowestern – ARIZONA COLT-Special
ARIZONA COLT
ITA/FRA 1966 – DF – 93 Min. – 35mm
Regie Michele Lupo
Buch Ernesto Gastaldi, Luciano Martino
Kamera Guglielmo Mancori – Musik Francesco De Masi
Mit Giuliano Gemma, Fernando Sancho, Corinne Marchand, Roberto Camardiel

Arizona Colt wird unfreiwillig von der Gordon Watch-Bande aus dem Gefängnis befreit. Da er sich weigert, den Gesetzlosen beizutreten, kommt es schnell zu einer heftigen Auseinandersetzung…

Einer der bleihaltigsten Italowestern, den sogar Quentin Tarantino zu seinen Genrefavoriten zählt. Der Evangelische Filmbeobachter zeigte sich damals entsetzt: »Abzuraten wegen der für diesen Zweig des europäischen Westerns schon typischen Häufung von Brutalitäten und Sadismus.« 

DER TOD SAGT AMEN
(ARIZONA SCI SCATENÒ…E LI FECE FUORI TUTTI!)
ITA/ESP 1970 – DF – 94 Min. – 35mm
Regie Sergio Martino
Buch Ernesto Gastaldi, Joaquin Luis Romero Marchent
Kamera Miguel F. Mila – Musik Bruno Nicolai
Mit Anthony Steffen, Roberto Camardiel, Rosalba Neri, Aldo Sambrell 

Auf Arizona Colt wurde fälschlicherweise ein Kopfgeld ausgesetzt. Nachdem er ergriffen wurde, soll er gar gehängt werden…ein guter Anlass für einen gnadenlosen Rachefeldzug.

Niemand geringeres als Giallo-Profi Sergio Martino inszenierte dieses zweite ARIZONA COLT-Abenteuer. Der Film ist ein klassisches Beispiel für den Übergang vom harten Italowestern der 1960er zum lockeren Buddy-Western der frühen 1970er Jahre.

Sonderveranstaltung: 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 27.4.2019 – 20 Uhr
Hommage Robert Hossein
DIE LUMPEN FAHREN ZUR HÖLLE
(LES SALAUDS VONT EN ENFER)
FRA 1955 – DF – 88 Min. – s/w – 35mm
Regie Robert Hossein
Buch René Wheeler, Robert Hossein – Literaturvorlage Frédéric Dard
Kamera Michel Kelber – Musik André Hossein
Mit Marina Vlady, Serge Reggiani, Henry Vidal, Robert Hossein

„Zwei Strafgefangene fliehen aus einem Zuchthaus im Süden Frankreichs und schlagen sich bis in die wilde Landschaft der Camargue durch. Dort treffen sie in einer einsamen Hütte auf einen jungen Maler und seine schweigsame, faszinierende Geliebte.

Robert Hosseins Regiedebüt ist seine erste Zusammenarbeit mit dem berühmten französischen Krimi-Autor Frédéric Dard und der damals 16-jährigen Marina Vlady, die kurz darauf seine Frau wurde.“
(Deutsches Filmmuseum Frankfurt)

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Sonntag 28.4.2019 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Jonas Mekas († 23.1.2019)
REMINISCENCES OF A JOURNEY TO LITHUANIA
(ERINNERUNGEN AN EINE REISE NACH LITAUEN)
GB/BRD 1972 – OF – 81 Min. – 16mm
Buch & Regie Jonas Mekas
Kamera Jonas Mekas, Adolfas Mekas
Mit Jonas Mekas, Adolfas Mekas, Ken Jacobs, Peter Kubelka

»Dieser Film besteht aus drei Teilen. Der erste Teil setzt sich zusammen aus Material, das ich mit meiner ersten Bolex während meiner ersten Jahre in Amerika filmte, hauptsächlich von 1950-1953. […] Der zweite Teil wurde im August 1971 in Litauen gedreht. Fast das ganze Material kommt aus Semeniškiai, dem Dorf, in dem ich geboren wurde. Man sieht das alte Haus, meine Mutter (Jahrgang 1887), alle Brüder, herumalbernd, die Heimkehr feiernd; man sieht es nur durch die Erinnerungen eines Vertriebenen, wieder zu Hause zum ersten Mal seit 25 Jahren. Der dritte Teil beginnt mit einer Parenthese in Elmshorn, einem Vorort von Hamburg, wo wir ein Jahr im Arbeitslager während des Kriegs verbrachten. Nachdem die Parenthese schließt, sind wir in Wien, wo wir einige meiner besten Freunde sehen. […] Der Film endet mit dem Brand des Wiener Naschmarkts, August 1971.«
(Jonas Mekas)

»The greatest film to date by poet, critic, curator, and director Jonas Mekas, this highly personal 1971 feature […] shows his highly charged sense of film poetry at its most distilled and emotional. Essential viewing.«
(Jonathan Rosenbaum, Chicago Reader)

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Montag 1.5.2019 – 20 Uhr
Tag der Arbeit
IN DER FREMDE
BRD 1968 – 82 Min. – s/w – 16mm
Buch & Regie Klaus Wildenhahn
Kamera Rudolf Körösi

Betonbauer, Zimmerleute, Eisenflechter, Hilfsarbeiter auf Montage in der Fremde. Der Polier, der unter Druck von oben steht und den Druck nach unten weitergibt. Klaus Wildenhahn beobachtete zehn Wochen lang in der norddeutschen Provinz Arbeiter, die dort ein Getreidesilo errichteten.

Der Film endet mit einer Zufahrt auf eine diesige Sonne, eine emotionale Geste seines mittelständischen Machers. Wildenhahn war sonst ein politischer Filmemacher im besten Sinn, offen, gelassen, aber sachlich, Parolen vermeidend. Beim Festival von Oberhausen wurde der Film vom linken Publikum kritisiert: es genügte nicht, dass die Arbeiter genau gezeigt wurden, ohne Herablassung, ohne Heroisierung. Sie vermissten bei den Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen Eindeutigkeiten.

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Donnerstag 2.5.2019 – 20 Uhr
And you call yourself a Scientist?!
DER MANN OHNE KÖRPER
(THE MAN WITHOUT A BODY)
GBR 1957 – DF – 78 Min. – s/w – 35mm
Regie Charles Saunders, W. Lee Wilder
Buch William Grote
Kamera Brendan J. Stafford – Musik Albert Elms
Mit George Coulouris, Robert Hutton, Julia Arnall, Nadja Regin

Karl Brussard hat nicht nur Geld, sondern auch einen Gehirntumor. Doch er denkt gar nicht daran, sich seinem Schicksal zu ergeben. Er begibt sich vertrauensvoll in die Hände von Dr. Merritt, der tote Körperteile separiert am Leben erhält. Und warum sollte man seinen Kopf samt hirnzerfressendem Tumor nicht durch den Kopf von Nostradamus ersetzen? Denn der ist trotz seiner 400 Jahre unter der Erde in Topform.

»[…] im Finale dreht der Film endgültig durch, wenn ein unübertroffen ineffektives ›Monster‹ zögernd durchs nächtliche London tappt und die meisten Beteiligten schon der Ansicht sind, sie befänden sich in einem Traum und hätten also keinen Grund zum Erstaunen, während die Musik den alten Duke Ellington-Hit ›Caravan‹ zitiert. Und warum gräbt niemand die deutsche Fassung aus?«
(hardsensations.com)

Doch, genau das tun wir.

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Samstag 4.5.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Stanley Donen († 21.2.2019)
ARABESKE
(ARABESQUE)
USA 1966 – DF – 104 Min. – 35mm
Regie Stanley Donen
Buch Julian Mitchell, Stanley Price, Peter Stone – Literaturvorlage Gordon Cotler
Kamera Christopher Challis – Musik Henry Mancini
Mit Sophia Loren, Gregory Peck, Alan Badel

»Ein Oxford-Professor gerät in ein aufregendes Abenteuer, als er für einen arabischen Ölmagnaten mit politischen Ambitionen eine Hieroglyphenschrift entziffern soll. Fantasievolle Agenten-Komödie, einfallsreich in verschwenderischem Dekor inszeniert.«
(Lexikon des Internationalen Films)

Stanley Donen hat sich, so war es üblich für die Meister aus Hollywoods Golden Age, immer nur als schlichter Entertainer verstanden. Die vermeintlich große Filmkunst bekannterer Kollegen bewunderte er aus der Ferne. In den 1950er Jahren wurde er durch seine Filmmusicals berühmt, vor allem mit SINGIN‘ IN THE RAIN. In der darauffolgenden Dekade verlegte er sich auf Agenten- oder Tragikomödien.

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Sonntag 5.5.2019 – 19:15 Uhr
Ans Licht geholt
DREIMAL LIEBE TÄGLICH / DR. H, DER BLINDDARMKILLER
(DOCTOR IN LOVE)
GBR 1960 – DF – 95 Min. – 35mm
Regie Ralph Thomas
Buch Nicholas Phipps – Literaturvorlage Richard Gordon
Kamera Ernest Steward – Musik Bruce Montgomery
Mit Michael Craig, Virginia Maskell, Leslie Phillips, James Robertson Justice

Zwischen Hospital und Landpraxis wollen sich die Doktoren Burke und Hare als seriöse Mediziner etablieren, lassen sich jedoch auch allzu gerne durch Frauengeschichten davon ablenken.

Vierter von sieben Teilen der DOCTOR-Filmreihe, die um die ersten Berufserfahrungen junger Ärzte kreist und ihnen jeweils eine ganze Reihe an britischen Altstars in kauzigen Charakterrollen beiseite stellt. DOCTOR IN LOVE, im Jahre 1960 der besucherstärkste Film an den britischen Kinokassen, würzt den zumeist recht sanften Humor der Serie mit ein paar Frivolitäten – diesmal liegt der medizinische Vortragssaal direkt neben einem Strip-Club.

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Dienstag 7.5.2019 – 20 Uhr
Zum 75. Geburtstag von Werner Nekes (* 29.4.1944)
WERNER NEKES – DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN
D 2017 – 91 Min. – digital
Regie Ulrike Pfeiffer
Kamera Bernd Meiners – Musik André Feldhaus
Mit Werner Nekes, Bazon Brock, Bernd Upnmoor, Helge Schneider

In ihrem informativen Porträt des Experimentalfilmers Werner Nekes, der vor zwei Jahren verstarb, präsentiert Ulrike Pfeiffer ein Werk, in dem das Sammeln und Erforschen alter optischer Gerätschaften zum Quell für neuartige Filmexperimente wird. Auch erfährt man viel über die Geschichte des deutschen Avantgardefilms – und dass Nekes‘ alter Kompagnon Helge Schneider beim Schachspielen gern mal schummelt.

Im Vorprogramm:

SCHWARZHUHNBRAUNHUHNSCHWARZHUHNWEISSHUHNROTHUHNWEISS ODER PUT-PUTT
BRD 1967 – 10 Min. – 16mm
Kamera, Buch & Regie Werner Nekes

BEUYS
BRD 1981 – 11 Min. – 16mm
Buch & Regie Werner Nekes, Dore O.
Kamera Erich Krenek
Mit Joseph Beuys

In Anwesenheit von Ulrike Pfeiffer

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Mittwoch 8.5.2019 – 20 Uhr
Ziviler Widerstand
ROLLING THUNDER
(DER MANN MIT DER STAHLKRALLE)
USA 1977 – OF – 99 Min. – 35mm
Regie John Flynn
Buch Paul Schrader, Heywood Gould
Kamera Jordan Cronenweth – Musik Barry De Vorzon
Mit William Devane, Tommy Lee Jones, Linda Haynes, James Best

Mag er noch seiner dunklen Zelle in Vietnam entkommen sein, Rane wird auch die Heimat zum Gefängnis; als Kriegsgefangener kehrt er zurück, aber das Zurück in die Familie bleibt ihm verwehrt. Die seltsame Gewalt, die ihn heimsucht, führt in die doppelte Grenzüberschreitung: die Gewalt geht nun auch von ihm aus und er flieht, nach Mexiko, das hier als mythischer Widerpart zu einer technokratischen US-Gesellschaft aufscheint.

Ranes Transgression wird nicht glorifiziert, er agiert seine erlittenen Traumata aus. So ist der Film auch kein reaktionärer street western, sondern das radikale Porträt einer Kultur am Abgrund – als Kommentar zum Krieg in Vietnam und seinen Effekten auf die zivile Bevölkerung der USA. Seine Vigilante-Geschichte wird zur Metapher für soziale Entfremdung und Rassismus.

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Donnerstag 9.5.2019 – 20 Uhr
And you call yourself a Scientist?!
4D MAN
(DER 4D MANN)
USA 1959 – OF – 85 Min. – 16mm
Regie Irvin S. Yeaworth Jr.
Buch Theodore Simonson, Cy Chermak
Kamera Theodore J. Pahle – Musik Ralph Carmichael
Mit Robert Lansing, Lee Meriwether, James Congdon, Robert Strauss, Patty Duke

Dr. Tony Nelson will mit dem Kopf durch die Wand. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn er will die molekulare Struktur von festen Gegenständen so verändern, dass man durch sie hindurchgehen kann. Doch bei einem seiner Experimente fackelt das Labor ab. Darum heuert er bei seinem wissenschaftlich eher erfolglosen Bruder an. Der führt seine Versuche heimlich weiter und schafft den – äh – Durchbruch. Mit ungeahnten körperlichen Folgen…

Ein geradezu grotesk sorgfältig inszenierter B-Film, der auch noch den abstrusesten Unsinn als bare Münze verkauft. Schnell noch den Cheeseburger reingestopft, die Brille geputzt und dann ohne Nachzudenken hinein ins Kino. Mad Scientists! Vampire! Jazz! 4D! Waaaah…

»Wow, who wrote this thing, Sigmund Freud?«
(The B-Movie Catechism)

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Freitag 10.5.2019 – 20 Uhr
Zu Gast im Filmclub 813: Bertrand Stern & Joshua Conens
CaRabA #LebenohneSchule
D 2019 – 92 Min. – digital
Regie Katharina Mihm
Buch Andreas Laudert, Bertrand Stern, Joshua Conens
Kamera Arsenij Gusev – Musik Elias Gottstein
Mit Yunus Gürkan, Carl Hiller, Emma Brüggler, Paul Csipai, Lena Stoll

Was würden junge Menschen tun, wenn sie ihren tatsächlichen Interessen folgen könnten? In diesem Episodenfilm forscht Saskia an einem Schlafmittel und ringt um die Anerkennung ihrer Arbeit; der entwaffnend-naive Nuri begleitet seinen Vater beim Taxifahren und interviewt die Fahrgäste; der verträumte Lovis spielt Tischtennis im Park, arbeitet an der Zeit und verliebt sich; Max malt Waschmaschinen beim Schleudern und entdeckt Gott in Dürer (oder umgekehrt); während bei der erst ziellosen Janne das Schicksal zum temporären Auszug von zu Hause und zur Feldforschung über Familie führt.

Der Film zeigt eine Welt ohne Schulen. Fünf junge Menschen finden zu ihren ganz eigenen Bewegungen. Mit Phantasie untersucht Mihm, wie das Leben selbst zum fortwährenden Bildungserlebnis wird. Der erste Spielfilm zur Zukunft der Bildung regt an, gemeinsam Visionen zu entwickeln. Die Ausgangsfrage ist: Wann und wo geschieht Bildung eigentlich?

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Samstag 11.5.2019 – 20 Uhr
Carte Blanche: Tobias Schmücking
DARK CITY
USA 1998 – DF – 100 Min. – 35mm
Buch & Regie Alex Proyas
Kamera Dariusz Wolski – Musik Trevor Jones
Mit Jennifer Connelly, Rufus Sewell, William Hurt, Kiefer Sutherland

Eine Stadt, über der immer Nacht liegt, ein Mann auf der Suche nach seinen wirklichen Erinnerungen, seltsame Fremde, die ein merkwürdiges Experiment durchführen, eine geheimnisvolle Frau und ein Strand, an den sich jeder erinnert, von dem aber niemand weiß, wo er liegt.

Die dunkle Stadt aus dem Vorgängerfilm THE CROW ist hier zum Antagonisten geworden, zugleich dient sie als Labor für ein philosophisches Gedankenexperiment über das Wesen von Erinnerung und Imagination, welches Proyas mit den finsteren Bildern Wolskis irgendwo zwischen Science Fiction, Film Noir und Märchen in Szene setzt.

Im Vorprogramm:

AUERMÜHLE, MAI 2003
D 2003 – 7 Min. – 16mm
Kamera, Buch & Regie Tobias Schmücking
Musik Quastenflosser
Mit Nina Niermann

In einem Freibad vor Saisonbeginn: Licht und Schatten verändern sich, einige Wolken ziehen vorbei und ein Mädchen springt vom Fünfer.

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Sonntag 12.5.2019 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Václav Vorlíček († 5.2.2019)
DAS ENDE DES GEHEIMAGENTEN W4C
(KONEC AGENTA W4C PROSTŘEDNICTVÍM PSA PANA FOUSTKY)
TCH 1967 – DF – 90 Min. – s/w – 35mm
Regie Václav Vorlíček
Buch Oldřich Daněk, Václav Vorlíček
Kamera František Uldrich – Musik Svatopluk Havelka
Mit Jan Kačer, Květa Fialová, Jiří Sovák, Jan Libíček

Cyril Juan Borguette alias W4C ist Geheimagent und Meister seines Fachs. Seine gefährlichste Mission führt ihn in ein Prager Hotel, das vor konkurrierenden Spionen nur so wimmelt – alle sind sie auf der Jagd nach einem Salzstreuer, der die Pläne zur militärischen Nutzung der Venus enthält.

Für immer im kulturellen Gedächtnis verankert bleiben wird Václav Vorlíček durch seine Märchenfilme, allen voran DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL. Doch auch jenseits dieses Genres erwies er sich immer wieder als einer der einfallsreichsten Regisseure des tschechischen Unterhaltungskinos, so auch mit dieser stilvollen James-Bond-Parodie. In Cinemascope gedreht und ursprünglich mit 4-Kanal-Magnetton ausgewertet, war sie eine seiner aufwändigsten Produktionen und zugleich ein großer Erfolg – und das zu einem Zeitpunkt, als weder Vorlíček noch sein Zielpublikum mit 007 näher vertraut waren. Vielleicht folgerichtig, dass sich als eigentlicher Held der Geschichte nicht der eitle Agent, sondern ein tollpatschiger Buchhalter mitsamt seinem treuen Hund erweist.

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Mittwoch 15.5.2019 – 20 Uhr
Zum 80. Geburtstag von Volker Schlöndorff (* 31.3.1939)
MORD UND TOTSCHLAG
BRD 1967 – 87 Min. – 35mm
Regie Volker Schlöndorff
Buch Volker Schlöndorff, Gregor von Rezzori, Niklas Frank, Arne Boyer
Kamera Franz Rath – Musik Brian Jones
Mit Anita Pallenberg, Hans Peter Hallwachs, Manfred Fischbeck, Werner Enke

Hans will Marie verlassen, doch vorher noch einmal mit ihr schlafen. Darauf hat sie keine Lust und erschießt ihn. Zusammen mit Kneipenbekanntschaft Günther macht sie sich daran, die Leiche wegzuschaffen.

Mit seinem zweiten Film orientierte sich Volker Schlöndorff ausnahmsweise an keiner Literaturvorlage, sondern ganz am Puls der Zeit. So gewann er für die Musik den Gitarristen der Rolling Stones, für eine Nebenrolle Werner Enke noch vor seinem Ruhm als Fummler. Louis Malle und Rainer Werner Fassbinder zeigten sich von der unterkühlten Krimi-Variation begeistert, die United Artists belohnte Schlöndorff mit einem Sechsjahresvertrag.

»MORD UND TOTSCHLAG ist ein Film über die Naivität. Marie probiert aus, wie naiv man sich ungestraft verhalten kann, Volker Schlöndorff, ob es möglich ist, so zu filmen, wie Marie handelt. Marie geht nicht zur Polizei, Volker Schlöndorff hatte keine Lust, einen bedeutungsvollen Film zu drehen. Und weil ihm das wahrscheinlich auch nicht liegt, ist MORD UND TOTSCHLAG ein ehrlicherer Film als DER JUNGE TÖRLESS und deshalb im Grunde der eigentlich erste Film des Autors Volker Schlöndorff.«
(Uwe Nettelbeck, Die Zeit)

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Donnerstag 16.5.2019 – 20 Uhr
And you call yourself a Scientist?!
DER TOTE KEHRT ZURÜCK
(MISTERIOS DE ULTRATUMBA)
MEX 1959 – DF – 79 Min. – s/w – 35mm
Regie Fernando Méndez
Buch Ramón Obón
Kamera Víctor Herrera – Musik Gustavo César Carrión
Mit Gastón Santos, Rafael Bertrand, Mapita Cortés, Carlos Ancira

Dr. Mazali beschäftigt sich mit dem Leben nach dem Tod. Als sein Kollege Dr. Aldama stirbt, öffnet sich für ihn eine Tür ins Jenseits. Denn der Tote ist über ein Medium zu erreichen. Er gibt Mazali auch eine Antwort – und warnt ihn. Doch Mazalis Wissensdurst ist durch nichts mehr zu bremsen. Zunächst muss er sich aber als Leiter der Psychiatrie um eine durchgeknallte Patientin kümmern, die Pflegern Säure ins Gesicht kippt.

Ein wüster Plot, der erst schwer in Gang kommt, sich dann aber urplötzlich überschlägt.  Das wahre Juwel des Films ist aber die Psychiatrie. Eingebettet in ein altes Landhaus, umgeben von Nebel, voller seltsamer Figuren und inszeniert in einem wahren Rausch von Schwarz-Weiß-Bildern. Ein würdiger Abschluss der Reihe.

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Samstag 18.5.2019 – 20 Uhr
Hommage Robert Hossein
HAUT FÜR HAUT
(LE GOÛT DE LA VIOLENCE)
FRA/ITA/BRD 1961 – DF – 85 Min. – s/w – 35mm
Regie Robert Hossein
Buch Robert Hossein, Louis Martin, Claude Desailly, Walter Ulbrich
Kamera Jacques Robin – Musik André Hossein
Mit Robert Hossein, Giovanna Ralli, Mario Adorf, Hans H. Neubert

Ein Revolutionswestern als Genre-Meditation, in ihrem Mittelpunkt der zunehmend unsichere Weg durch die Prärie dreier aufständischer Bauern und der von ihnen gefangengenommenen Präsidententochter.

»Die Kamera fängt scheinbar ikonische Momente ein, die Bilder wirken monumental, erinnern an Kompositionen aus der klassischen Historienmalerei. Große Ereignisse glänzen jedoch durch ihre Abwesenheit. Wie zu Beginn, werden wir auch bis zum Ende nur das Davor oder Danach erleben, die Auswirkungen von Ereignissen […].«
(Sano Cestnik, eskalierende-traeume.de)

»Die Frau […] ist das Zentrum dieses Films, zu dem man immer wieder hin schauen muss. […] Eine versteinerte, singuläre Schönheit, sehr ernst, gesammelt, unbewegt und glühend, eine menschliche Blume, deren Füße festgewachsen sind. ›Das ist keine Frau mehr. Das ist Dynamit‹, sagt Mario Adorf, ein pragmatisch gieriger, bodenhaftender Geist, jenseits von Idealen und Moral.«
(Silvia Szymanski, hardsensations.com)

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Sonntag 19.5.2019 – 19:15 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Agnès Varda († 29.3.2019)
LES GLANEURS ET LA GLANEUSE
(DIE SAMMLER UND DIE SAMMLERIN)
FRA 2000 – OmU – 82 Min. – 35mm
Buch & Regie Agnès Varda
Kamera Stéphane Krausz, Didier Rouget, Pascal Sautelet, Agnès Varda
Musik Joanna Bruzdowicz, Isabelle Olivier
Mit Bodan Litnanski, Agnès Varda, François Wertheimer

Der Titel ist Programm, ein Film über Menschen, die vom Abfall der großen Gesellschaft leben, von dem, was die Masse, der Mainstream übersieht, ignoriert, verachtet. Das mit den Überresten und dem Sammeln, das hat Agnés Varda ihr Leben lang beschäftigt, seit ihrem ersten Film, und das Kino wird zum Flohmarkt bei ihr, zum Kramladen im schönsten Sinn.

Fasziniert bleibt sie stets von den Strukturen des Lebens, von der Oberfläche der Dinge, von Falten und Runzeln, von Spuren in Staub und Dreck. Anfang siebzig war sie, als sie sich mit einer digitalen Kamera einmal mehr neu erfand und zum Kino in seiner einfachsten Form vordrang – eine Hand filmt die andere. Von bekannten Bildern geht sie aus, um zu neuen zu gelangen.

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Mittwoch 22.5.2019 – 20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Agnès Varda († 29.3.2019)
VOGELFREI
(SANS TOIT NI LOI)
FRA 1985 – DF – 107 Min. – 35mm
Buch & Regie Agnès Varda
Kamera Patrick Blossier – Musik Joanna Bruzdowicz
Mit Sandrine Bonnaire, Marthe Jarnias, Yolande Moreau, Joël Fosse

Immer wieder kehrt das Kino zu seinen Anfängen zurück: zu den Abenteuern, die von den einfachsten Dingen erzählen – von Oberflächen und Bewegungen. VOGELFREI, das ist ein Film über die provenzalische Landschaft. Und über eine junge Frau, die herumstreicht, und die Kamera zwingt, sie zu begleiten. Alles bleibt extrem distanziert: unerklärlich und kalt. Es wird nicht viel geredet. Die Weinberge, Straßen und Mauern, Häuser und Wohnungen. Der Film funktioniert wie ein aufregendes Puzzle: nicht in der Zeit, sondern im Raum.

Pier Paolo Pasolini schrieb, nach dem Tod gebe es die Kontinuität des Lebens nicht mehr. Aber dann gäbe es seinen Sinn. Varda zeigt hier, dass jeder Sinn seine Bedeutung verliert, wenn ein Mensch so stark ist, nur im Vorbeigehen zu leben, ohne jede Ordnung, ohne nähere Kontakte, ohne Perspektive.

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Donnerstag 23.5.2019 – 20 Uhr
Filmmuseum Düsseldorf präsentiert…
THE CRYING GAME
GBR 1992 – OmU – 112 Min. – 35mm
Buch & Regie Neil Jordan
Kamera Ian Wilson – Musik Anne Dudley
Mit Stephen Rea, Jaye Davidson, Forest Whitaker, Miranda Richardson

Eine Gruppe von IRA-Terroristen nimmt den britischen Soldaten Jody als Geisel. Der sanftmütige Fergus freundet sich mit Jody an und nimmt ihm kurz vor seinem Tod als letztes Versprechen ab, seiner Freundin Dil seine Liebe auszurichten. Mit veränderter Identität sucht er Dil auf und erliegt ihrer geheimnisvollen Anziehungskraft. Sie beginnen eine Liebesaffäre. Doch nichts ist so wie es scheint und bald schon tauchen zwei totgeglaubte Terroristen mit einem folgenreichen Anschlagsplan auf.

Das Begehren von Fergus führt direkt in den gender trouble, ein Begehren, das über Grenzen von Ethnie, Körper und Geschlecht hinausreicht. Cross dressing-Filme haben eine lange Tradition im Kino, aber Jordan motiviert und markiert diesen Konflikt nicht. Damit gibt er dem Zuschauer dessen Mündigkeit zurück. So ist der Film nur vordergründig ein Thriller, entpuppt sich vielmehr als eine Reise in die Nacht von Freundschaft, Liebe, Beziehungen.

Einführung: Philipp Hanke, Filmmuseum Düsseldorf

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Freitag 24.5.2019 – 20 Uhr
Dirty Pictures präsentiert…die gnadenlose Welt des Italowestern
DJANGO-Retrospektive, Teil 4

Im 4. Teil unserer Retrospektive geben sich der bereits DJANGO-erprobte Anthony Steffen und der spätere MAN EATER George Eastman die Ehre. 

EIN FRESSEN FÜR DJANGO
(W DJANGO!)
ITA 1971 – DF – 83 Min. – 35mm
Regie Edoardo Mulargia
Buch Nino Stresa
Kamera Marcello Masciocchi – Musik Piero Umiliani
Mit Anthony Steffen, Glauco Onorato, Riccardo Pizzuti, Stelio Candelli

Django startet nach der Ermordung seiner Frau einen gnadenlosen Rachefeldzug. Rasch pflastern Leichen seinen Weg…

Der letzte Italowestern vom späteren Exploitation-Regisseur Edoardo Mulargia, gepfeffert mit lockeren Sprüchen und skurrilen Ideen.

» […] die Handlung marschiert von Minute Null in einem atemlosen Tempo, das auch bis zum Schluss durchgehalten wird.«
(Christian Keßler) 

DJANGO TÖTET LEISE  
(BILL IL TACITURNO)
ITA/FRA 1967 – DF – 98 Min. – 35mm
Regie Massimo Pupillo
Buch Renato Polselli
Kamera Mario Parapetti – Musik Berto Pisano
Mit George Eastman, Liana Orfei, Luciano Rossi, Federico Boido 

Django gerät zwischen die Fronten zweier Banden, nachdem er bei einem Überfall einer Frau das Leben gerettet hat. Alleine nimmt er den Kampf auf…

George Eastmans breites Lächeln sorgt für die wenigen freundlichen Momente. Ansonsten regieren üble Gestalten und verlorene Drecksnester das Geschehen. Ein harter und schmutziger Western – wir zeigen eine entsprechend passende Bahnhofskinokopie.

Sonderveranstaltung 8,13 € / 7,13 € / 6,13 €

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Samstag 25.5.2019 – 20 Uhr
Fosse plays Fellini
ACHTEINHALB
(OTTO E MEZZO)
ITA/FRA 1963 – DF – 137 Min. – s/w – 35mm
Regie Federico Fellini
Buch Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ennio Flaiano, Brunello Rondi
Kamera Gianni Di Venanzo – Musik Nino Rota
Mit Marcello Mastroianni, Sandra Milo, Anouk Aimée, Claudia Cardinale

»Äußerlich ein Film über die Lebens- und Schaffenskrise eines Filmregisseurs, bei näherer Betrachtung indes spielt es keine Rolle, dass es sich um einen Regisseur handelt. ACHTEINHALB erzählt von der Krise eines Menschen, der nicht weiter weiß, dessen Überlebenstechniken ihm nicht mehr helfen, dessen Kreativität erloschen zu sein scheint. Folgerichtig kommt ihm der sichere Sinn für die Außenwelt abhanden, immer häufiger überlagern Träume und Erinnerungsphantasien die Wahrnehmung „objektiver“ Realität, am Ende kann man zwischen beidem nicht mehr unterscheiden, die Anzeichen sprechen dafür, dass das ganze letzte Viertel des Films eine reine Projektion der Innenwelt nach außen darstellt. […] Der Titel leitet sich daher ab, dass dies der achteinhalbte Film des Regisseurs sei, ein kürzerer Episodenfilm eingerechnet, die Zählung bleibt jedoch umstritten.«
(Thomas Koebner)

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Sonntag 26.5.2019 – 19:15 Uhr
Fosse plays Fellini
ALL THAT JAZZ
(HINTER DEM RAMPENLICHT)
USA 1979 – OF – 123 Min. – 35mm
Regie Bob Fosse
Buch Robert Alan Aurthur, Bob Fosse
Kamera Giuseppe Rotunno – Musik Ralph Burns
Mit Roy Scheider, Jessica Lange, Leland Palmer, Ann Reinking

Auf den ersten Blick eine typische Backstage-Geschichte, mit einigen fulminanten Musical-Nummern, die als Proben oder Vorstellungen vor kleinem Publikum gekennzeichnet sind. Doch all that jazz bedeutet auch: all das Zeug, das einem im Leben zu viel werden kann; der Held Joe Gideon ist ein Getriebener und Zerrissener, der zwischen Aufgaben und Ansprüchen hin und her taumelt, als Choreograf und Regisseur ein Selbstbild von Bob Fosse selbst – so wie einst der ratlose Guido Anselmi in ACHTEINHALB die Lebenslage Federico Fellinis wiedergespiegelt hat.

Der Film berührt, selbst in seiner rhapsodischen Form und seiner unsentimentalen Schilderung des imaginären oder realen Broadway als Inbegriff von Showbusiness, als Teil eines umfassenden Blendwerks, weil er das altvertraute und jeweils neu schockierende Vanitas-Motiv – von der Eitelkeit irdischen Lebens – aufgreift und Gideon auf der nicht mehr rückgängig zu machenden Fahrt zum Ende begleitet.

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Mittwoch 29.5.2019 – 20 Uhr
Paris mon amour
NUIT ET JOUR
(DIE NACHT, DER TAG)
BEL/FRA/CH 1991 – OmU – 92 Min. – 35mm
Regie Chantal Akerman
Buch Chantal Akerman, Pascal Bonitzer
Kamera Jean-Claude Neckelbrouck – Musik Marc Hérouet
Mit Guilaine Londez, Thomas Langmann, François Négret

In einer Pariser Dachwohnung, nahe des Boulevard de Sébastopol, lieben sich Julie und Jack, jeden Tag. Bei Dunkelheit fährt er Taxi, sie wandert singend durch die Straßen. Dabei trifft sie Joseph, der fortan ihr Liebhaber für die Nacht wird.

»NUIT ET JOUR ist ein Paradoxon: ein völlig materieller Film über Gefühle. Wie immer bei Chantal Akerman gestaltet er sich als Kino der Reduktion: nur was wichtig ist, kann man sehen. Alles hat eine Bedeutung – von der Farbe der Wand über die Kleidung der Darsteller bis zum kleinen Werbeaufdruck auf einer Einkaufstüte -, und alles liegt offen dar: man muss es nur sehen, hören – vor allen Dingen fühlen können.«
(Olaf Möller, Filmdienst)

»NUIT ET JOUR ist pure, konkrete, in ihrer Schönheit ergreifende kinematografische Sinnlichkeit – die Körper, die Farben, das Licht, alles strahlt.«
(Rui Hortênsio da Silva e Costa, filmmuseum.at)

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Donnerstag 30.5.201915 Uhr
Heinz Sielmann – Kurzfilmprogramm I:
Wild unserer Wälder – Naturfilme 1949-1955
BRD 1951-55 – 100 Min. – s/w – 16mm

Als Heinz Sielmann 2006 starb, gehörte er zu Deutschlands bekanntesten Fernsehpersönlichkeiten. Zwischen 1965 und 1991 hatte er die überaus populäre Sendung EXPEDITIONEN INS TIERREICH moderiert. Da blickte er bereits auf eine lange Karriere als Dokumentarfilmer zurück, die in den 40er Jahren begann und heute weit weniger bekannt ist – auch wenn viele seiner frühen Kurzfilme ein langes Leben im deutschen Biologieunterricht hatten.

Dieses Programm zeigt Sielmanns früheste Kurzfilme in historischen Kopien. Die Filme galten der heimischen Tierwelt, die in den ersten Nachkriegsjahren von Wilderei bedroht war. Eine überraschende Verbindung zum Kunstkontext ist die Mitwirkung von Joseph Beuys an dem von der Forschung bislang unbeachteten Stummfilm WASSERWILD AUF DEM FRÜHJAHRSZUG (1949-51). Der damalige Kunststudent konstruierte für den Film phantasievolle Kameraverstecke – darunter ein getarntes Boot -, die seinen späteren Installationen vorgreifen; er ist auch selbst im Film zu sehen.

Wir zeigen WASSERWILD AUF DEM FRÜHJAHRSZUG (1951), RAUBVÖGEL DER HEIMAT, REINEKE FUCHS (alle 1951), sowie QUICK; DAS EICHHÖRNCHEN (1952), KONZERT AM TÜMPEL (1954), IM HAMSTERREVIER (1954) und ZIMMERLEUTE DES WALDES (1955).

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Donnerstag 30.5.2019 – 20 Uhr
Sommerblut 2019
Afghanistan 1969.
Ein Land, vom Kino gerettet
AFG 1969 – stumm – 44 Min. – digital
Regie & Kamera Anna Bevicchi

Super-8-Film, 1969 in Afghanistan von einer jungen Regisseurin belichtet, der sich zu einem Zeitdokument formt. Das Land, das wir hier sehen, gibt es nicht mehr, nicht nur, weil seitdem 50 Jahre vergangen sind, sondern, weil es in den letzten Jahrzehnten durch zahlreiche Kriege verwüstet wurde – so genannter Friedensmissionen zum Trotz. Das Filmmaterial zeigt da noch ein Land, das in Frieden lebt. Bilder, weit entfernt von den Medienbildern, die wir heute mit Afghanistan in Verbindung bringen. Für eine Ökologie des Sehens, die in unserer von Bildern dominierten Welt mehr denn je notwendig ist.

Mit Live-Musikbegleitung und anschließendem Publikumsgespräch

In Kooperation mit Sommerblut Kulturfestivals

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Freitag 31.5.2019 – 20 Uhr
Wiederholung
DIE NACHT DES JÄGERS
(THE NIGHT OF THE HUNTER)
USA 1955 – DF – 91 Min. – s/w – 35mm
Regie Charles Laughton
Buch James Agee – Literaturvorlage Davis Grubb
Kamera Stanley Cortez – Musik Walter Schumann
Mit Robert Mitchum, Lillian Gish, Sally Jane Bruce, Billy Chapin, Shelley Winters

»Vom deutschen Expressionismus beeinflußt, arbeitet der Film mit suggestiven Licht- und Toneffekten und erzeugt so eine irreale, beklemmende, manchmal schockierende Atmosphäre. Laughton bezeichnete seine einzige Regiearbeit als albtraumhaftes Märchen. Der Film fand zunächst wenig Resonanz, wurde aber später als Werk mit originärer Filmsprache wiederentdeckt.«
(Lexikon des Internationalen Films)

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Der Filmclub 813 ist Gewinner des Lotte-Eisner-Preis 2017 des Kinematheksverbundes.

Die Jury-Begründung:
»Der Filmclub 813 e.V. erhält den Lotte-Eisner-Preis für sein ausgezeichnetes, erfrischend kreatives Programm, das Alt mit Neu, Stumm mit Ton, Kunst mit Pop und Konsenskanon mit Trash verbindet. Der Filmclub 813 liebt, sieht, kuratiert, empfiehlt und zeigt außergewöhnliche Filme (…) in der vorwiegend analogen Vorführpraxis. Sie haben in ihrem Jubiläums-Kinojahr 2016 das erste 813-Non-Stop-Kino-Wochenende mit einem wagemutigen Programm installiert, das sich nicht scheut „L’Etoile de Mer“ (1928) von Man Ray als Vorfilm zu einer 35mm-Kopie von „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ aus dem Jahr 2014 zu zeigen. (…) Die Kurator*innen lassen sich von ihrer kritischen (Schau-)Lust und ihrem Kinowissen treiben, abseits eines vermeintlichen Kanons, und bereichern damit das Kinogeschehen. Die „Eisnerin“ wäre angetan von der vorbildhaft cine-enthusiastischen Programmarbeit und differenzierten Auseinandersetzung mit den Medien, Formaten und Inhalten von Film.«

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Hinweis: Die Rechte des verwendeten Bildmaterials auf dieser Website liegen bei den Rechteinhabern bzw. sind in seiner Verwendung genehmigt. Sollte es Fälle geben, bei denen ein Rechteinhaber nicht ausfindig gemacht werden konnte, so bitten wir diesen, sich bei berechtigten Ansprüchen beim Filmclub 813 zu melden.

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